weather-image
"Historischer Ortsspaziergang" durch Krankenhagen / Mehrere Siedlungskerne

Von der Erlöserkirche zu Bögers Hof

Krankenhagen (who). Obwohl Krankenhagen mit fast 2030 Einwohnern zu den größten Rintelner Ortsteilen gehört, ist das Dorf in den Kameshügeln durch seine charakteristische weitläufige und aufgelockerte Siedlungsstruktur geprägt. Neun Stationen hat der historische Ortsspaziergang, die dem offenen Auge und dem suchenden Herzen den Blick für den ursprünglichen Charakter des Dorfes öffnen.

veröffentlicht am 19.02.2008 um 00:00 Uhr

0000477848.jpg

Krankenhagen erstreckt sichüber eine mächtige eiszeitliche Grundmoräne, die in neuerer Zeit Grundlage für eine Reihe von Kiesgruben am südlichen Ortsrand gewesen ist. Vor dem Start an der 1959 erbauten Erlöserkirche sollte man wissen: Der Ortsname leitet sich vermutlich her von "krank", was schmal oder gekrümmt bedeutet, sowie von "hac" wie Hecke, was auf eine kleinräumige und hügelige Wiesenlandschaft hindeutet. Der Ort, der 1516 erstmals in einer Urkunde des Stiftes Obernkirchen genannt wird, ist seinerzeit aus mehreren Siedlungskernen zusammengewachsen. Erlöserkirche: Seit dem Mittelalter gehörte Krankenhagen überwiegend zum Kirchspiel Exten. Das starke Wachstum der Bevölkerung in den 1920er und 1930er Jahren sowie der Zustrom von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg hatten zum Bau einer eigenen Kirche geführt. Der Krankenhäger Architekt Hiddessen hatte sie im sachlichen Funktionalismus der späten 1950er Jahre gestaltet. Knickbrink: Das Naturschutzgebiet im Nordwesten ist die zweite Station. Es ist geprägt durch den nährstoffarmen Boden der eiszeitlichen Kameshügel mit einer vielfältigen schwachwüchsigen Pflanzengesellschaft. Überdüngung, negative Umwelteinflüsse und ausfallende Beweidung durch Schafe und Ziegen haben Biotope dieser Art rar werden lassen. Der Landkreis bemüht sich seit einiger Zeit mit einer Reihe von Naturschutzmaßnahmen, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Gräberfeld: Das prähistorische Gräberfeld auf dem Knickbrink aus der Bronzezeit ist eines der größten in Südniedersachsen. Es wurde entdeckt, als die Nationalsozialisten um 1930 eine "Thingstätte" anlegen wollten. Bei späteren Grabungen kamen unter anderem 42 Urnen zu Tage. Die interessantesten Fundstücke sind heute in der Rintelner Eulenburg ausgestellt. Backhaus: Das Backhaus von 1839 neben dem Kindergarten ist Station Nummer fünf. Es hat ursprünglich auf dem Hof Ehlebracht an der Extertalstraße 23 gestanden. Der Heimatverein hat es 1996 an seinen neuen Standort versetzt, wo es seitdem den Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen gebildet hat. Eulenbrink 1: Dieses malerische Fachwerkhaus wurde im 18. Jahrhundert errichtet und 1841 sowie 1914 erweitert. Es ist damit eins derältesten und am besten erhaltenen Fachwerkhäuser im Ort und zeigt ein authentisches Stück altes Krankenhagen. Der weitere Weg führt ein Stück entlang an der Kreisstraße 80 zurück in Richtung Dorf. Kiesgrube: Dabei fällt der Blick auf die ehemalige Kiesgrube Kuhlmann, die von 1926 bis 1988 ausgebeutet und nach Verfüllung mit Bauschutt renaturiert und zu Weideland wurde. Exterbrücke: Über Fuchsloch und Extertalstraße geht es zur Exterbrücke. Im 19. Jahrhundert ist sie aus Obernkirchener Sandstein erbaut worden. Seitdem bildet sie die Verbindung zwischen Krankenhagen und Friedrichshöhe. Davor war die Exter nur durch eine flache und breite Furt zu durchqueren. Hof Böger: Direkt neben der Brücke liegt der frühere Halbmeierhof Krankenhagen Nummer 6. Seit 1717 ist das Anwesen unter dem Namen Böger in Familienbesitz. Da es im Ort zwei weitere "Bögerhöfe" gibt, erhielt er den Beinamen "am Steg". Besonders bemerkenswert ist die Giebelfront des Haupthauses mit Portal und dem kleinen Zwerchgiebel mit Ladeluke. Schmiede: Die letzte Station des Ortsspazierganges ist die ehemalige Schmiede Sander an der Extertalstraße. 1932 wurde sie gegründet und war Anlaufstelle für die Landwirte der Umgebung, die hier Reparaturen ihrer Geräte ausführen ließen. In den 1950er und 1960er Jahren wandelte sich die ehemalige Schmiede zur technischen Werkstatt mit Landmaschinenhandel. Der Werbebetrieb, der heute das Gebäude nutzt, bildet das Bindeglied vom alten zum neuen Krankenhagen. Daneben und ein Stück zurück vom Weg liegt der älteste Hof des Dorfes mit der früheren Hausnummer 1. Er gehört allerdings nicht zum Ortsspaziergang, ist aber auf alle Fälle einen Blick über den Zaun wert.

Bäckermeister Josef Rieger, Marlene Kuhlmann und Heinz Freil (v.
  • Bäckermeister Josef Rieger, Marlene Kuhlmann und Heinz Freil (v.l.) vom Heimatverein Krankenhagen machen Station bei der alten Exterbrücke.
0000477848-12.jpg


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt