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ATL stellt neue Entgratungsmaschine vor / Zusammenarbeit mit FH Hannover / Auch das Designüberzeugt

Von der Explosion zeugt nur ein leises Klicken

Luhden (mig). Wenn zur Vorstellung einer Industrie-Maschine für thermisches Entgraten Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier anreist, muss es schon einen guten Grund geben. Tatsächlich ist die "iTEM 400" nicht nur ein Design-Schmuckstück, sondern steht auch beispielhaft für die Wirtschaftsförderung des Landkreises. Entwickelt wurde die "iTEM" bei "ATL -Anlagen Technik Luhden" in Zusammenarbeit mit Studenten aus Hannover.

veröffentlicht am 02.09.2008 um 00:00 Uhr

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Leise ist sie, das fällt den Gästen aus Wirtschaft, Kommune und Hochschule schon auf den ersten Blick auf. Obwohl im Innern eine Explosion stattfindet, hört man nur ein verhaltenes Klicken. "Wir können mit dieser Maschine Grate verschiedener Materialien innen und außen entfernen", erklärt der Geschäftsführende Gesellschafter Jörn Struckmann stolz. Erreicht wird die Glättung der durch Fräsen oder Bohren entstandenen Grate durch Zündung eines Gasgemisches. Dabei entstehen Temperaturen zwischen 2500 und 3300 Grad Celsius. Der Clou: Das Verfahren ist nicht auf einen Materialtypus beschränkt, sondern kann auch bei Stahl, Guss, Aluminium oder Kunststoff angewendet werden. Aber nicht nur das Innenleben der "iTEM 400" ist höchst interessant. Auch das Design ist gelungen. Die Kombination aus Form und Funktion ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der FH Hannover und dem dortigen Institut für Innovations-Transfer, dem an der Universität Hannover beheimateten Produktionstechnischem Zentrum, der Wirtschaftsförderung des Landkreises Schaumburg und Professor Michael Nicklas. Die gelungene Hülle und das Bedienfeld wurden von Nicklas gemeinsam mit seinen Industriedesign-Studenten Claas Wellhausen, Hendrik Segelhorst und Stefan Saak gestaltet: "Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis", freute sich Struckmann bei der Vorstellung. Struckmann hatte sich vor einem halben Jahr "trotz einer gewissen Hemmschwelle" auf das Experiment eingelassen und staunteüber das Ergebnis: "Wir mussten fast nichts am Entwurf ändern, er wurde 1:1 umgesetzt." Nicht ganz soüberrascht war Nicklas: "Wir beschäftigen uns nicht mit Design-Spielereien, sondern mit dem, was die Wirtschaft braucht." Sein Programm: Wissen anwendbar machen, Dinge einfach halten. Um das umzusetzen, braucht er eine disziplinierte Mannschaft, "die Studenten müssen Know-how und Motivation mitbringen", so Nicklas. Dass das "Joint-Venture" zwischen Studenten und Firma schon jetzt ein Erfolg ist, zeigen erste "vielversprechende Anfragen". "Wir haben die Maschine seit vier Wochen im Netz, es besteht Interesse", lobte Struckmann. Die Vorführmaschine wurde inzwischen Richtung Stuttgart verkauft, geplant ist eine Fertigung von "drei bis vier Stück im Jahr". Sogar eine weitere Zusammenarbeit zwischen ATL und den Hochschulen ist angedacht. Struckmann: "Ich habe da was im Hinterkopf." Im Rahmen einer Besichtigung zeigte sich auch Landrat Heinz-Gerd Schöttelndreier vom Ergebnis überzeugt. Schöttelndreier begutachtete das Innenleben, lobte das "innovative Design" und die "beispielhafte Zusammenarbeit". "Wir versuchen Wege aufzuzeigen und Verbindungen herzustellen", betonte er. Das funktioniert über das Institut für Technologie-Transfer an derFH Hannover, welches bei der Vermittlung von Know-how und der Herstellung von Kontakten hilft. Neben der Beratung förderte der Landkreis die Zusammenarbeit mit Mitteln aus dem Topf für "Forschung und Entwicklung". "Das hat alles sehr gut geklappt. Ich musste nur einmal anrufen, da war das Projektschon in die Wege geleitet", bedankte sich Struckmann für die schnelle Hilfe.

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