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Vor Gericht: 73-Jähriger hinterlässt bleibenden Eindruck

Von Beruf "Rentner und Verbrecher"

Bückeburg (ly). Kurz und heftig ist ein Bückeburger, dem Beleidigung zur Last gelegt wird, vor dem Amtsgericht aufgetreten. Als Beruf gab der 73-Jährige "Rentner und Verbrecher" an. Das war wohl ironisch gemeint. Offenbar im Ernst behauptete der Mann anschließend, er stehe bei der Polizei in den Akten, werde überwacht und abgehört. "Ich soll fertig gemacht werden", erklärte das selbst ernannte Opfer von Polizei und Justiz im Brustton der Überzeugung. "Wir haben Besseres zu tun", reagierte Richter Armin Böhm gelassen auf die Anwürfe, die teilweise überlaut vorgetragen wurden.

veröffentlicht am 06.04.2006 um 00:00 Uhr

Knappäußerte sich der streitlustige Zeitgenosse dagegen zu dem Vorwurf in der Anklage, wonach er eine Mitbewohnerin des Bückeburger Hauses als "Stück Sch... aus der Gosse" beschimpft haben soll. "Das habe ich nicht gesagt", sagte der 73-Jährige, der gegen einen Strafbefehl über 1155 Euro Einsprucheingelegt hatte, anstatt die Sanktion zu akzeptieren. Deshalb kam es zur Verhandlung. Weil der Angeklagte aber kein Geständnis ablegen mochte und nun das mutmaßliche Opfer der Beleidigung als Zeugin gehört werden muss, war die Sache nach zehn Minuten vorbei - zunächst. Doch es gibt ein Wiedersehen, einen neuen Termin. Bei der Gelegenheit kann dann gleich ein zweites Verfahren mit abgearbeitet werden, das dem Vernehmen nach noch anhängig ist. Übrigens: Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte der Rentner vor demselben Gericht einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Damals ging es ebenfalls um Beleidigung (wir berichteten). Ein Hausverwalter hatte eine wahre Schimpfkanonade über sich ergehen lassen müssen, ebenso wie andere Bewohner in früheren Auseinandersetzungen. Unter anderem war das Opfer als "Lügner", "Stinker" und "Lump" bezeichnet worden. Urteil: 660 EuroGeldstrafe. Während der Verhandlung hatte der 73-Jährige ("Ich sage, was ich denke") sogar noch einmal nachgelegt und Polizisten unterstellt, diese hätten bei ihm "Gerichtsakten klauen" wollen. Nach dem Schuldspruch gab Richter Böhm seinerzeit der Hoffnung Ausdruck, "dass wir uns hier nicht wiedersehen". Der Rentner darauf: "Da bin ich mir nicht so sicher." Das klang wie eine Drohung, die sich jetzt bewahrheitet hat.

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