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Walter Warnecke ist seit sechs Jahrzehnten Mitglied der SPD / Wandel zur Volkspartei bringt Mitgliederzulauf

Vom Sozialdemokraten zum Volksbürgermeister

Obernkirchen. Zuerst ist er zu den Kommunisten gegangen und hat dort ein-, zweimal zugehört. Das war in der Zeit der politischen Umorientierung die Partei seines Schwiegervaters, außerdem war mit Karl Abel ein Obernkirchener sogar Minister für Volksgesundheit und Staatswohlfahrt in Niedersachsen. Doch es hat ihm dort nicht gefallen, und das hat er Abel auch gesagt: "Karl, wenn du predigst, hört sich das genauso an wie früher bei den Nazis." Die ministerielle Antwort hat Walter Warnecke nie vergessen: "Du dummer Bengel."

veröffentlicht am 15.05.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Frank Westermann

Am 1. Januar 1948 ist Warnecke dann den Sozialdemokraten beigetreten, in diesen Tagen ist er für seine 60-jährige Parteizugehörigkeit geehrt worden. Sein Vater, so erinnert sich der heute 86-Jährige, war auch Sozialdemokrat, außerdem hatten ihn auf der Hütte viele Gespräche überzeugt. Dort, bei Heye, hatte er nach dem Krieg wieder Arbeit gefunden, der gelernte Maschinenbauer, der auf Schauenstein wieder anfing, als dort nichts mehr ging: "Es wurde nicht gearbeitet und nichts produ- ziert." Und auch seinen ersten Arbeitstag hätte sich Warnecke wohl anders vorgestellt. Er musste nach Rinteln, um dort zu helfen: Die Hindenburgbrücke war in die Weser gesprengt worden. Zur SPD ist Warnecke auch aus pragmatischen Gründen gegangen: "Das war hier die Hauptkraft." Und mitgestalten, das wollte der junge Obernkirchener durchaus. Klar, er hat sich im Ortsverein engagiert, aber so richtig hat ihn die Politik 1953 gepackt, als er erstmals den Sprung in den Stadtrat schaffte. Ludwig Gundlach war damals Bürgermeister, die Flüchtlinge das wohl größte zu lösende Problem. Denn Obernkirchen wurde bei der Zuweisung der Flüchtlinge von der zuständigen Kommission gern berücksichtigt, schließlich gab es dort etwas, was woanders noch knapp war: Arbeit. "Heye war unser Vorteil, aber auch unser Nachteil", sagt Warnecke rückblickend. Im Stadtrat hat er vor allem eins: gelernt. Wenn Gundlach etwas erklärte oder der damalige Fraktionschef Bartels, "dann hielt man erst einmal den Mund, deren Worte galten etwas". Es war die Zeit, in der sich auch die SPD wandelte. Weg von einer der sozialen Marktwirtschaft kritisch gegenüberstehenden Partei, die noch nach der Gründung der Bundesrepublik die Verstaatlichung der Grundstoffindustrien gefordert hatte, weg von der marxistischen Arbeiterpartei, die zweimal gegen Adenauer die Bundestagswahl verloren hatte, hin zur Volkspartei, die die Westbindung akzeptierte. Es war der richtige Wandel, meint Warnecke, der sich auch in der Bergstadt bemerkbar machte: "Das brachte die Leute zu uns, der Zulauf war groß." Und so markieren die sechziger Jahre den Beginn der wunderbaren Zeit, in der Obernkirchen über die finanziellen Mittel zur politischen Gestaltung verfügte und sich über Wahlerfolge freuen konnte, die ansonsten nur die CSU in Bayern einfuhr: 50 Prozent plus x. Warnecke wuchs in der Kommunalpolitik an seinen Aufgaben, 1974 wurde er Bürgermeister der Stadt. Und wandelte sich, wie er heute sagt: "Vom Sozialdemokraten zum Volksbürgermeister, der für alle da war." Gern erinnert sich an einen Tag, an dem er die Stadtgeschichte für einen längeren Zeitpunkt mitbestimmte. "Wir wollten unbedingt den Verwaltungsbeamten aus Stadthagen haben. Der sollte neuer Stadtdirektor werden." Also ist Warnecke nach Stadthagen gefahren, hat mit dem dortigen Stadtdirektor Kuckuck verhandelt und hatte am Schluss, was er wollte: Eine Zusage,dass er den Beamten in die Bergstadt mitnehmen könne. "Und Wilhelm Mevert hat wirklich 24 Jahre gute Arbeit geleistet", bilanziert Warnecke. Und freut sich noch heute über seinen Besetzungscoup. Sicher, Anfang der neunziger Jahre ging es mit dem Mauerfall für die Bergstadt bergab, die Gelder wanderten auf einmal in den Osten, und auch die Bundes-SPD hat sich gewandelt. Nicht zum Guten, lässt Warnecke durchblicken, von anderen Parteien sei sie gar nicht mehr zu unterscheiden. Aber in eine Partei einzutreten und mit ihr gemeinsam die Entwicklung einer Stadt zu gestalten, das würde er auch heute noch jedem jungen Mann raten, ist sich Walter Warnecke sicher.



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