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Vorschläge reichen vom Musterhaus für die energetische Altbausanierung bis zur biogenen Treibstoffproduktion vor Ort

Viele Köpfe rauchen schadstofffrei für ein prima Klima

Hameln (ni). Um klimatische Störungen im Zwischenmenschlichen zu bereinigen, reicht ein klärendes Wort. Dem weltweiten Klimawandel und seinen bedrohlichen Folgen für die Menschheit ist so einfach nicht beizukommen. Die globale Erwärmung lässt sich nur durch konkretes Handeln beeinflussen. Wie dieses Handeln auf lokaler Ebene aussehen könnte – darüber machen sich in Hameln zurzeit auf Initiative der Stadt interessierte Bürger, Vertreter der Wirtschaft und Mitarbeiter des Rathauses Gedanken. In drei Arbeitsgruppen tragen sie Inhalte für ein städtisches Klimaschutzpaket zusammen. An Ideen mangelt es den Akteuren nicht.

veröffentlicht am 11.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 14.12.2009 um 10:43 Uhr

Bei der energetischen Sanierung von Fachwerkhäusern ist Spezialw

50 Prozent des CO2-Ausstoßes in Hameln werden von Privathaushalten verursacht. Für die Arbeitsgruppe „Energie sparen, erneuerbare Energien und Energieeffizienz“ war dieses Ergebnis der für die Stadt vorliegenden CO2-Bilanz eine Herausforderung, sich mit der Frage auseinanderzusetzen: Wie kann man Hauseigentümer motivieren, ihre Immobilie energetisch zu sanieren, und welche Unterstützung könnte die Stadt dabei leisten? Ein Vorschlag von vielen zu diesem Thema verdient in den Augen der städtischen Energieberaterin Christine Tegtmeier besondere Beachtung, weil er weit über die üblichen Appelle, Rechenbeispiele und Informationen zu Förderprogrammen hinausgeht. Nämlich am konkreten Modellhaus aufzuzeigen, wie Altbauten und Fachwerkhäuser fachgerecht energetisch saniert werden können. Dämmungen, wie sie für ein Reihenhaus aus den fünfziger Jahren gut sein, so Tegtmeier, verböten sich an einer Jugendstilfassade und taugten auch nicht für ein Fachwerkhaus. Um den Energieverlust bei alten Gebäuden zu reduzieren, sei besonderer Sachverstand gefordert. Die geeigneten Methoden am konkreten Beispiel darzustellen, „wäre eine Hilfe für die Bürger“.

Eine andere Anregung, vermutlich einfacher umzusetzen, weil die entsprechenden Vorarbeiten dafür bereits laufen: die Ausweisung von Dächern, die sich für die Installation von Solaranlagen eignen. Die dafür erforderliche „Solarpotenzialanalyse“ ist von der Stadt schon in Auftrag gegeben. Ihr Ergebnis soll im Internet in Form einer Art Stadtkarte präsentiert werden, der jeder Bürger und auch interessierte Investor entnehmen kann, welche Hausdächer sich für die Nutzung der Sonnenenergie anbieten.

Mit der Wirtschaft, am CO2-Ausstoß in Hameln zu 19 Prozent beteiligt, hat sich die Arbeitsgruppe ebenfalls beschäftigt – und schon erste Effekte erzielt. Auslöser war der Vortrag eines Gastreferenten von der Handwerkskammer Hannover. Er rechnete vor, dass die Energiekosten in kleinen und mittelständischen Unternehmen bis zu acht Prozent des gesamten Umsatzes ausmachen; dass sie aber gerade in diesen Betrieben, die oft mit Gewinnmargen von nur zwei oder drei Prozent kalkulieren, kaum beachtet würden, „sondern in der Buchhaltung nur unter Sonstiges erscheinen“, so Tegtmeier. Hans-Jürgen Hesse von der Weserbergland AG will das Thema sofort aufgreifen und beim nächsten Unternehmerfrühstück über das Energieberatungsangebot der Handwerkskammer informieren.

In der Arbeitsgruppe „Klimafreundliche Mobilität“ arbeiten neben neutralen Bürgern Auto- und Fahrradlobbyisten, Öffis und Fachleute aus der Stadtverwaltung gemeinsam an Vorschlägen zur Reduzierung des vom Verkehr in Hameln beigesteuerten CO2-Ausstoßes (29 Prozent). Beispiele aus dem vorläufigen Katalog der Anregungen: Aufbau einer biogenen Treibstoffproduktion vor Ort, Verbesserung des ÖPNV-Angebotes, Einschränkung des Park-Such-Verkehrs und Maßnahmen zur Verbesserung des „Fahrradklimas“ in Hameln. Mit der Frage, wie sich Hameln zur fahrradfreundlichen Stadt wandeln kann, beschäftigt sich im Auftrag der Stadt seit geraumer Zeit auch ein Fachbüro. Es ist dabei, den Ist-Zustand zu analysieren und soll Empfehlungen liefern, wie Radfahren in Hameln attraktiver gemacht werden kann; und wie mehr Bürger dazu bewegt werden können, vom Auto auf das klimaneutrale Zweirad umzusteigen.

In den nächsten Sitzungen aller Gruppen wird es darum gehen, die Fülle der Ideen auf ihre Umsetzbarkeit abzuklopfen, nach Prioritäten zu sortieren – und Utopisches zu streichen. Aufgabe von Christine Tegtmeier ist es dann, die verbliebenen Vorschläge zu einem städtischen Klimaschutzkonzept zu verarbeiten, das anschließend von der Politik beraten und schließlich vom Rat verabschiedet werden soll.

Den heutigen „Weltklimatag“ nehmen verschiedene lokale Akteure zum Anlass, das Thema Klimawandel ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), das Anti-Atom-Plenum Weserbergland sowie weitere Gruppen und Parteien treten in der Bäckerstraße mit Informationsständen, Musik und Aktionen auf. Von 11.30 bis 13.15 Uhr werben sie in der Nähe des Münsterkirchhofs für eine konsequente Wende zur Nutzung alternativer Energien und für Energiesparmaßnahmen.



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