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Vor Gericht: Geldstrafe wegen Bedrohung für verlassenen Mann / " Ich sehe es als Hilfeschrei"

Verzweiflungstat: Mit Messer auf eigene Frau los

Obernkirchen/Bückeburg (ly). Aus Verzweiflungüber die Trennung ist ein Obernkirchener (52) mit einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser auf seine Frau losgegangen. Fast wäre er dafür wegen versuchten Totschlags angeklagt worden, ein Fall für die Große Strafkammer. Am Ende ging die Sache jedoch glimpflich aus: 1760 Euro Geldstrafe wegen Bedrohung, so das Urteil des Amtsgerichts in Bückeburg. Umgerechnet sind dies 40 Tagessätze. Weil der Handwerker zum Tatzeitpunkt 1,94 Promille Alkohol im Blut hatte, billigte Richter Armin Böhm dem Mann, der bis zu jenem Tag unbescholten durchs Leben gegangen sei, verminderte Schuldfähig keit zu.

veröffentlicht am 13.09.2008 um 00:00 Uhr

Heute tut es dem Angeklagten Leid. "Ich hoffe, meine Frau kann mir verzeihen", sagt er in seinem Schlusswort. Die 34-Jährige hat nach ihrer Zeugenaussage im Zuhörerraum Platz genommen. Sie nickt. "Ich sehe es als Hilfeschrei", hatte das Opfer zuvor erklärt. Bloß die Trennung lässt sich wohl nicht mehr rückgängig machen. Es gibt bereits einen neuen Mann. Rückblende. Der 4. Mai, vor knapp vier Monaten hat sie ihn verlassen. Wieder ist da dieses Gefühl der Leere: "Man kommt abends nach Hause, keiner ist da." In der Stimmung und zudem betrunken fährt der Obernkirchener zum Haus seiner Schwiegermutter, wo die Noch-Ehefrau mit den Kindern vorübergehend eingezogen ist. Er wartet, gegen 20 Uhr kommt ein Auto, die 34-Jährige steigt aus. Mit der Waffe in der Hand läuft der Handwerker ihr nach, holt sie ein und hebt das Messer. Die Frau hält seine Hand fest, man drückt hin und her, zum Äußersten kommt es nicht. Ein Nachbar (42) eilt herbei, hält den Angreifer fest und setzt sich auf dessen Oberkörper, bis die Polizei kommt. Vor Gericht sagt die Frau jetzt aus, dass ihr Mann nicht zugestoßen habe. Staatsanwalt Günter Wilkening kann deshalb "weder Tötungs- noch Verletzungsvorsatz" erkennen, fügt aber hinzu: "Anfangs sah es nach einer ganz brutalen Sache aus." Nämlich nach versuchtem Totschlag. Von der bereits abgeschwächten Anklage, die auf versuchte gefährliche Körperverletzung gelautet hatte, rückt Wilkening noch vor den Plädoyers ab. Verurteilt wird der Obernkirchener nur noch wegen Bedrohung. Im Rückblick meint der Angeklagte, dass er nicht seine Noch-Ehefrau, sondern vielmehr sich selbst mit dem Messer habe verletzten wollen: "Ich wollte mir Leid zufügen, damit sie sich um mich kümmern musste." Dass er wirklich zugestoßen hätte, glaubt der 52-Jährige nicht. "Ich empfinde noch immer etwas für sie." Im Gerichtssaal geben beide sich noch einmal die Hand. Dann trennen sich die Wege.

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