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Schule aus, und nun? Drei Schüler fragen sich durch rund ums Thema „Ausbildung“

Vom ersten Tag und peinlichen Erlebnissen

Hameln. Seltsam leise ist es in der Sparkasse Weserbergland. Nathalie, Michele und Markus flüstern. Sie warten im gläsernen Besucherbüro des Hamelner Hauptgebäudes auf Jan Kallies, Azubi zum Bankkaufmann im zweiten Lehrjahr. Den Schülern steht bevor, was er schon hinter sich hat: Bewerbungen schreiben, Vorstellungsgespräch, die ersten Tage im Job – sie hoffen, von Jan ein paar Tipps zu bekommen.

veröffentlicht am 20.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Kallies kommt – pünktlich und gut vorbereitet. Dass Kleider Leute machen, erleben die drei jetzt am eigenen Leib – Jans eleganter Anzug schafft zunächst noch leichte Distanz . Wie war denn das damals, der erste Tag der Ausbildung, möchte Michele wissen, und Jan kann sich noch gut erinnern: „Ich war fürchterlich aufgeregt. Schließlich kennt man ja niemanden. Man kann zu Beginn noch nicht einmal unterscheiden, wer Mit-Auszubildender ist und wer Vorgesetzter, das ist schon schwierig. Da wird man sparsam mit lockeren Sprüchen, sonst kann so ein schnell angebrachter Scherz auch mal ins Auge gehen.“ In dem großen Gebäude hat sich Kallies in den Büroetagen anfangs hin und wieder verirrt. „Das sieht erst mal alles gleich aus, da kann man sich schon vertun.“ Heute lächelt er darüber.

Kleine Fehler machen menschlich, die Stimmung wird lockerer. Nathalie befürchtet, dass die Umstellung von Schule auf Arbeit nicht so einfach ist – dem kann Jan nur zustimmen. „Man hat einfach viel weniger Freizeit. Und wenn ich nach Hause komme, bin ich manchmal auch zu müde, um noch etwas zu unternehmen.“ Oft ist der junge Mann von 8 bis 18 Uhr in der Sparkasse eingebunden, da bleibt vom Tag nicht mehr viel übrig. Dennoch ist er sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Er hat bereits in seiner Schulzeit Praktika absolviert, nicht nur bei der Sparkasse, auch bei der Polizei und im Baugewerbe. „Danach war klar, dass mein jetziger Arbeitgeber für mich der richtige sein würde, wenn ich denn dort als Azubi in Betracht komme…“

Der Konfirmationsanzug reichte nicht aus

Seine Bewerbungen hat er sorgfältig vorbereitet, erzählt er. „Es ist klar, dass ich mich nicht nur hier beworben habe, sondern auch noch bei anderen Unternehmen, man kann ja nicht wissen, ob das gleich so hinhaut.“ Das Internet habe beim Zusammenstellen der Unterlagen viel geholfen, dort gibt es jede Menge Informationen zum Thema Bewerbung und Vorstellungsgespräch. „Und natürlich macht es Sinn, wenn es zu einem persönlichen Gespräch kommt, jemanden zu fragen, der den Beruf vielleicht auch gerade lernt, was in diesem Interview so erwartet wird.“ Und das variiert natürlich von Beruf zu Beruf.

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Michele Melching

Der persönliche Eindruck, den man beim Vorstellungsgespräch hinterlässt, ist aus Jans Sicht enorm wichtig. „Ein mittlerer Notendurchschnitt im Abschlusszeugnis kann ja auch durch eine miese Biologie-Note zustande kommen. Das bedeutet doch nicht, dass man kein guter Kaufmann werden kann.“ Wer es schaffe, im Gespräch zu überzeugen, der habe immer auch eine Chance auf den Ausbildungsplatz.

