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860 000 Menschen leben auf der Straße: Evangelische Jugend plant Sammlung für Obdachlose

Vom bitteren Leben am Rande der Gesellschaft

Obernkirchen (sig). Ein Leben auf der Straße - Tag und Nacht und selbst im kalten Winter. Das ist für junge Menschen, die in gesicherten Familienverhältnissen leben, nur schwer vorstellbar. Aber selbst in deutschen Großstädten gehört ein solches Bild leider zum Alltag. Mitglieder der evangelischen Jugend aus Obernkirchen befassten sich jetzt unter Leitung von Elke Schönbeck mit diesem Leben am Rande der Gesellschaft.

veröffentlicht am 20.02.2007 um 00:00 Uhr

Mitglieder der evangelischen Jugend befassen sich beim Treffen i

Voraus ging ein Film, der deutlich machte, dass Armut für immer mehr Menschen kein Fremdwort ist, sondern bittere Realität. Und das trifft nicht nur für Erwachsene zu, sondern leider auch für Kinder. Aktuelle Schätzungen sprechen von rund 860 000 Menschen, die in Deutschland kein Dachüber dem Kopf haben. Fast ein Drittel davon sind Kinder. Sie vegetierenüberwiegend im Bereich von Bahnhöfen, Unterführungen und Brücken, nicht wenige aber auch in belebten Fußgängerzonen, weil sie hoffen, dort mehr Geldspenden zu erhalten. Eine vorrangige Frage der Jugendlichen war: "Weshalb sind diese Menschen obdachlos geworden?" Sie erfuhren, dass es dafür eine Vielzahl von Gründen gibt. Sehr häufig liegt es daran, dass die Betroffenen Mietschulden angehäuft haben und deshalb ihre Wohnung verlassen mussten. Zu dieser Situation kann eine anhaltende Arbeitslosigkeit führen oder eine Scheidung, aber auch die Abhängigkeit von Drogen und Alkohol.Es gibt aber auch Kinder, die auf diese Weise versuchen, der Gewalt im Elternhaus zu entkommen. Sind diese Lebenssituationen schon erschreckend genug, so steigern sich diese negativen Eindrücke noch durch die Erkenntnis, dass gerade Obdachlose immer wieder Opfer von Gewalttaten werden. Sie sind häufig krank, zu schwach und zu hilflos, um sich gegen Angriffe zu wehren. Dass der Staat im Rahmen seiner Möglichkeiten verpflichtet ist, denen zu helfen, die "unfreiwillig obdachlos" geworden sind, beschäftigte die Jugendlichen natürlich mehr als das freiwillige Nomadentum von Personen, die sich die Straße als Lebensraum ausgesucht haben und von Ort zu Ort ziehen. Besonders schwer verständlich ist für sie die Tatsache, dass dazu auch Menschen mit Abitur, abgeschlossenem Studium und einer Berufsausbildung gehören. Der Film und die anschließende Aussprache haben ihre Spuren bei den Teilnehmern hinterlassen. Sie haben zugleich die Erfahrungen vertieft, die sie bei einem Besuch der Beratungsstelle für Wohnungslose in Stadthagen gemacht hatten. "Wir werden das Thema noch weiter vertiefen und nach Möglichkeit auch eine Sammelaktion organisieren, vielleicht für die Menschen, die jene Beratungsstelle aufsuchen", lautete die Schlussfolgerung von Elke Schönbeck, der zuständigen Gruppenleiterin der evangelischen Jugend in der Bergstadt. Es gibt noch weitere immer aktuelle Anliegen, mit denen sich die Jugendlichen befassen wollen. Als Beispiele wurden genannt das Thema Sterbehilfe, die Bedeutung der Liebe in allen Ausformungen und die keineswegs einfache Frage: "Darf man Flugzeuge abschießen, die von Terroristen gekapert wurden?"



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