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Notfälle bringen in Arztpraxen die beste Terminplanung durcheinander

Volle Praxen, lange Wartezeiten: "Eine Patentlösung gibt es nicht"

Rinteln (mld). Es ist ein alltägliches Ärgernis für alle, die einen Arzt brauchen: Volle Wartezimmer, lange Wartezeiten. Da zweifelt mancher am Organisationstalent der Arzthelferinnen an der Anmeldung.

veröffentlicht am 16.11.2007 um 00:00 Uhr

Alltag in den Praxen: lange Wartezeiten. Foto: tol

"Bitten warten Sie" heißt es bloß. Und noch einmal: "Bitten warten Sie." Etwa zehn Mal klingt es so, bis man zu Dr. Peter Kalbe durchgestellt wird. "Wir sind eine unfallchirurgische Praxis, und für Unfälle gibt es keine Terminvergabe," scherzt Dr. Peter Kalbe. Menschen mit akuten Schmerzen kämen selbstverständlich sofort an die Reihe. Doch würde damit eben das Problem der Termineinhaltung in die Sprechstunde verschoben, da durch die akuten Fälle Patienten mit Terminen eben länger warten müssten. "Da beißt sich die Katze in den Schwanz, eine Patentlösung gibt es nicht." Das war der allgemeine Tenor einer Umfrage bei Rintelns Fachärzten: Alle Patienten kämen so schnell wie möglich an die Reihe, zwischen Kassen- und Privatpatienten würden keine Unterschiede gemacht, Wartezeiten seien aber nicht zu vermeiden. "Natürlich finanzieren wir uns hauptsächlich über die Privatpatienten", erläutert der Allgemeinmediziner Dr. Walter Steuber ein. Und das werde sich auch nicht ändern, so lange die Krankenkassen nicht bereit seien, die Leistung der Ärzte "adäquat zu bezahlen." "Wartezeiten sind eine Frage der Organisation", sagt Gynäkologe Dr. Christian Bader. Und von Ausnahmen abgesehen, klappe die Terminvergabe in den Facharztpraxen durchaus. Im Prinzip sei es ganz einfach, kommentiert Dr. Bernd Pietzka, Facharzt für Innere Medizin die Situation: "Die Patienten müssen einen Termin abmachen!" Viele würden jedoch diesen Rat nicht befolgen mit dem Ergebnis, dass die beste Terminplanung der Arzthelferinnen in Rutschen komme, wenn sechs oder sieben unangemeldete Patienten ins Wartezimmer drängten. Sind akute Fälle dabei, die dazwischengeschoben werden müssen, ist es wie im Supermarkt: ."Da muss man sich bei der Schlange an der Kasse auch hinten anstellen. Und es wird immer Leute geben, denen das nicht passt." Auch der demographische Wandel spiegelt sich in den Wartezimmern wieder: Ältere Menschen suchen häufiger einen Arzt auf. Dass Privatzahler durchaus gewisse Vorteile genießen, daraus macht kein Arzt einGeheimnis: Privatpatienten sicherten letztlich die Existenz von Fachpraxen: "Wenn Privatpatienten nicht nach dem Geld behandelt würden, das sie bezahlen, könnten auch die Kliniken schließen. Und davon hätte niemand etwas."



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