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Hamelner hatten Wachter AG im Oktober gekauft / 100 Mitarbeiter betroffen / „Stärkung für Hameln“

Vogeley schließt zwei Tochterunternehmen

Hameln/Schwaig (wul). Die jüngste Nachricht auf der Internetseite ist ein halbes Jahr alt und inzwischen überholt: „Die Vogeley GmbH übernimmt Wettbewerber Wachter AG“, verkündet das Hamelner Unternehmen noch auf seiner Seite. Inzwischen hat Vogeley beide Werke des Fertigsuppenherstellers geschlossen. Bereits im Dezember wurde der Betrieb in Radebeul dichtgemacht, jetzt folgte das zweite im bayerischen Schwaig. Wer nicht von Vogeley übernommen wurde, hat die Kündigung erhalten. Zum Zeitpunkt der Übernahme im Oktober waren rund 100 Mitarbeiter bei Wachter beschäftigt.

veröffentlicht am 06.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Vogeley

Hameln/Schwaig (wul). Die jüngste Nachricht auf der Internetseite ist ein halbes Jahr alt und inzwischen überholt: „Die Vogeley GmbH übernimmt Wettbewerber Wachter AG“, verkündet das Hamelner Unternehmen noch auf seiner Seite. Inzwischen hat Vogeley beide Werke des Fertigsuppenherstellers geschlossen. Bereits im Dezember wurde der Betrieb in Radebeul dichtgemacht, jetzt folgte das zweite im bayerischen Schwaig. Wer nicht von Vogeley übernommen wurde, hat die Kündigung erhalten. Zum Zeitpunkt der Übernahme im Oktober waren rund 100 Mitarbeiter bei Wachter beschäftigt. Grund für die Schließung sei die unwirtschaftliche Produktion gewesen, wie Geschäftsführer Philipp-Wilhelm Vogeley gegenüber der Dewezet erklärt.

„Sie wussten nicht, wie schlecht es steht“

Das Aus bei der Vogeley-Tochter „Wachter“ am bayerischen Produktionsstandort sei für die rund 50 betroffenen Mitarbeiter völlig überraschend gekommen, berichtet die dort erscheinende Pegnitz-Zeitung. Aus Vogeley-Perspektive sieht das anders aus: Dass die Wachter-Werke mit einem Umsatz von 10 Millionen Euro „langfristig nicht überlebensfähig“ sein würden, sei absehbar gewesen, sagt Vogeley. Programme zur Kostenreduzierung hätten nicht gegriffen. Auf Nachfrage betont der Geschäftsführer, dass es jedoch nicht von vornherein geplant gewesen sei, die Produktion einzustellen und nur den Vertrieb von Wachter und das dort vorhandene Know-how zu integrieren. Wenngleich: „Das Interessante für uns war der Vertrieb und die Marke; produzieren kann jeder, und wir hatten auch noch Produktionskapazitäten frei.“ Wachter zu kaufen, wurde im Haus als strategisch sinnvolle Verbindung gesehen: Wettbewerber Wachter als bekannter Anbieter und Direktvertreiber von hauptsächlich würzigen und einigen süßen Produkten mit einem Kundenstamm von rund 2500 Großabnehmern, Vogeley als führender Hersteller von hauptsächlich süßen und einigen würzigen Speisen.

Den indirekten Vorwurf aus Bayern an die Hamelner, dass die Ankündigung der Schließung durch die Geschäftsführung für die Wachter-Crew laut Pegnitz-Zeitung „ohne jede Vorwarnung“ kam, will der Senior-Geschäftsführer Hans-Wilhelm Vogeley nicht gelten lassen. Viele der Mitarbeiter hätten einfach nicht gewusst, wie schlecht es um ihren Standort tatsächlich schon länger stehe – das zu kommunizieren, habe aber die vorherige Unternehmensleitung versäumt. Auch sei sie für die wirtschaftliche Schieflage verantwortlich gewesen.

Vertrieb wurde übernommen

Die Kündigungen an die Wachter-Mitarbeiter seien Ende April verschickt worden. Sozialpläne sind nicht verhandelt worden, weil bei Wachter keine Arbeitnehmervertretung eingesetzt war und der Gesamtbetriebsrat der Vogeley Großverbraucher GmbH nicht zuständig gewesen sei, so dessen Vorsitzender Dieter Fritsch. Die Entlassung der Wachter-Mitarbeiter bezeichnet er als „sehr bedauerlich“.

Die Außendienst- und einige Marketingmitarbeiter, insgesamt 24, wurden von Vogeley übernommen, die Produktion des aussortierten „Wachter“-Sortiments erfolgt jetzt in Hameln und zwar „günstiger als in Schwaig“, wie Hans-Wilhelm Vogeley sagt. Die Marke „Wachter“ bleibe erhalten. Durch das Abstoßen der unwirtschaftlichen Produktionen sichere man letztlich den Vogeley-Standort in Hameln und die Position gegenüber weiteren Wettbewerbern, betont er. Etwa 15 Mitarbeiter seien seit Januar außerdem zusätzlich eingestellt worden.

Rund 10 500 Großverbraucher in Deutschland und Österreich zählt das Traditionsunternehmen Vogeley nach eigenen Angaben jetzt zu seinen Kunden, darunter Krankenhäuser, Pflegeheime, Betriebskantinen und Mensen. Von der Wirtschaftskrise bleibe das Unternehmen derzeit weitgehend unberührt, sagt Hans-Wilhelm Vogeley. Im Gegenteil: Das Unternehmen sehe noch Potenzial am Markt. Entlassungen oder Kurzarbeit am Unternehmensstandort Hameln sind auch nach Aussage des Betriebsratsvorsitzenden Dieter Fritsch „kein Thema“.

Vogeley-Produktion an der Kuhlmannstraße in Hameln. Jetzt werden in der Rattenfängerstadt auch die Wachter-Produkte hergestellt.

Foto: mafi



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