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23 Jahre alte Frau aus Pegestorf verfolgt beharrlich ihr Ziel – und ist am Ende erfolgreich / Eine Erfolgsgeschichte

Von wegen Lernschwäche: Nadine Fischer wird Köchin

Polle/Pegestorf (bs). Die Sprache ist manchmal derb, die Arbeitsbelastung in Spitzenzeiten enorm – doch Nadine Fischer hat ihre Männer in der Küche im Griff. Die 23-Jährige aus Pegestorf meistert zurzeit ihre Ausbildung als Köchin im Restaurant „Graf Everstein“ in Polle. Sie hat gute Noten, arbeitet kontrolliert und zuverlässig. Ihr Chef, Uwe Multhoff, ist mit ihr rundum zufrieden. Das ist – eigentlich – nichts besonderes. Doch Nadine Fischer hat in ihre berufliche Zukunft viel Fleiß investiert. Als Förderschülerin gestartet, verfolgt sie ihre Karriere von der Beiköchin zur Köchin mit besonderem Engagement. Und erhält dabei Unterstützung von der Agentur für Arbeit und ihrem Ausbildungsbetrieb.

veröffentlicht am 07.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 03:21 Uhr

Nadine Fischer hat ihre Männer in der Küche im Griff.
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„Ich möchte Bäckerin werden“, erklärte Nadine Fischer bereits in der Förderschule. Und auf dieses Berufsziel arbeitete sie kontinuierlich hin. Das Mädchen besuchte 2002 das Berufsvorbereitungsjahr an den Berufsbildenden Schulen in Holzminden, machte ihren Hauptschulabschluss, absolvierte die Berufsfachschule Ernährung/Hauswirtschaft und kam 2004 in eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme in Holzminden mit Stützunterricht in Mathematik und Deutsch.

Nadine Fischer suchte eine betriebliche Ausbildungsstelle als Hauswirtschafterin oder Köchin, schrieb 20, 30 Bewerbungen, erhielt nur Absagen. Die Pegestorferin, unterstützt von ihrer Familie, steckte aber nicht auf. Markus Rossberg von der Agentur für Arbeit in Hameln nahm sie unter seine Fittiche. Er betreut Menschen mit Behinderungen. Er knüpft Kontakte zu Arbeitgebern, informiert über Fördermöglichkeiten, befristete Probebeschäftigung, Eingliederungszuschüsse oder berufliche Weiterbildungsmaßnahmen.

„Der Gast muss zufrieden sein“

Und weil bei Nadine Fischer eine Lernschwäche festgestellt wurde, bekam sie ab September 2005 die Möglichkeit, in Hameln eine Ausbildung im Beruf Beiköchin zu beginnen. Werkerausbildung nennt sich dieses Projekt, das die Agentur in Hameln jungen Menschen sowohl im Gartenbau als auch in der Gastronomie anbieten kann. Drei Jahre dauert die Ausbildung, mehrere Monate Betriebspraktika gehören dazu.

Doch was heißt schon Lernschwäche: Die junge Frau aus Pegestorf bewies, wie stark sie ist. Eineinhalb Stunden Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hameln nahm Nadine Fischer in Kauf, fehlte kein einziges Mal.

Diese Zuverlässigkeit lernte auch Uwe Multhoff kennen und schätzen, bei dem Nadine Fischer im September 2007 ein zwölfwöchiges Praktikum absolvierte. In der Küche, im Team fühlte sie sich wohl, war voll integriert. Und schaffte die Abschlussprüfung im Juni mit der Note Gut. Im Prüfungsbereich „technische Mathematik“ erzielte Nadine Fischer 100 Punkte.

Das machte ihr Mut – sie bewarb sich im Restaurant „Graf Everstein“, wollte Köchin werden. Uwe Multhoff stimmte zu. Er hatte seine Mitarbeiterin, ihr konzentriertes Arbeiten, ihre Gründlichkeit schätzen gelernt. Nadine Fischer wurde eine von vier Auszubildenden in der Küche, erhält seit August 2008 eine Vollausbildung zur Köchin, die über zwei Jahre geht, und die sie gerade mit einer sehr guten Zwischenprüfung honoriert hat. Die Agentur für Arbeit Hameln beteiligt sich an den Ausbildungskosten der Vollausbildung. Markus Rossberg: „Gute Noten beim Werkerabschluss und der nahtlose Anschluss an die Werkerausbildung sind Voraussetzung.“ Nadine Fischer hat sie spielend erfüllt.

Markus Rossberg ist stolz auf die junge Frau, die so unbeirrt ihren Weg geht. „Der Gast muss zufrieden sein“, erklärt Nadine Fischer ihre Philosophie.

Nadine Fischer hat ihre Männer in der Küche im Griff.

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