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Handwerker zur aktuellen Lage / Herbstgutachten aus Hannover

Von "nie erlebter Talfahrt" bis "volle Pulle ausgelastet"

Landkreis (bus). Das aktuelle Herbstgutachten der Handwerkskammer Hannover signalisiert einen Tempoverlust des gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs. "Während im Vorjahrsquartal fast alle Indikatoren nach oben zeigten, ist dies im Berichtsquartal nur noch in wenigen Gewerken der Fall", stellt Kammer-Geschäftsführer Jans-Paul Ernsting fest. Die Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung hat bei den Obermeistern der Kreishandwerkerschaft nachgefragt, wie sich die Daten in der Landkreisrealität widerspiegeln.

veröffentlicht am 18.10.2007 um 00:00 Uhr

Schaumburg belegt in der Umfrage mit 43 Indexpunkten den vorletzten Rang. Ungünstiger bewerten lediglich die Betriebe des Landkreises Nienburg (41,5 Punkte) ihre Geschäftslage; den geringsten Einbruch verzeichnet die Landeshauptstadt Hannover (53). Die Gesamtlagebeurteilung liegt nach Ernstings Angaben mit 48 Punkten um neun Punkte niedriger als im Vorjahreszeitraum. Als Ursachen nennt der Geschäftsführer massive Auftragsrückgänge insbesondere im Bauhandwerk. Teilbereiche des heimischen Bauhandwerks betrachten die im Kammerbericht veröffentlichte Geschäftsverlaufsbeurteilung ("ziemlich verhalten") sogar für untertrieben. "Eine Talfahrt wie die gegenwärtige habe ich noch nicht erlebt", erklärt Ernst Völkening. Der Obermeister der Baugewerke-Innung, derzeit im 52. Berufsjahr aktiv: "Auf dem Bau ist absolut nichts los." Arbeitsplätze seien akut gefährdet. Traugott Grundmann berichtet für die Dachdecker-Innung von einem Rückgang der Neubaugenehmigungen um 50 Prozent. Die durch den Sturm Kyrill bewirkten Aufträge seien mittlerweile abgearbeitet. "Jetzt zanken sich die Kolonnen um den Rest des Kuchens", beobachtet Grundmann, der auch für die nahe Zukunft keinen Silberstreif am Horizont ausmachen kann. "Ich wage gar nicht, ans nächste Frühjahr zu denken." Bei den Zimmerleuten beurteilt Hein Becker die Gesamtlage als "sehr mau". Speziell die Neubau-Abteilung sei "durchweg eingebrochen". Wer allerdings frühzeitig nach Alternativen jenseits des reine Dachstuhlbaus gesucht habe, könne sich durchaus am Markt behaupten. In der Gruppe der Ausbauhandwerke (Glaser, Maler- und Lackierer, Elektrotechniker, Tischler, Raumausstatter) stellt sich die Lage völlig anders dar. "Fast euphorisch", schreibt die Kammer, blicke die Gruppe in die Zukunft. Von "Euphorie" ist in Schaumburg zwar nichts zu hören, Rolf Kummerlöwe von der Innung für Sanitär- und Heizungstechnik konstatiert - "im Moment zufrieden" - indes eine "etwas bessere Auftragslage". Volker Fischer hingegen, der die Elektrotechnik vertritt, meint: "Es wäre gelogen zu sagen, dass es gut aussieht." Horst Frensel fasst für die Tischler-Innung zusammen, dass "nicht schlecht zu tun" sei. "Wir sind guten Mutes." Dem pflichtet die Maler- und Lackierer-Innung bei. "So richtig angesprungenist die Konjunktur noch nicht", erläutert Obermeister Peter Harting, und für "ganz große Freudensprünge" gebe es keinen Anlass. Aber "auf Sicht" werde es wohl gut gehen. Nahezu deckungsgleich wird in Hannover und Obernkirchen, wo die Firma von Metall-Obermeister Klaus Reckling ihren Sitz hat, die Situation des für den gewerblichen Bedarf tätigen Handwerks gesehen. Die Kammer konstatiert eine "überdurchschnittliche Geschäftslagebeurteilung, die Erwartungen ließen "nur Gutes ahnen". Reckling macht lediglich ein kleines Defizit hinsichtlich der Erlöse aus, ansonsten könne er sich "nicht beschweren". Der Obermeister: "Wir sind volle Pulle ausgelastet."

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