weather-image
26°
Vor Gericht: Missglückte Operation

Viele Schmerzen, Operationen, Streit um Geld

Bückeburg (ly). Ihren Lebensabend hat sich Dagmar Zahn (63) anders vorgestellt. "Er ist mir vergällt worden", sagt sie. Fast fünf Jahre nach einer missglückten Handoperation im Krankenhaus Bethel streitet die Heeßerin noch immer vor dem Landgericht. In einem ersten Prozess hatte die 2. Zivilkammer ihr 5000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen (wir berichteten).

veröffentlicht am 08.03.2007 um 00:00 Uhr

Dem Operateur, so hieß es damals zur Begründung, sei ein "grober Behandlungsfehler" unterlaufen. Konkret hatte der Arzt anders operiert als mit der Patientin vereinbart. Die Frau habe dadurch einen "rechtswidrigen Eingriff in ihre körperliche Unversehrtheit" hinnehmen müssen, wie die Richter befanden. Über das Schmerzensgeld hinaus war die Klinik zu weiteren Zahlungen verpflichtet worden. In einem Folgeverfahren geht es jetzt um die genaue Bezifferung des Schadens. Rund 5800 Euro verlangt die frühere Sachbearbeiterin, weil sie im Oktober 2003 in den vorgezogenen Ruhestand musste und finanzielle Einbußen hatte. Außerdem fordert die Klägerin jährlich pauschal etwa 600 Euro sowie einmalig weitere 200 Euro für Praxisgebühren und Medikamente. Für eine Haushaltshilfe will Dagmar Zahn bis Ende 2005 rund 4800 Euro. Ob sie tatsächlich die volle Summe erhält, erscheint nach einer erneuten mündlichen Verhandlung fraglich. Die großen Probleme bei der Arbeit im Büro, die zur Aufgabe des Jobs geführt hatten, sind nach Einschätzung des Sachverständigen nicht auf den Behandlungsfehler zurückzuführen. Im Dezember 2001 war Dagmar Zahn beim Fensterputzen in ihrer Wohnung gestürzt und hatte sich einen Trümmerbruch des linken Handgelenks zugezogen. Zwei Tage darauf wurde eine Titanplatte implantiert, die anderthalb Jahre später wieder entfernt werden musste. Der Fehler - wenn man es denn so nennen möchte - ist dann beiOperation Nummer drei passiert, im Juli 2002. Während des Eingriffs unter Vollnarkose hatte der Arzt sich für eine andere OP-Methode entschieden, zu der jedoch keine Einwilligung der Patientin vorlag. Seitdem fehlt Dagmar Zahn das so genannte Ellenköpfchen, der hervorstehende Knochen an der Außenseite des Handgelenks. Egal ob Essen kochen, Rasen mähen oder Staub saugen - all dies macht ihr nun seit Jahren große Probleme. Dagegen sprach der Gutachter von einem "Phänomen, das in der Literatur nicht beschrieben wird". Als "nicht so ausgeprägt" bezeichnete er die Unterschiede zwischen beiden OP-Methoden. Die Entscheidung wird Ende März verkündet.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare