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Von Westen – und von Süden: Zwei Wege zum Klinikum

Vehlen/Landkreis (crs). Nicht allein aus dem Westen, auch aus dem Süden geht’s zum Krankenhaus: Das neue Klinikum Schaumburg bei Vehlen soll von zwei Seiten erschlossen werden.

veröffentlicht am 14.10.2010 um 12:23 Uhr
aktualisiert am 04.12.2012 um 12:24 Uhr

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Der geplante Kreisstraßen-Neubau führt aus südlicher Richtung von der Eilsener Straße am Ortseingang von Röhrkasten (etwa in Höhe von Getränke Anke) zum Gelände des Klinikums, macht dort eine Kurve Richtung Westen, führt mit einer Brücke über die Aue und mündet nördlich von Ahnsen auf die Landesstraße 451. Diese Lösung ist das Ergebnis monatelanger Planungen, Anhörungen und Expertisen. Und es ist absoluter Konsens unter allen Verfahrensbeteiligten: „Diese zweiseitige Erschließung ist die optimale Lösung“, bekräftigten Vertreter von Landkreis, Anrainerkommunen, ProDiako und Planungsbüro von Luckwald gestern bei einem Pressetermin im Kreishaus.

Und der von den Krankenhausplanern beauftragte Verkehrsexperte Prof. Dr. Wolfgang Haller geht sogar noch einen Schritt weiter: „Dieses Krankenhaus ist vergleichsweise problemlos zu erschließen“, spricht der Geschäftsführer von „SHP Ingenieure“ aus Hannover von einer „einfachen verkehrlichen Abwicklung“.

Haller hat im Zuge der Planung des Gesamtklinikums Schaumburger Land Verkehrsaufkommen und Verkehrsfluss im Gebiet zwischen Obernkirchen und Bad Eilsen, Vehlen und Ahnsen analysiert – die aktuellen Verkehrsströme aufgrund von sechs Zählstellen, die prognostizierten aufgrund voraussichtlicher Besucherzahlen im Krankenhaus. Hallers Untersuchung zugrunde liegen rund 4600 sogenannte tägliche „Wege“ zum Krankenhaus, hin oder zurück: 1900 von Beschäftigten, 1420 von Patienten, 1140 von Besuchern, zweimal 30 Notfallfahrten, zweimal 25 Lieferfahrten. „Das ist schon nicht wenig“, sagt der Experte und vergleicht das Verkehrsaufkommen aufgrund von Erfahrungswerten („man rechnet knapp vier Wege pro Einwohner und Tag“) mit einer Ortschaft von 1200 Einwohnern. Diese 4600 Wege bedeuten der Expertise zufolge rund 3400 Kraftfahrzeuge pro Tage, von denen knapp die Hälfte aus Richtung Norden über die B 65 kommt, knapp die Hälfte aus dem Süden über Bad Eilsen.

Die doppelte Erschließung von zwei Seiten bietet aus Sicht der Planer gleich mehrere Vorteile: Wegen der genannten Verkehrsteilung aus Norden und Süden sind Haller zufolge zwei Anbindungen sinnvoll, die Erschließung vermeide zudem die als „sehr sensibel“ eingestuften Wohngebiete in Vehlen (Bäckerstraße und Zum Felde), Obernkirchen (Wilhelm-Busch-Straße und Schliepstraße) und Ahnsen (An der Aue) – diese allerdings würden auch bei einer einseitigen Erschließung über die L 451 geschont. Nicht zuletzt aber biete eine zweite Zufahrtsmöglichkeit dem Krankenhaus eine größere Betriebssicherheit, „bei einer Klinik-Anbindung muss man auch mögliche Havariefälle im Blick haben“, betont Haller die Bedeutung des zweiten Weges.

Der besondere Charme dieser Lösung liegt jedoch in seinem Nutzen für die Gemeinde Ahnsen: Die neue Kreisstraße bedeutet für den Ort im Gegensatz zur einfachen Erschließung eine erhebliche Entlastung, Besucher des Klinikums müssen nicht durch den Ort Ahnsen fahren. Verkehrsplaner Haller geht davon aus, dass sich der Verkehr in Ahnsen bei der Entscheidung für die andere Variante annähernd verdoppelt hätte – von aktuell 2200 Fahrzeugen am Tag auf rund 4000.

In der Tat eine Verdopplung des Verkehrs bedeutet die Planung (egal ob einseitig oder doppelt angebunden) für die L 451 in Vehlen, allerdings von niedrigem Niveau kommend: Statt bislang 1900 Fahrzeugen am Tag werden es laut Expertenprognose künftig 3500 sein. Die Zusatzbelastung für Bad Eilsen beziffert Haller auf 10 bis 20 Prozent, in Ahnsen und Obernkirchen gebe es kaum Zusatzbelastung.

Diskutiert worden war auch die Lösung, die Straße deutlich weiter nördlich Richtung Vehlen auf die L 451 münden zu lassen. „Dann aber“, so betont Diplom-Ingenieur Georg Seibert vom Planungsbüro von Luckwald, „wäre das Überschwemmungsgebiet stärker berührt worden, wir hätten wesentlich mehr in Natur und Landschaftsschutz eingegriffen, die Strecke wäre länger geworden.“ Dennoch erfolge die Anbindung an die Landesstraße so weit nördlich wie möglich – mit möglichst viel Abstand zu Ahnsen, „auf Knirsch am Überschwemmungsgebiet“.

Wie es jetzt weitergeht? Der Auftrag an einen städtebaulichen Entwurfsplaner steht unmittelbar bevor. Dieser wird dann die Details ausarbeiten, Kurvenradius und -führung am Krankenhaus ebenso genau festlegen wie die Abbiegevarianten insbesondere bei der südlichen Anbindung: Möglich sind hier zwei, drei Varianten – entweder könnte die neue Straße abknicken oder die vorhandene Eilsener Straße, denkbar ist auch ein Kreisverkehr.

Ebenfalls jetzt angeschoben wird die Entscheidung auf politischer Ebene: Im Spätherbst sollen die Kreistagsabgeordneten darüber befinden, die Straße soll ins nächste Kreisstraßenbauprogramm aufgenommen werden.

Die Grunderwerbsverhandlungen jedenfalls seien „in der letzten Phase“, betonen die Planer. Da die neue Straße aufgrund des Verkehrsaufkommens eine Kreisstraße werden soll, liegt die Straßenbaulast beim Landkreis. Der jedoch wird mit den geschätzten Kosten von rund 3 Millionen Euro für den Straßenbau nicht allein gelassen: Das Land hat in Sachen Förderfähigkeit bereits positive Signale ausgesendet, mit 60 bis 70 Prozent Förderung nach dem Entflechtungsgesetz sei üblicherweise zu rechnen, stellt Kreisbaudezernent Fritz Klebe dar. Und: Auch ProDiako will sich am finanziellen Aufwand beteiligen.

Ungefähr hier soll sie entlangführen, die Anbindung zum Klinikum aus Richtung Süden durch das Gebiet „Auf dem Stapel“. Unser Bild zeigt den Blick aus Richtung Krankenhaus-Gelände in Richtung Röhrkasten.



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