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Die Beschreibung der Kunstdenkmäler in den Kreisen Schaumburg-Lippe und Grafschaft Schaumburg

Von Meisterhand für die Nachwelt

Nur in ganz wenigen Gegenden Deutschlands sind Geschichte und Vergangenheit so gut erforscht wie in der hiesigen Region. Insbesondere die Historische Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg, die Schaumburger Landschaft, der Schaumburg-Lippische Heimatverein und der Heimatbund der Grafschaft Schaumburg haben – auch und vor allem während der letzten Jahrzehnte – eine Fülle historischer, nach wissenschaftlichen Maßstäben erstellter Literatur auf den Markt gebracht. Das Ergebnis: Ein großer Teil der noch bestehenden Lücken konnte gefüllt und eine ganze Reihe althergebrachter, zum Teil noch von Heimattümelei und Kirchturmdenken geprägter Erkenntnisse überarbeitet und „aufgefrischt“ werden.

veröffentlicht am 04.12.2009 um 23:00 Uhr

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Nicht neu gefasst oder gar verbessert werden mussten zwei Veröffentlichungen, die, obwohl bereits vor mehr als 100 Jahren erschienen, noch nichts von ihrer Qualität und Aussagekraft eingebüßt haben: 1897 kam „Die beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schaumburg-Lippe“ auf den Markt, und zehn Jahre später, also 1907, wurde – als Band III. der „Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel“ – ein entsprechendes Inventarium für die damals hessische Grafschaft Schaumburg herausgegeben. Beide Druckwerke gehören bis heute zum begehrten Rüstzeug von Kunstwissenschaftlern und Historikern und gelten darüber hinaus als wertvolle Fundstellen für Architekten und Stadtentwicklungsplaner.

Wachsendes Interesse

Auslöser für die Herausgabe dieser und eine ganze Reihe ähnlicher Veröffentlichungen war das seit Mitte des 19. Jahrhunderts deutschlandweit wachsende Interesse an vaterländischer Geschichte und Denkmalkunde. Anfang der 1880er Jahre gab Preußen die gezielte Erfassung der landeseigenen Kunstdenkmäler in Auftrag. Immer mehr Einzelstaaten des wilhelminischen Kaiserreichs folgten. Erklärtes Ziel war es, Bewusstsein und Bewunderung der Untertanen am eigenen, landesherrlichen Kulturgut zu wecken, die Besitzer auf den Wert ihrer Schätze aufmerksam zu machen und den Aufsichtsbehörden die Möglichkeit zum Eingreifen zu geben. Darüber hinaus konnte und sollte auf diese Weise ein Gesamtbild von der für das Land und seine Regionen charakteristischen Kunstszenerie gewonnen werden.

Das Gros der Kunstdenkmäler fand man (und findet man bis heute) in Kirchen und Klöstern. Zu den kostbarsten Stücken gehören vor allem Wand- und Tafelgemälde sowie Plastiken. Dazu kommt ein äußerst vielfältiges kunstgewerbliches Zubehör. Alle diese Dinge bilden auch den inhaltlichen Schwerpunkt der beiden heimischen Inventare. Beschrieben und vorgestellt sind Standort, Alter, Zweckbestimmung und Entstehungsgeschichte. Darüber hinaus kann man zahlreiche Hinweise und Informationen zu Material, Handwerktechnik, Stilelementen sowie Inschriften, Steinmetz- und Goldschmiedzeichen nachlesen.

2 Bilder
„Die beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schaumburg-Lippe“ aus dem Jahre 1897 und das entsprechende, zehn Jahre später für den Kreis Grafschaft Schaumburg erstellte Inventarium gehören bis heute zum gefragten Rüstzeug von Kunstwissenschaftlern und Historikern.

Der vielleicht eindrucksvollste und wertvollste Teil sind die Illustrationen. Neben historischen Fotos fällt vor allem die Fülle von detailgetreuen Feindarstellungen ins Auge. Nicht wenige der Grafiken dürfen aufgrund ihrer hervorragenden Qualität selbst als kunsthandwerkliche Meisterleistungen gelten. Erläuterungen zur Regional- und Ortsgeschichte, eine Orientierungskarte und einige Übersichten, darunter ein Sach-, ein Ortsnamen und ein Künstlernamen-Verzeichnis, runden die Gesamtinformation ab.

Zuverlässiger Fachmann

Das knapp 150-seitige schaumburg-lippische Inventar gab Mitte der 1890er Jahre die fürstliche Hofkammerverwaltung in Auftrag. Als Autor wurde der aus der Gegend von Holzminden stammende Kunsthistoriker Dr. Gustav Schönermark (1854-1910) verpflichtet. Schönermark war als Verfasser mehrerer ähnlicher Arbeiten als sachkundiger und zuverlässiger Fachmann auf diesem Gebiet ausgewiesen. So hatte er unter anderen Bau- und Kunstdenkmäler-Verzeichnisse für Städte und Kreise in Sachsen (-Anhalt) fertiggestellt, so zum Beispiel für Halle an der Saale, Schweinitz, Delitzsch und Bitterfeld. Wie bei der Vorbereitung dieser Ausgaben nahm er auch die schaumburg-lippischen Kunstdenkmal-Schätze persönlich in Augenschein.

Verfasser der mehr als 160 Seiten umfassenden Veröffentlichung über die Grafschaft Schaumburg ist der Regierungsbaumeister a. D. Prof. Heinrich Siebern. Wie Schönermark hatte auch der pensionierte Landesoberbaurat und Provinzialkonservator seine Qualifikation durch mehrere Veröffentlichungen nachgewiesen. Dazu gehörten unter anderen Stadtchroniken von Osnabrück und Emden. Zu seiner Unterstützung bei der Erledigung des Schaumburger Auftrags stand ihm der Direktor der Kasseler Landesbibliothek und langjährige Vorsitzende des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Prof. Dr. Hugo Brunner, zur Seite. Bei der Suche nach geeigneten Illustrationen wurde Siebern nach eigenem Bekunden insbesondere bei der Kreisbauinspektion Rinteln fündig.

Anhaltende Nachfrage

Der größte Teil der vor mehr als hundert Jahren gedruckten Exemplare der beiden Erstausgaben ging während der beiden Weltkriege verloren. Dies und die anhaltende Nachfrage brachte die Fachleute des niedersächsischen Instituts für Denkmalpflege beim Landesverwaltungsamt Hannover auf die Idee, die vor langer Zeit in ihrem Zuständigkeitsbereich erschienenen Verzeichnisse neu aufzulegen. So kamen 1979 im Rahmen einer neuen, „Kunstdenkmälerinventare Niedersachsens“ getauften Reihe auch die Werke Schönermarks (Band 14) und Sieberns (Band 16) wieder auf den Markt.



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