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Kulturverein: "Kulturscheune keine Konkurenz" / Es fehlen schöne Vorführräume

"Viel Kultur nicht nur für die Gemeinde"

Auetal (rnk). Um eine aufkommende Legende gleich im Keim zu ersticken, griff Thomas Priemer als Vorsitzender des Auetaler Kulturvereins auf der Jahreshauptversammlung zu deutlichen Worten: "Keinesfalls wird die im letzten Jahr gegründete Kulturscheune als kultureller Konkurrent gesehen." Der Kulturverein werde ganz im Gegenteil jeden unterstützen, der für kulturell interessierte Bürger ein Angebot zusammenstelle. Priemer: "Dafür sind wir dankbar."

veröffentlicht am 26.05.2007 um 00:00 Uhr

Eine "giftige Mahlzeit", wie Karin Böger ihr Bild nennt, war das

Enttäuscht war Priemer vorgestern Abend eigentlich nur über den Zuspruch an der Versammlung: Nur ein Dutzend der 73 Mitgliedern waren gekommen. Priemer sprach von einen "stabilen Mitgliederstand", auch wenn die fetten Jahre des Wachstum erst einmal vorbei zu sein scheinen: War 2005 noch eine 25-prozentige Mitgliedererhöhung zu verzeichnen - und im letzten Jahr waren es immerhin noch 16 Prozent -, so liegt der letzte Eintritt in den Kulturverein sechs Monate zurück. Es möge Ansporn sein, wertete Priemer: "Sprechen Sie Menschen an, die kulturell interessiert sind." An den Preisen liege es wohlnicht: 2,50 Euro kostet die Mitgliedschaft pro Monat. Apropos Geld: 1100 Euro lässt sich der Kulturverein den Kauf einer 20 Quadratmeter großen Bühne kosten, die jeweils gleiche Summe steuern Grundschule und Gewerbeverein bei. Die transportable Bühne könne zudem gemietet werden, nach der dritten Veranstaltung insgesamt habe sie sich amortisiert; eine "runde Sache", meinte Priemer, der sicher ist, dass diese dritte Veranstaltung nicht lange auf sich warten lassen wird. Finanziell hat sich der Verein berappelt. Musste 2005 noch ein tiefes Loch in der Kasse vermeldet werden, so hat der Verein die Finanzen konsolidiert und verfügt über eine vierstellige Summe im unteren Bereich. Dabei habe es sich bewährt, eine Rücklage in Höhe der jährlichen Mitgliederbeiträge zu bilden; das lasse eine verregnete Veranstaltung mit wenigen Zuschauern besser überstehen. Sorgen bereitet Priemer, dass der Kulturverein nurüber eine begrenzte Zahl von Vorführräumen verfügen kann: Immerhin würden es vor allem die weiblichen Mitglieder schaffen, auch aus den schlimmsten Räumen noch einen schönen Rahmen zu zaubern. Aber immer nur zu improvisieren, sei auch nicht des Pudels Kern. Immerhin habe man mit der Aula derGrundschule und der Seniorenresidenz zwei schöne Räume. Vor allem die Zusammenarbeit mit der Seniorenresidenz soll ausgeweitet werden, erklärt Priemer: Lesungen oder eine Ausstellung könne er sich dort "sehr, sehr gut" vorstellen. Und: "Ein dankbares Publikum haben wir dort auch." In den Lese- und Malkreisen des Kulturvereins ging auch 2006 alles seinen geregelten Gang. Dagmar Tünnermann berichtete von einem Dutzend festen Teilnehmern, die nicht nur neuere Klassiker lasen, sondern auch schon etwas ältere entstaubten: So wurden 2006 "Der Untertan" und die "Buddenbrooks" von Heinrich und Thomas Mann gelesen - mit entsprechendem Gewinn. Und in Sachen Humor bewegen sich diegallige Satire und die Familiensaga ja durchaus auf Augenhöhe. Der sich jeden vierten Donnerstag treffende Malkreis verfügt über sechs bis sieben feste Mitglieder, wie Kerstin Liwack sagte. In der nächsten Woche wird in der Sparkasse eine Ausstellung der Mitglieder eröffnet. Das Thema lautet "Wasser". Angedacht ist auch ein Kalender, allerdings müssen noch einige Fragen geklärt werden, vor allem mit Blick auf die Kosten. Priemer, der ebenso einstimmig wiedergewählt wurde wie Schriftführerin Heike Fleischer, Schatzmeisterin Judith Amperse und Stellvertreterin Anja Gellermann, zog im vierten Jahr des Vereinbestehens ein generelles Fazit: "Es ist nicht so einfach, Kultur im Auetal an den Mann zu bringen." Immerhin habe der Verein seine Lehren gezogen, vondenen eine laute, dass man mit Freude arbeiten solle - "wenn man das Gefühl hat, man opfert sich, sollte man zu Hause bleiben." Generell biete der Verein "viel Kultur für die Gemeinde Auetal und umzu". Der Rückblick selbst fiel kurz aus. Höhepunkt im letzten Jahr, was die Zuschauermenge betraf, war fraglos das Irish-Folk-Konzert auf Gut Oelbergen: Rund 1000 Menschen waren da - "das muss erst einmal einem Verein gelingen". Enttäuschend sei daher Zuschauerzuspruch beim Aufritt der Kabarettisten "Steptokokken": Das "Wahnsinnsprogramm für Augen und Ohren" (Priemer) hätte deutlich mehr verdient als 50 Interessierte. Die allerdings hätten sich prächtig amüsiert.

Thomas Priemer
  • Thomas Priemer


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