weather-image
Marienschule und Rintelner Grundschule berichtenüber ihre Erfahrungen / Vorreiterrolle

Von der Ganztagsbetreuung profitieren alle

Bückeburg (rc). Mit der Förderschule Marienschule in Bückeburg und der Grundschule Süd in Rinteln gibt es zwei Schulen im Landkreis, die bereits die Ganztagsschule an ihren Schulen praktizieren: Die Marienschule seit Februar, die Grundschule Süd Rinteln bereits seit zwei Jahren - als einzige von fünf Grundschulen in Rinteln. Ohne dass es zu nennenswertem Schultourismus gekommen ist, wie Schulleiter Manfred Asche während seines Vortrags im Schulausschuss des Rates der Stadt Bückeburg anmerkte. In Rinteln läuft die Betreuung mit Ausnahmeregelungen und Sondergenehmigungen, denn bisher ist die volle Ganztagsbetreuung im Land Niedersachsen ein Novum.

veröffentlicht am 09.06.2006 um 00:00 Uhr

Welche Erfahrungen die beiden Schulen gemacht haben und was für die Einrichtung von Ganztagsschulen notwendig ist, darüber informierte sich der Schulausschuss auf seiner jüngsten Sitzung. Schulleiterin Doris Vogt von der Marienschule führte aus, dass rund 30 Schüler, ein Drittel, das Angebot angenommen hätten. Von acht bis 15 Uhr gehe die Ganztagsbetreuung, nach dem Unterricht würde den Kindern ein Essen angeboten, das von einem Essensservice zum Preis von drei Euro fertig portioniert inklusive des Geschirrs und Bestecks geliefert werde. In Rinteln, wo die Grundschule eine Kooperation mit dem Kreiskrankenhaus eingegangen ist, wird das Essen dagegen in großen Töpfen geliefert und von einer eigens eingestellten Kraft verteilt: auf eigene Teller und mit eigenem Besteck. Zum deutlich günstigeren Preis von zwei Euro. Verbunden ist diese Art aber mit höherem Aufwand, da bestimmte Hygienevorschriften wie eigene Personaltoilette, heißes Wasser oder Essensausgabewagen, eingehalten werden müssen. Auch die Anschaffung zusätzlicher Geräte wie zweier Spülmaschinen war notwendig. Beide Schulleiter klagten unisono darüber, dass die Einziehung des Essensgeldes an beiden Schulen "sehr schleppend läuft". Viele Eltern seien weit im Rückstand, was die Schulen finanziell belaste. "Ohne Essen schicken wir aber kein Kind nach Hause", betonten beide. Beide waren sich auch einig, dass eine Ganztagsschule nur mit einer hohen Motivation des Kollegiums zu schaffen sei, besonders, da das Land derzeit noch nicht so mitspiele und keine zusätzliche Lehrerstunden zur Verfügung stelle. Die Marienschule ist daher für die Nachmittagsbetreuung auf Fachkräfte angewiesen. An der Grundschule Süd hilft nur der glückliche Umstand, dass dort viele junge Lehrkräfte angestellt sind, die 29 Lehrstunden zu leisten haben, in Grundschulen aber nur 26 Wochenstunden gegeben werden dürfen. Schulleiter Asche: "Diese Stunden können wir am Nachmittag einsetzen, auch wenn wir dabei natürlich auf zusätzliche Honorarkräfte zurückgreifen müssen." Insgesamt habe sich das Klima an den Schulen geändert: Schüler würden rücksichtsvoller - sozial motivierter - miteinander umgehen. Lehrer seien länger an der Schule, würden mehr Zeit von ihrer Unterrichtsvor- und nachbereitung an der Schule absolvieren, mehr freiwillige Aufgaben übernehmen. Beide klagten auchüber die "immense Bürokratie", die von der Schule erledigt werden muss: nicht nur beim Einsammeln des Essengeldes. Abrechnungen für Honorar- und Fachkräfte seien ebenso zu erledigen wie die zusätzliche Organisation der Betreuung. Doris Vogt von der Marienschule: "Wir bräuchten mehr Hilfe und Geld." Während an der Grundschule Süd in Rinteln umfangreiche Um- und Ausbauarbeiten notwendig waren, um die räumlichen Voraussetzungen für die Ganztagsschule zu schaffen, konnte die Marienschule auf vorhandene Räumlichkeiten zugreifen: auch wenn zum Beispiel die Küche, in der die Kinder essen, ebenso völlig veraltet ist wie das Mobiliar. Notwendig für eine Ganztagsschule ist auf jeden Fall eine Mensa, außerdem sollte die Nachmittagsbetreuung nicht in den Klassenräumen stattfinden. "Auch ein psychologisches Problem für die Kinder, die morgens schon in den Klassen unterrichtet worden sind, und nachmittags nicht schon wieder in die Räume wollen." Auch ein Ruheraum sollte zur Verfügung stehen, auch wenn dieser eher weniger genutzt wird. Klar ist für beide Schulleiter, dass nachmittags nicht unterrichtet wird. Hausaufgabenhilfe wird geboten und Aufgaben werden erledigt: "Da sind die Eltern sehr glücklich drüber." Danach aber werden Projekte wie Spielen, Toben, Basteln, Fahrradfahren, Musik, Kunst, Beschäftigung mit dem PC oder aber kleinere, spannende Experimente angeboten. Die Rintelner Grundschule greift dabei zum Teil auf Kooperationspartner aus den dortigen Sportvereinen oder der Kreisjugendmusikschule zurück. So können die Schüler seit kurzem mit dem Rintelner Tennisverein Tennis spielen lernen. Die Marienschule hat bisher keine Kooperationspartner. Alles in allem kostet die Ganztagsbetreuung von rund 60 Schülern die Rintelner Grundschule knapp 15 000 Euro jährlich. Von Dienstag bis Donnerstag geht die Betreuung, derzeit wird überlegt, auch noch den Montag hinzuzunehmen. Der Freitag soll nicht einbezogen werden, da nach den Erfahrungen eine Vielzahl der Eltern an diesem Tag früh frei hat. Die Eltern, die auf eine längere Betreuung ihrer Sprösslinge über 15 Uhr hinaus angewiesen sind, werden auf den Hort verwiesen, der wie bisher Kinder bis 17.30 Uhr betreut.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare