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Wiederüber zehn Paare in Minden-Lübbecke / Ziel heißt: Zurück in die Freiheit

Vom Pflegefall zum stolzen Jäger: Uhus im Wesergebirge ausgewildert

Porta Westfalica (ly). Wütend faucht der mächtige Nachtgreif Wilfried Limpinsel an. Mit seinem scharfen Schnabel versucht das Uhu-Weibchen den Menschen am Arm zu erwischen. Schnell noch einen Ring verpasst, dann lässt Limpinsel den seltenen Vogel fliegen. Die Freiheit hat ihn wieder.

veröffentlicht am 28.09.2007 um 00:00 Uhr

Augen zum darin Versinken: Warum der Mensch den Uhu so faszinier

Sofort nimmt der fünf Monate alte Greif (drei Kilo schwer, 70 Zentimeter hoch, rund 1,70 Meter Spannweite) Kurs auf eine Felswand und setzt zur Landung an. "Da fühlt er sich sicher, Felswände ziehen den Uhu magisch an", sagt Limpinsel und tastet nach seinem Bizeps, in den der bedrängte Vogel ihn gezwickt hat. Alles halb so wild. Körperkontakt mit Menschen kennt der majestätische Jäger, aufgewachsen in Limpinsels Ausgewöhnungsstation für Greifvögel und Eulen in Marsberg-Essentho (Sauerland), so gut wie gar nicht. Nur für ein paar Tage ist er einmal mit der Pinzette gefüttert worden, nachdem das völlig entkräftete Tier vor rund vier Monaten als Pflegefall eingetroffen war. Anschließend gab's bloß noch lebende Beute zum Selberjagen. Ob der Vogel einen Namen hat? Was für eine Frage, natürlich nicht! "Er soll sich nicht an Menschen gewöhnen, es gibt keine Streicheleinheiten und keinen Namen", erklärt Wilfried Limpinsel. "Das Ziel heißt: zurück in die Freiheit." Und jetzt ist dieses Auswildern angesagt, irgendwo im Wesergebirge in Porta Westfalica. Die genaue Stelle wird nicht verraten. "Uhus brauchen Ruhe und Ungestörtheit", erklärt Ernst Günter Bulk, Naturschützer und Vogelexperte aus Lübbecke. "Das ist das A und O." Am selben Ort zur selben Zeit freigelassen wird ein etwa gleichaltriges Männchen aus Warstein. Dass beide Greifvögel, zusammen aufgewachsen in einer Voliere, ein Paar werden, gilt als unwahrscheinlich, höchstens später, durch Zufall. "Noch", so Bulk, "sind sie nicht brutreif." Für das ausgewachsene Uhu-Weibchen ist es eine Rückkehr in die Heimat, angetreten in einem Pappkarton. Sein Vater war auf mysteriöse Weise gestorben. Himmelfahrt hatte der Portaner Revierförster Achim Büscher den Uhu-Kadaver entdeckt. Das Küken saß daneben und war schon sehr schwach, ein Bilddes Jammers. Bedeckt war das tote Männchen mit Zweigen. "Auf natürliche Weise ist es nicht gestorben", glaubt Büscher. Die Mutter hat überlebt und ein zweites Jungtier großgezogen, wie der Förster später beobachtete. Solche Nachrichten hört Ernst Günter Bulk mit großer Erleichterung. Ende der Fünfzigerjahre war der europäische Uhu, die größte Eulenart, in ganz Deutschland so gut wie ausgestorben, bevor man mit der Auswilderung begann. Im Jahr 1980 entdeckte Bulk dann ein Brutpaar. Heute brüten im Kreis Minden-Lübbecke wieder mehr als zehn Paare. Dass der Uhu immer noch angefeindet wird, versteht Bulk nicht. "Er ist ein wichtiger Regulator, der vor allem Ratten und wilde Tauben frisst", betont der Naturschützer. Natürliche Feinde kennt ein Uhu dagegen nicht. "Er steht an der Spitze der Nahrungskette", erklärt Wilfried Limpinsel. Wäre da nicht der Mensch ...



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