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Hans-Gerd Depping: Erst Elektroinstallateur, dann Abenteurer auf hoher See, jetzt Unternehmer

Von der weiten Welt zurück in die Kleinstadt

Rinteln. Er war ein rechter Abenteurer, Hans-Gerd Depping (57), der einst mit 19 Jahren von zu Hause floh und zur See fuhr, sich in Irland niederließ und dann doch wieder loszog, so viele Berufe kennen lernte und schließlich in Rinteln eine Firma gründete, die mit gutem Erfolg weltweit Personaldienste anbietet.

veröffentlicht am 08.12.2007 um 00:00 Uhr

Hans-Gerd Depping. Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

"Du kommstüber deinen Seesack nicht raus im Leben!" Das hatte einst der Stiefvater dem jungen Hans-Gerd gesagt, als der von seinem ersten Ausflug in die Welt zurückkehrte. Und wie es oft der Fall ist, wenn man solchen Vorurteilen belegt wird: Dieser Satz wurde zur treibenden Kraft, es allen zu zeigen. "Ichhatte immer diesen Motor in mir", sagt Depping. "Ich wusste, dass ich es irgendwann schaffen werde, richtig erfolgreich zu sein!" Zu Beginn sah das nicht unbedingt so aus. Nach einer Lehre als Elektroinstallateur in Steinbergen wurde es ihm auf dem Dorf viel zu eng. Kumpels von ihm, die auf Fischkuttern fuhren, schienen ein so viel schöneres Leben zu führen. "Die hatten Erlebnisse, das wollte ich auch!" Er heuerte auf einem kleinen Dampfer an, nur der Kapitän, dessen Frau und er selbst. Es ging auf Nord- und Ostsee, zwei Jahre lang, mit Familienanschluss, Bett und Verpflegung - "ich hatte alles und war selbstständig". Nach ein paar Jahren wurde die "Kleine Seefahrt" aber doch monoton. Hans-Gerd Depping machte das Patent für die "Mittlere Fahrt" und fuhr als Maschinenbauoffizier bis ins Mittelmeer, nachdem er zuvor an der Fachhochschule in Lippe Elektroingenieur geworden war. Beinahe wäre er bodenständig geworden, aber: "Die Seefahrt lockte mich immer wieder!" Auf einem Containerschiff reiste er dann zwischen England und Irland hin und her, eigentlich nicht schlecht, nur: "Ich hatte kein Zuhause, keine Frau, kein Kind..." Dasänderte sich, als er sich in der Stadt Cork in eine Irin verliebte, die auch schnell schwanger wurde. "Da konnte ich ja nicht einfach weglaufen!" Er suchte sich einen Job auf einer Ölplattform, wo er mutig als Koch für 30 hungrige Männer drei warme Mahlzeiten täglich herbeizauberte. Trotzdem war das Geld für seine irische Familie, in der es inzwischen drei Kinder gab, immer knapp. Sie wohnten in einem "Mobile Home", einem Wohnwagen und er jobbte, wo immer es ging, als Elektromonteur. Unter den Iren war er so wohl aufgenommen, beherrschte auch den irischen Slang mit Akzent und Flucherei so gut, dass er immer wieder gefragt wurde, was er denn für einen komischen Nachnamen habe, der so gar nicht irisch klang. Wieder war er beruflich ständig unterwegs, arbeitete für eine Firma, die Lifte und Aufzüge reparierte. Als ein Versuch, sich selbstständig zu machen wegen eines betrügerischen Geschäftspartners schief ging und schließlich auch seine Familie auseinander brach, kehrte er nach 1985 Deutschland zurück - mit gerade mal 300 Mark in der Tasche. Und gleich ging es wieder los. Als Vertriebsmanager für Wellpappeprodukte kurvte er durch ganz Europa. "Ja - ich war der reinste Workaholic, lebte nur noch im Auto, aus dem Koffer." Bis er endlich Claudia kennen lernte, seine jetzige Frau. Bei ihr zog er ein, und mit dem Geld, das er als Projektleiter in Saudi-Arabien verdient hatte, dazu erfahren in so vielen Berufen und auch darin, qualifizierte Mitarbeiter zusammenzutrommeln, stieg er in eine Personaldienstleistungsfirma in Osnabrück ein, die er nach dramatischen Entwicklungen selbst übernahm. Mit drei Standorten, einer davon in Rinteln, steht er nun endlich so da, wie es ihm der Stiefvater nie zugetraut hätte. "Mir schaltet keiner mehr den Strom ab!", meint er. Die Depping Verwaltungs-GmbH vermittelt qualifizierte Arbeitskräfte rund um den Bereich des Stahl- und Fassadenbaus im In- und Ausland. Seine Frau Claudia ist in der Geschäftsführung tätig, der Sohn seiner irischen Tochter konnte ebenfalls ins Unternehmen eintreten, und gerade, weil Hans-Gerd Depping selbst ein so bewegtes Berufsleben hatte, fühlt er sichgegenüber seinen Mitarbeitern besonders verpflichtet. "Wir sind wie ein Wanderzirkus", meint er. Und er der erfahrene Zirkusdirektor...



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