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Jägerschaft zieht Bilanz / Blauzungenkrankheit auf dem Vormarsch / Rotwildbestand erreicht Zielniveau

Viren haben die Wildkaninchen fast ausgerottet

Bückeburg (jp). Einige ungewöhnliche Entwicklungen kennzeichnen den Wildtierbestand im Landkreis Schaumburg. Auf der Jahresversammlung der Kreisjägerschaft Schaumburg im Rathaussaal zeigte Kreisjägermeister Heinrich Stahlhut-Klipp gleich mehrere deutliche Veränderungen gegenüber den Vorjahren auf. Davon betroffen sind vor allem das Schwarzwild, das Rotwild und die Wildkaninchen.

veröffentlicht am 24.04.2007 um 00:00 Uhr

Wildkaninchen sind im Landkreis Schaumburg durch die Chinaseuche

Beim Schwarzwild ging die Strecke von 1066 Tieren im Jagdjahr 2005/06 auf nunmehr 610 zurück. Diese Beinahe-Halbierung von geschossenen und im Straßenverkehr gestorbenen Wildschweinen sei aber nicht gleichzusetzen mit einem tatsächlichen Rückgang des Bestandes, betonte der Kreisjägermeister. Vielmehr habe die gute Eicheln- und Buchenmast die Sauen in den Wäldern gehalten, der fehlende Schnee die Bejagung zusätzlich erschwert. Stahlhut-Klipp mahnte zu einer weiterhin scharfen Bejagung, da die Bedrohung des Schwarzwildes durch die Schweinepest nach wie vor gegeben sei. So habe es bereits in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr einen Ausbruch unter Wildschweinen gegeben. Tatsächlich zurückgegangen ist der Rotwildbestand im Schaumburger Wald. Gegenüber Strecken von 80 bis 90 in früheren Jahren kamen 2006/07 nur 38 Tiere zur Strecke. Hier sei inzwischen nach sehr viel höheren Populationen ein gewünschter Zielbestand von 120 bis 140 Tieren erreicht, erklärte Heinrich Stahlhut-Klipp. "Das ist eine ganz normale und gewünschte Entwicklung, und wir werden versuchen, dieses Niveau zu halten." Weder normal, noch gewünscht ist hingegen die Entwicklung der Wildkaninchen-Population. Die kleinen Langohren sind auf Grund der nach wie vor grassierenden Chinaseuche aus den Wildrevieren des Landkreises Schaumburg nahezu verschwunden. "Restbestände finden wir nur noch in Hausgärten, in Parks und auf Friedhöfen", so Stahlhut-Klipp. "Die Bestände wollen sich einfach nicht erholen." Die Chinaseuche - eine Art Ebola für Kaninchen und auch bekannt unter dem Buchstabenkürzel RHD - ist eine hämorrhagische Viruserkrankung, die unter anderem durch infiziertes Futter und Stechinsekten übertragen werden kann und praktisch immer tödlich verläuft. Für Menschen sowie alle anderen Tiere ist sie nicht gefährlich. Besitzer von Hauskaninchen können ihre Tiere durch Impfung schützen. Aber noch eine andere Krankheit bereitet den Schaumburger Jägern derzeit erheblich Sorgen. Seit September 2006 breitet sich die Blauzungenkrankheit in Deutschland aus. Die durch Mücken übertragene Infektion befällt Ziegen, Schafe, Kühe und alle wiederkäuenden Wildtiere. Auch Schaumburg habe die Infektion bereits erreicht, sei bislang jedoch noch nicht bei Wildtieren festgestellt worden. Äußerliche Kennzeichen beim befallenen Tier sind Lahmheit und Apathie, Schaumbildung vorm Maul und die charakteristischen Blaufärbung der Zunge. Kreisjägermeister Stahlhut-Klipp appellierte zu erhöhter Wachsamkeit. Beim geringsten Verdacht müsse unverzüglich das Kreisveterinäramt des Landkreises Schaumburg informiert werden.

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