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Emmi Seyer kommt seit Jahrzehnten mit ihrem Fischwagen auf die Rintelner Messe

Vom jungen Matjes bis hin zur Schillerlocke

Rinteln. Als Emmi Seyer in den achtziger Jahren den schönen, zehn Meter langen Fischwagen der Firma Neidel übernahm und die Rintelner Messe v on da an mit ihren leckeren Fischbrötchen bediente, da wurden manchmal acht Angestellte kaum mit der Kundenschar fertig. Heute geht es insgesamt viel ruhiger zu - doch aufhören? Das kommt für die wackere 63-Jährige nicht in Frage.

veröffentlicht am 05.11.2007 um 00:00 Uhr

Emmi Seyer schwärmt von den Fischköstlichkeiten: "Was ist das do

Autor:

Cornelia Kurth

"Mir macht das ja so viel Spaß, über die Märkte zu ziehen, die Kollegen zu treffen, mit den Menschen zu plaudern!", sagt sie. "Und Fisch, den esse ich sowieso für mein Leben gern!" Bis hin nach Süddeutschland - Mannheim, Gernsheim, Mainz - zieht der Wagen, der die Form eines Fischerbootes hat, und die Familie besitzt nochdrei andere ähnliche Fahrzeuge. Zu Beginn aber, als sie ihren 1958 aus der Ex-DDR geflohenen Mann kennen lernte und sie zusammen beschlossen, sich mit einem fahrenden Fischstand selbstständig zu machen, da besaßen sie nur eine geschickt zusammengebastelte Bude, die im Pkw mit offenem Verdeck zu Wochenmärkten und Messen kutschiert wurde. Emmi Seyers Eltern besaßen ein kleines Lebensmittelgeschäft, einen echten Tante-Emma-Laden, in dem sie als Kind selbstverständlich mitarbeitete. Bei einem Bekannten, der Fischbrötchen machte, half sie ebenso oft aus und so war es gar kein Problem, das neue Geschäft zu erlernen, eigene Rezepte zu entwickeln und allesso appetitlich und gut zu machen, dass sich auch bald der Erfolg einstellte. Damals musste der Fisch noch mit dicken Eisstangen, wie sie in den Brauereien verwendet wurden, gekühlt werden. Dafür grub man hinter der Bude auf dem jeweiligen Markt ein tiefes Loch, in welches das Holzfass mit den Fischen eingelassen wurde, umgeben vom Eis. Die frischen Fische ersteigerte ihr Mann (er starb vor vier Jahren) regelmäßig auf dem Hamburger Fischmarkt, dann wurden sie von den Seyers selbst geräuchert, und auch der Heringssalat entstand unter ihren Händen. "Ja - heute verkaufen wir kaum noch frischen Fisch, die jungen Leute wissen ja gar nicht mehr richtig, wie man den eigentlich zubereitet." Aber die Brötchen, die so routiniert und seit 30 Jahren auf dieselbe, bewährte Art belegt werden und die übrigens kein bisschen teurer sind als in ganz normalen Läden, die backt sie immer noch selbst. Und überhaupt kann sie so nett schwärmen über all die Fischköstlichkeiten, von den Krabben über den jungen Matjes bis hin zur Schillerlocke und den zart geräucherten Forellen. "Was ist das doch alles lecker!", sagt sie und muss gleichzeitig ein wenig betrübt sein, denn wegen einer Erkrankung darf sie vom Fisch nur noch naschen. Die Rintelner Messe ist, bis auf einen Weihnachtsmarkt, die letzte große Aktion im Jahr. Dann beginnt der Winterurlaub in Lengede, wo die Familie ihr Haus hat und auch noch die beiden Söhne wohnen, die aus dem Familienbetrieb nicht wegzudenken sind. "Ja, dann lege ich schließlich doch mal einfach die Füße hoch!", sagt sie. Und hat das ganz sicherlich verdient!



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