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Vehling bleibt Kreisvorsitzender

Volksbund: Nur 30 Prozent sind unter 80 Jahren

Landkreis (sig). Für die meisten, die heute leben, ist das Grauen eines Krieges nie Realität geworden. Für viele der letzten Kriegsgeneration hat sich der Lebenskreis längst geschlossen. Was bleibt, sind die Gräber von Millionen Kriegstoten, als stummes Vermächtnis, als Mahnung und als Verpflichtung für die Zukunft. So sieht es jedenfalls der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dessen Kreisverband im "Heeßer Krug" zusammenkam, den Vorstand bestätigte und sich neue Ziele setzte.

veröffentlicht am 31.03.2008 um 00:00 Uhr

Heinz-Gerhard Schöttelndreier

Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier sprach in seinem Grußwort nicht umsonst von einer gewaltigen Aufgabe, die nach wie vor sehr aktuell bleibe. Immer noch gebe es Hunderte von Soldatenfriedhöfen in vielen Teilen Europas. Durch die Öffnung der Ostgrenzen seien zusätzliche Gräberfelder mit viel Klärungsbedarf hinzugekommen. Es gebe immer noch Angehörige mit Fragen, die bisher nicht beantwortet werden konnten. Als besonders wichtig und sinnvoll bezeichnete der Landrat das Bemühen des Volksbundes um eine verstärkte Jugendarbeit. Wie notwendig es ist, dass der letzte millionenfache Völkermord dem Vergessen entrissen wird, unterstrich auch Samtgemeinde-Bürgermeister Bernd Schönemann. Er habe im vergangenen Sommer die Gräberstätte auf dem höchsten Berg Usedoms besucht, dem Golm. Dort liegen 23 000 Tote, die größtenteils Opfer des mörderischen Luftangriffs der Alliierten geworden sind. Noch am 12. März 1945 bombardierten 671 Flugzeuge Swinemünde, wo sich zu diesem Zeitpunkt auch viele Flüchtlinge aus dem Osten aufhielten. Der Vorsitzende des Bezirksverbandes Hannover, Regierungsvizepräsident a. D. Karlheinz Mönkemeyer, machte in seinem Referat über die Rolle des Volksbundes im 21. Jahrhundert deutlich, dass er sich zum Ziel gesetzt habe, der heranwachsenden Generation ein solches Schicksal zu ersparen. Es sei eine bittere Erkenntnis gewesen, dass dem ersten Weltkrieg so schnell ein zweiter gefolgt ist. Immerhin seien allein bei der Schlacht um Verdun im Jahre 1916 mehr als 700 000 Soldaten gefallen. Mönkemeyer verschwieg nicht, dass die Perspektiven des Volksbundes nicht als rosig zu bezeichnen sind. Nur 30 Prozent seiner Mitglieder seien jünger als 80 Jahre. Die Generation, die den letzten Weltkrieg noch erlebt hat, sterbe aus. Deshalb verringere sich die Zahl der Mitglieder und auch der Beiträge sowie Spenden. Noch bestreite diese Bürgerinitiative, die ja keine staatliche Einrichtung sei, 90 Prozent des zu leistenden Aufwandes. Den Rest leiste der Staat, der 2009 voraussichtlich an die 15 Prozent beisteuern werde. "Wir müssen unsere Aufgaben kritisch überprüfen; bis 2015 muss das Errichten von Kriegsgräberstätten in Osteuropa abgeschlossen sein, aber die Pflege geht weiter", versicherte der Bezirksvorsitzende. Trotz der bevorstehenden schwierigen Jahre wolle man weiterhin eine aktive Jugendarbeit leisten, denn das sei die beste Friedensarbeit. Dazu gehören internationale Jugendcamps und Jugendbegegnungsstätten zur gemeinsamen Pflege von Kriegsgräbern. Der einstimmig wiedergewählte Kreisvorsitzende Werner Vehling berichtete anschließend, dass der Volksbund im Landkreis Schaumburg derzeit 674 Mitglieder zählt. Bei 124 von ihnen handele es sich um Vereine, Verbände, Gemeinden, Kirchengemeinden und Schulen. Der Rückgang ist bedrohlich, denn 1993 wurden immerhin noch 1669 Mitglieder gezählt. In Exten existiert der einzige noch aktive Ortsverband. Bei der alljährlichen Haus- und Straßensammlung kamen im Vorjahr immerhin noch fast 36 000 Euro zusammen. Daran haben sich noch zahlreiche Prominente sowie Schulen beteiligt. Auch Vehling unterstrich, dass der Kreisverband des Volksbundes die schon bisher recht erfolgreiche Schul- und Jugendarbeit weiter intensivieren wird, um jüngere Mitglieder für die Arbeit des Volksbundes zu gewinnen. Beispiele seien Projekte an Schulen in Stadthagen und Bückeburg. Darüber berichtete unter anderem Dr. Sabine Meschkat-Peters, die Schulreferentin des Bezirksverbandes. Darauf und auf eine Reihe von Ehrungen gehen wir noch gesondert ein.



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