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Liesa Luchtmeier: 45 Jahre erfolgreich in der "Männergesellschaft der Gewerkschafter" / Freunde in England und Polen

Voll im Leben, doch "älter werden ist nichts für Feiglinge!"

Steinbergen. Liesa Luchtmeier (70) wäre zu gerne Journalistin geworden, und dieser Beruf hätte auch wunderbar zu ihr gepasst, so aufgeschlossen interessiert ist die ehemalige Gewerkschaftlerin am Leben und an den Menschen. Ein Gespräch mit ihr hat wenig Chance, ein bloßer Smalltalk zu werden.

veröffentlicht am 16.11.2007 um 00:00 Uhr

Liesa Luchtmeier. Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

"Kind, was bist du neugierig!" - diesen Satz hörte sie nur allzu oft von ihrer holländischen Mutter. Und ihre selbstbewusste Antwort war: "Das ist nicht Neugier, das ist Wissbegier!" Weil das der Wahrheit entsprach, empfand sie, die gar nicht gefragt wurde, welchen Berufswunsch sie vielleicht haben könnte, es als ein riesengroßes Glück, dass sie in der Herforder "Bau, Steine, Erden"-Gewerkschaft, wo sie nach einer kaufmännischen Lehre als Kassenwartin begann, jede Menge Fortbildungsmöglichkeiten wahrnehmen konnte. "Es war ideal", sagt sie. "Ich lernte so viel, fast wie in einem Studium, und trotzdem habe ich vom ersten Tag an mein eigenes Geld verdient. Auf diese Selbstständigkeit war ich immer sehr stolz!" Hinzu kam, dass sie sich in der Gewerkschaft, die heute "Bau, Agrar, Umwelt" heißt, ganz und gar zu Hause fühlte, stammt sie doch aus einer von jeher sozialdemokratischen Handwerkerfamilie, in der beide Eltern politisch engagierte Menschen waren. 45 Jahre lang genoss sie ihre Arbeit, bei der sie sich souverän in einer Männergesellschaft bewegte und eigentlich alles machte, was an Gewerkschaftsarbeit nur anfallen konnte. Sie übernahm die Mitgliederberatung in sozialen und rechtlichen Angelegenheiten, leitete Versammlungen, hielt Vorträge. Trotzdem hatte sie nicht das geringste dagegen, mit 58 Jahren in den Vorruhestand zu gehen, und das lag wohl auch daran, dass sie ihren zweiten Mann kennen gelernt hatte, Werner Luchtmeier, ehemals VTR-Vorsitzender und Leiter der Sparkasse in Rinteln, mit dem sie so gerne regelmäßig nach Gran Canaria fuhr, der Lieblingsinsel, wo sie eine Wohnung besaßen. Überhaupt kann Liesa Luchtmeier so positiv über das Leben sprechen, auch wenn es natürlich seine schweren Seiten hatte. Nur zu gut ist vorstellbar, wie sie ihren Mann einfach in einer Kneipe bei einem Glas Wein kennen lernte, wie sie ins Gespräch kamen. "Wir haben nächtelang geredet, über alles - und so viel voneinander gelernt", sagt sie. Sein Tod vor einigen Jahren machte sie schrecklich traurig. Und doch: "Ich hatte Freunde, die mir halfen, wieder ins Leben zurückzufinden!" Überhaupt Freundschaften, ohne die ist ihr jetziger Alltag nicht denkbar. Dazu gehören nicht nur in Alter und Beruf ganz unterschiedliche Menschen in ihrer Nähe, sondern auch einige aus England und Polen, die sie kennen lernte in ihrer Funktion als Vorsitzende des Vereines für Städtepartnerschaften. So oft sind Gäste in ihrem Haus, so oft auch verreist sie zu und mit den Freunden. Trotzdem sagt sie, die im Mai 70 Jahre alt wurde und so unbefangen jung wirkt: "Älter werden, das ist nichts für Feiglinge!" Gerade hat sie eine Krebskrankheit heil überstanden, deren Diagnose ein großer Schock war, bis sie sich, wie es ihrer Art entspricht, sagte: "So - und jetzt durch!" Ihren Freunden gegenüber machte sie kein Geheimnis aus der Krankheit, und sie ist sich sicher, dass sie nicht nur Ermutigung entgegennahm, sondern selbst anderen betroffenen Mut machen konnte und kann. Immer noch fährt sie nach Gran Canaria, dieser Sonneninsel, wo Menschen, die ihr etwas bedeuten, sie nur zu gerne erwarten. Was sagte ihr damals die Großmutter: "Kind, ein Tag, an dem Du nichts Neues erlebst, ist ein verlorener Tag".



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