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Carsten Klette heftet sich an die Fersen von Schuldnern /Über 2000 Fälle pro Jahr

Vollstrecker der Stadtkasse zieht pro Jahr bis zu 150 000 Euro ein

Stadthagen (gus). Er bearbeitet mehr als 2000 Fälle pro Jahr, treibt dabei rund 150 000 Euro ein - und hat es größtenteils mit den ärmsten Bürgern der Kreisstadt zu tun. Seit sechs Jahren ist Carsten Klette Vollstreckungsbeamter der Stadtkasse.

veröffentlicht am 11.04.2007 um 00:00 Uhr

Gebühren, Steuern und Bußgeld werden zu Klettes Angelegenheit, wenn diese nicht bezahlt werden. Sowohl von der Stadt erhobene Forderungen als auch solche anderer Kommunen und sonstiger Organe des öffentlichen Rechts hat der Vollstreckungsbeamte einzuziehen. Dieser hat nach eigenen Worten mit einer festen Klientel von rund 1000 Schuldnern zu tun. Ausschlaggebend ist der Wohnsitz. Wenn ein Stadthäger anderswo ein Bußgeld oder eine Gebühr schuldig ist, wird nach einer Mahnung der Stadthäger Vollstreckungsbeamte tätig. Die einzuziehenden Summen sind höchst unterschiedlich. Laut Klette kann es sich um ausstehende Hundesteuer in Höhe von 12,50 Euro oder um Schulden von mehreren tausend Euro handeln. Per Leistungsbescheid werden die Schuldner zuvor in Kenntnis gesetzt, dass sie eine Summe X zu begleichen haben. Etwa 14 Tage nach Ablauf der gesetzten Frist wird im Falle der Nicht-Zahlung eine Mahnung zugesandt. "Das ist ein Unterschied zum Privatrecht. Da werden bis zu drei Mahnungen geschrieben", erklärt Klette. Schulden aus privatrechtlichen Forderungen treiben Gerichtsvollzieher ein. Ist auch die Mahnung erfolglos, rückt Klette aus. In der Regel, so der Vollstreckungsbeamte, trifft er den Schuldner nicht an. Dann wird schriftlich ein neuer Termin vereinbart. Ist der Säumige wieder nicht zugegen, hinterlässt Klette ein weiteres Schreiben mit der Androhung der Türöffnung. Diese kann der Beamte auch ohne Beisein der Schuldner umsetzen. Doch Wildwest-Szenen bleiben aus. Klette kennt seine "Kunden" mittlerweile. "Teilweise ist schon ein Vertrauensverhältnis entstanden", sagt der Beamte. Viele Schuldner seien kooperativ. Kein Wunder. Schließlich droht der Offenbarungseid. Im Fall der Zahlungsunfähigkeit muss diese an Eides statt vor Gericht erklärt werden. "Das geht mit einem Schufa-Eintrag und meist mit dem Verlust des Giro-Kontos einher", so Klette. Verschiedene Formen der Pfändung gehören zur Handhabe des Vollstreckers: Taschenpfändung (Suche nach Bargeld) und Sachpfändung beispielsweise. Bei der Sachpfändung kommt der so genannte "Kuckuck" (Pfandsiegel) zum Einsatz. Die damit gekennzeichneten Gegenstände darf der Besitzer nicht anrühren, bis eine Auslösefristabgelaufen ist. Ist der Besitzer dazu nicht fähig, kann die Stadt die Sachen zum Begleichen der Schuld verkaufen. Außerdem sind Lohnpfändung und Zwangshypotheken auf Immobilien mögliche Maßnahmen. "Die Lohnpfändung führt oft zur Kündigung", betont Klette. In sechs Jahren ist der Vollstreckungsbeamte nach eigenen Worten "abgehärtet" gegen das soziale Leid, das er vielfach sieht. "Man darf das nicht an sich ranlassen", sagt er. Doch Klette ist sich seiner Verantwortung bewusst. Wird er Zeuge von Verwahrlosung, gibt er solche Eindrücke an das Sozial- oder das Jugendamt weiter. Oft ist er auch der Kummerkasten der Schuldner. "Es gibt auch Richtlinien zum Schuldnerschutz", betont Klette. Die Pfändungsgrenze eines Alleinstehenden liege bei monatlich 980 Euro Nettoeinkommen, bei Familien darüber.



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