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Arbeitsagentur will mit Hochschulinformationstag Vorbehalte abbauen

Viele verzichten auf das Studium

Hameln (sim/mafi). Wer das Abitur hat, dem stehen bei der Berufswahl sehr viele Türen offen – doch nutzen die Abiturienten ihre Chancen? Immerhin 1300 drängten sich gestern im Berufsinformationszentrum der Arbeitsagentur, um sich am Hochschulinformationstag (HIT) im Dschungel der Berufe zu orientieren. Melanie Kleine (18) aus Afferde stellte dabei fest: „Ich möchte lieber gleich arbeiten, anstatt erst zu studieren.“ Sie werde nach dem Abitur Praktika machen, um konkrete Einblicke zu bekommen.

veröffentlicht am 29.01.2009 um 23:24 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Hameln (sim/mafi). Wer das Abitur hat, dem stehen bei der Berufswahl sehr viele Türen offen – doch nutzen die Abiturienten ihre Chancen? Immerhin 1300 drängten sich gestern im Berufsinformationszentrum der Arbeitsagentur, um sich am Hochschulinformationstag (HIT) im Dschungel der Berufe zu orientieren. Melanie Kleine (18) aus Afferde stellte dabei fest: „Ich möchte lieber gleich arbeiten, anstatt erst zu studieren.“ Sie werde nach dem Abitur Praktika machen, um konkrete Einblicke zu bekommen. Auch Jacqueline Fischer (17) aus Coppenbrügge erzählt: „Ich möchte eigentlich nicht studieren, höchstens, um mich später weiterzubilden.“ Tatsächlich entscheidet sich nur jeder dritte Abgangsschüler in Deutschland für ein Studium; damit liegt die Bundesrepublik unter dem europäischen Durchschnitt von 54 Prozent. Den Anteil zu steigern hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, damit die Nachfrage nach höher qualifizierten Fachkräften auch bei den sinkenden Schülerzahlen noch befriedigt werden kann.

„… dann hat man auch

Erfolg am Arbeitsmarkt“

Horst Joachim Schwenke von der Arbeitsagentur Hameln, der den HIT organisiert hat, bedauert: „Viele Abiturienten überlassen ihre Studienwahl dem Zufall.“ Dabei biete etwa die Arbeitsagentur gute Möglichkeiten, sich zu informieren. Als besonders aussichtsreich gelten nach Auskunft des Experten derzeit technische und internationale Studiengänge sowie das Lehramt in bestimmten Fächern und Schulformen. Aber Schwenke gibt zu bedenken: „Wie schnell sind Prognosen Geschichte.“ Es komme vor allem darauf an, dass der junge Mensch das zu ihm passende Studium wählt – „dann hat er auch Erfolg am Arbeitsmarkt“. Um herauszufinden, was „passt“, gebe es viele Möglichkeiten, etwa Interessen- und Studierfähigkeitstests, Gespräche mit Berufstätigen und Berufsberatern, Praktika und Vorlesungsbesuche. Julia Gattermann (17) aus Holzminden erzählt: „Ich finde keinen Ausbildungsplatz. Bevor ich zu Hause herumsitze, informiere ich mich hier beim HIT lieber nochmal über Studiengänge im Bereich Physiotherapie.“

Die Akademikerkinder stellen nach wie vor die mit Abstand größte Gruppe der Studienanfänger. Ist das Studieren in Deutschland zu teuer? Schwenke betont: Es bestehen nach wie vor Möglichkeiten, ohne Studiengebühren zu lernen, im übrigen gebe es Stipendien und Hilfen wie Bafög und spezielle Kredite. Auch wenn die Kosten des Studiums nicht gering sind: „Langfristig lohnt sich das Studieren“, sagt Schwenke mit Blick auf das höhere Gehaltsniveau für Hochschulabsolventen. Auch ein Auslandsaufenthalt – während des Studiums, als Praktikant oder als Au pair – zahle sich aus. „Das sind manchmal wichtige und prägende Lebenserfahrungen, die zudem Grundstein der Karriere sein können. Überbrückungsmöglichkeiten wie ein Freiwilliges Soziales Jahr erhöhen auch die Zulassungschancen an den Hochschulen.“ Für Leyla Koyuncu (17) aus Bödexen bei Höxter, die zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester macht, ist dies eine gute Option: „Ich finde es interessant, im Ausland freiwillig und ohne Lohn zu arbeiten.“ Und vielleicht werde sie später noch studieren.



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