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Gerhard Schwalbe und Frida Helms notieren Wetterdaten und das Tagesgeschehen – seit 50 Jahren

Vom Käsekuchen bis hin zu Welt-Ereignissen

Bodenwerder. Wenn sich Gerhard Schwalbe an das Wetter in seiner Kindheit erinnert, fallen ihm die Eisblumen ein, die in der kalten Jahreszeit an den Fensterscheiben klebten. „Man hat heute das Empfinden, dass es früher kälter war“, sagt der 97-Jährige, wenn er gefragt wird, wie sich das Wetter über die vergangenen Jahrzehnte verändert hat. Er weiß allerdings, dass der blumenförmige Raureif nur entstehen konnte, weil seinerzeit nicht jedes Zimmer beheizt war.

veröffentlicht am 19.10.2009 um 10:20 Uhr

Vormerker aus fast 50 Jahren füllt Frida Helms täglich mit Notiz

Autor:

Edda Dreyer

Erinnerungen für Enkel und Urenkel

In umfangreichen Ordnern sammelt der Rentner seine Wetteraufzeichnungen. Früh morgens schaut der 97-Jährige, der seit 1990 in Hehlen lebt, auf das Thermometer und trägt seine Wetterbeobachtungen ein. Aber auch sein Wohlbefinden und viel Familiäres hat er festgehalten sowie „große Ereignisse aus der ganzen Welt“ – alles in Stenografie. Gerhard Schwalbe beherrscht die Eilschrift, seit er sie mit 19 Jahren gelernt hat. Neben seinem Beruf als kaufmännischer Angestellter hat er dieses Fach auch an der Volkshochschule unterrichtet. „Steno und Maschine war früher Voraussetzung für den Büroberuf“, erinnert er sich. Bis zu 40 Teilnehmerinnen hatte er in den Kursen für Stenotypistinnen.

Die Steno-Leidenschaft ist bei Gerhard Schwalbe bis heute erhalten. Und so finden sich in vielen Aktenordnern beidseitig beschriebene Blätter. Wer der Kurzschrift nicht mächtig ist, bekommt den Eindruck, eine Fliege sei ins Tintenfass gefallen und über die weißen Blätter gelaufen – allerdings liniengerade. Um seinen Angehörigen einen Teil seiner Aufzeichnungen zu erhalten, hat er begonnen, Wichtiges in Langschrift festzuhalten. So können auch seine Enkel und Urenkel Jahre später noch nachschlagen, wie das Wetter beispielsweise am 7. Oktober 2009 war.

„Wie habe ich das alles geschafft?“

Denn dieser Tag war laut Frida Helms mit abendlichen Temperaturen von 20 Grad schon sehr außergewöhnlich für diese Jahreszeit. Auch sie notiert sich nämlich die Witterungsbedingungen. Seit fast 50 Jahren trägt die 82-Jährige im DWZ-Vormerker das Familien-, Firmen- und Dorfgeschehen ein. Bis 2006 betrieb die Familie Helms eine Tischlerei und ein Bestattungsunternehmen – gegründet bereits 1836. „Der Vormerker ist prima für diese Eintragungen“, so Frida Helms. Vor ihr auf dem Tisch liegen unzählige Ausgaben der Jahresvormerker.

Gerhard Schwalbe führt seine Aufzeichnungen in Stenografie.
  • Gerhard Schwalbe führt seine Aufzeichnungen in Stenografie.

Am 8. Oktober 1989 ist „Wetter miserabel“ eingetragen und am 7. Oktober 2001 war nicht das Wetter wichtig, sondern ein „wunderbares Konzert der Nationen in Hannover“. Sportlich seit Jahrzehnten im TC Jahn Hehlen engagiert und lange im Vorstand mitgewirkt, finden sich auch regelmäßig die Vereins-Bestenwettkämpfe eingetragen: „Käsekuchen gebacken, gutes Wetter“ ist am 7. und 8. September 1991 notiert; zehn Jahre zuvor hatte die Veranstaltung „gutes Wetter und gute Beteiligung“. Wieder Käsekuchen – „der gelingt mir immer am besten“ – hat Frida Helms für den Wandertag am 15. Oktober 2000 für den TC Jahn gebacken. „4180 Teilnehmer und gutes Wetter“ ist weiter aus den Aufzeichnungen zu lesen.

Aber auch Hochzeiten, Geburtstage, Beerdigungen, Termine ihres Mannes als Lehrlingswart in der Tischlerinnung, bei der Forstgenossenschaft oder der Feuerwehr sind über Jahrzehnte noch nachlesbar. Und auch, wer vor rund 40 Jahren geheiratet hat. Friedrich Helms war drei Jahre lang Standesbeamter, bevor die Gebietsreform kam. „Für die Trauungen haben wir extra ein Zimmer eingerichtet“, erzählt Frida Helms. „Wenn ich die Aufzeichnungen heute durchblättere, frage ich mich oft, wie ich das alles geschafft habe“, erzählt die Mutter zweier Söhne.

Termine der DRK-Seniorengymnastikgruppe, die sie gemeinsam mit Hilde Heinrichs vor rund 30 Jahren gegründet hat, machen deutlich, dass die Donnerstage dem Sport gehörten. Mittwochs ging es stets in die Turnhallen des TC Jahn Hehlen, auch hier war Frida Helms rund 40 Jahre als Übungsleiterin aktiv. Und dass Sport fit hält, dafür ist die rüstige 82-Jährige ein gutes Beispiel.



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