Zum Ausbildungsbeginn musste sich der 21-Jährige ganz neu einkleiden. Seinen Konfirmationsanzug habe er gehabt, ansonsten aber wenig passende Kleidung für den neuen Arbeitsplatz. Bei Banken gibt es „schon eine klare Anweisung, was getragen werden darf und was nicht. Natürlich war es am Anfang auch komisch, jeden Tag Anzug und Krawatte zu tragen, aber man gewöhnt sich ziemlich schnell daran. Nur im Sommer, wenn man zum Beispiel in einer Geschäftsstelle ohne Klimaanlage arbeitet, kann es schon mal echt heiß werden.“

Ein Thema interessiert die Jugendlichen an diesem Ort brennend: „Könnten Sie zum Beispiel sehen, was Nathalie heute noch auf ihrem Konto hat?“, fragt Michele. Den Kontostand einsehen könne er grundsätzlich schon, erklärt Jan Kallies, „aber ich dürfte eine solche Abfrage nicht ohne relevanten Grund, also aus purer Neugier tätigen.“ Zuwiderhandlungen könnten drastische Konsequenzen haben – Rausschmiss. Überhaupt ist in seinem Beruf Verschwiegenheit gefragt. Informationen über persönliche Daten und finanzielle Größeneinheiten dürfen die Sparkasse nicht verlassen, das hat der junge Mann zu Beginn seiner Ausbildung unterschrieben. Jeder Mitarbeiter, egal ob Azubi oder Angestellter habe sich peinlichst genau an diese Regel zu halten, betont er.

Ein Eis als Entschädigung für die Kollegen

Zuverlässigkeit, Verschwiegenheit und Genauigkeit erwarten die Kunden deutschlandweit von der Sparkasse und wohl von allen Geldinstituten, das weiß auch Kallies. In diesem Zusammenhang erzählt er von seinem bislang unangenehmsten Erlebnis: „In den Geschäftsstellen wird abends die Kasse nachgerechnet, und die muss ganz genau stimmen. Dort wo ich gerade gearbeitet habe, stimmte sie abends aber einmal nicht, und dann mussten alle Mitarbeiter so lange bleiben, bis der Fehler gefunden war.“ So etwas komme schon mal einmal vor, aber in der Regel handele es sich dabei um Fehler, die bei einem zweiten Routinecheck sofort auffallen. Nicht so in seinem Fall.

„Das bedeutete, dass wir alle an diesem Tag abgelegten Belege erneut durchsehen mussten.“ Eineinhalb Stunden habe die Fehlersuche gedauert – nach Feierabend versteht sich. „Am Ende stellte sich heraus, dass ich derjenige war, der den Fehler verursacht hatte, weil ich einen Beleg nicht richtig ausgefüllt hatte.“ So mache man sich natürlich keine Freunde, erzählt Kallies, „ich habe am nächsten Tag ein Eis ausgegeben, das war dann auch o.k.“ Leicht auszumalen, wie man sich dabei fühlt – fast jeder Azubi hat wohl eine derartige Geschichte auf Lager, für die er am liebsten im Boden versinken würde und über die er Jahre später lachen kann.

Inzwischen fühlen sich Markus, Nathalie und Michele fast wohl im Glas-Büro und wollen wissen, was für ein Fazit der Azubi für sich nach dem ersten Lehrjahr zieht. „Ich habe das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und fühle mich hier gut aufgehoben. Es war sicher erst eine Umstellung von der Schule in den Arbeitsalltag zu stürzen, aber es ist letztlich eine Frage der Gewohnheit.“ Praktika vor der Ausbildung können aus seiner Sicht nur hilfreich sein. „Ich habe das zum Beispiel in den Ferien gemacht. Selbst wenn man danach feststellt, dass der Job vielleicht überhaupt nicht zu einem passt, bringt einen das ja dann immerhin einer Entscheidung für eine andere Ausbildung näher.“

Eine gute Vorbereitung zur Ausbildungsplatzsuche hält der 21-Jährige für unverzichtbar. Entscheidet man sich falsch, könnte das den Abbruch der Ausbildung bedeuten, was dann nicht nur ärgerlich ist wegen der verschenkten Zeit, es macht sich auch nicht gut im Lebenslauf. Er selbst hofft, nach der Lehre übernommen zu werden. Grundsätzlich hat jeder Azubi die Möglichkeit einen weiterführenden Vertrag bei der Sparkasse Weserbergland zu erhalten; vorausgesetzt, die Leistung stimmt.

„Echt hilfreich“, lautet das Fazit der Schüler nach dem Gespräch. Für sie besonders wichtig: Einen realistischen Eindruck aus der täglichen Praxis des Azubis zu bekommen. Als nächstes steht ein Gang zur Agentur für Arbeit bevor – mal sehen, was sie dort für Tipps bekommen…

Markus, Michele und Nathalie wollten von jemandem aus der Praxis wissen, wie der Wechsel von der Schule zum Arbeitsplatz für ihn war. Jan Kallies (re.) stand Rede und Antwort.

Foto: phi



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