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Einfluss der Mondzeiten auf Menschen wird von Wissenschaftlern bestritten / Esoteriker stört das nicht

Vollmond – er ist, was er ist, oder ist er mehr?

In den Augen eines Hardliners unter den Mond-Gläubigen ist heute um 19.10 Uhr und 0,6 Sekunden ein mystischer Moment: Vollmond. Eine gute Zeit, um eine Leberreinigung vorzubereiten, Krampfadern zu cremen, und in dieser Mondphase sollte auf salzärmere Ernährung geachtet werden.

veröffentlicht am 19.03.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:52 Uhr

Birte Hansen

Autor

Reporterin zur Autorenseite

In den Augen eines Naturwissenschaftlers ist heute um 19.10 Uhr und 0,6 Sekunden nur eines: Vollmond. Die Erde steht zwischen Sonne und Mond, und der wird von der Sonne so angestrahlt, dass eine Hälfte des Erdtrabanten komplett zu sehen ist. Nicht mehr.

Die Kontroversen über die Wirkkraft des Mondes auf den Menschen sind uralt und lassen kaum Raum für Kompromisse. Monika Meyer aus Salzhemmendorf aber vereint beides: nüchterne Ratio und esoterischen Glauben, auch an den Mond.

Kalender, in denen gleich mehrere Ratschläge für vermeintlich richtiges Verhalten an 365 Tagen im Jahr gegeben werden, gibt es wie Krater auf dem Mond. „Davon halte ich nichts“, sagt Monika Meyer, die in ihrem weltlichen Leben seit Jahren als IT-Expertin für die Postbank in Hameln arbeitet. Das reine Leben nach dem Mondkalender, nehme jede mögliche Flexibilität, sagt sie, warum. „Diese ganze Esoterik nutzt nichts …“. Wie sie „Esoterik“ sagt, klingt abfällig, so, wie es aus dem Mund eines eingefleischten Naturwissenschaftlers kommen könnte. Dass Monika Meyer Schamanin ist, mit Esoterik ergo weit mehr als andere am Hut hat, klingt bei dem Wort jedenfalls nicht durch. „Diese ganze Esoterik nützt nichts, wenn es sich nicht in den Alltag integriert.“ Haare schneiden nur bei Vollmond, damit die Haare es dem Mond gleich tun und schön voll werden? Blumendüngen bei zunehmendem Mond, weil sie die Nährstoffe dann besser aufnehmen? Über derart konkrete Empfehlungen schmunzeln Kritiker bestenfalls, wenn sie sich zurücknehmen können.

Die Orientierung am täglichen Mond ist Monika Meyers Sache nicht, wohl aber die an den Jahreszeiten und an den Zyklen des Mondes. Grundsätzlich, so heißt es, sei bei abnehmendem Mond eher „Loslassen“ angesagt. Alles, was „weniger“ werden soll, lasse sich gut in Zeiten dieser Mondphase legen, besagen diverse Ratgeber: abnehmen zum Beispiel, oder reinigen von Haut bis Fenster. Auch das Fasten falle leichter in dieser Zeit, sagt Meyer. Wer an Neumond (der nächste ist am 3. April) einen Neubeginn, in welcher Weise auch immer, wagt, sagt der Mondkalender, habe gute Aussichten auf Erfolg. Dem Vollmond und dem zunehmenden Mond wird dagegen nachgesagt, für Tiefgründigkeit zu stehen, für Wachstum, für Reife.

Die Begründung für lunare Leidenschaften und Folgsamkeit, dass der Mond die Gezeiten der Erde beeinflusse und es demnach auch logisch sei, dass er Einfluss auf das Wohlbefinden des Menschen habe – Naturwissenschaftler lassen sie nicht gelten. Noch nie sei in einer Studie tatsächlich nachgewiesen worden, dass Menschen beispielsweise wegen der Wirkung des Vollmondes schlechter schlafen – höchstens, weil es heller ist. Monika Meyer ist bei aller Skepsis „Berufsesoterikern gegenüber, sicher: „Schwingungen gehen vom Mond aus.“ Wie aber jemand letztlich darauf reagiert, hänge immer von dessen Persönlichkeit ab. Egal wie – „es sind immer ihre Probleme“, lässt Meyer die Verantwortung für das, was geschieht oder nicht geschieht, beim Menschen. Sie selbst arbeitet in ihrer Tätigkeit als Schamanin aus Überzeugung mit Mondwasser und mit Mondsteinen (Mineralen). Esoteriker glauben an deren Heilkraft bei Kopfschmerzen oder Zyklusproblemen.

Stärker als den Mond, berücksichtigt Meyer in ihrem Leben die unterschiedlichen Qualitäten der vier Jahreszeiten. Sie vertritt unter anderem die Auffassung, dass viele Winterdepressionen daher rühren, dass „wir dem natürlichen Rhythmus entgegenstehen“. Im Winter einen Gang zurückzuschalten – das ist der Gang der Natur. Viele dagegen machten in dieser Zeit weiter wie immer, hetzen, schaffen, eilen. „Der Winter ist die Zeit des Loslassens, des Sterbenlassens“, sagt Meyer. Das Frühjahr sei die Zeit fürs Planen und Ideen entwickeln, der Sommer fürs Entstehen und Entwickeln, der Herbst dann ist die „Zeit der Reife, Zufriedenheit und Genuss“. Genießen, was man erreicht hat – eine entscheidende Fähigkeit, um zufrieden zu sein, „das können viele nicht“, stellt Meyer in ihrem Umfeld fest. Ihre Wahrnehmung von den Menschen, die ihr begegnen und die ihre Hilfe als Schamanin annehmen: „Manche sind so denaturiert, dass sie ihre eigenen Befindlichkeiten nicht mehr wahrnehmen.“

Ob esoterisch versiert, geneigt oder abgeneigt: Vielleicht hilft heute ein bewusster Blick zum Mond, um sich und die Welt einen Moment lang ganz bewusst wahrzunehmen. Und selbst Naturwissenschaftler können dem Leben nach dem Mondkalender etwas abgewinnen: Er gibt den Menschen Struktur.

Hat er einen Einfluss auf uns oder nicht? Der Vollmond ist noch immer ein mystischer Trabant. Heute zeigt er sich wieder in voller Ausdehnung.

Foto: Dana



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