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„Grüner Punkt“ stört Apotheken-Kooperation mit Entsorger Remedica

Verwirrung durch neue Vorschrift: Wohin mit den alten Arzneien?

Hameln-Pyrmont (bn). Seit Anfang Juni herrscht Verunsicherung, und zahlreiche Apotheken wussten plötzlich nicht mehr, wohin mit Alt- oder Restmedikamenten: Kurzfristig angekündigt, musste der Kölner Entsorger VfW-Remedica, der bis dahin bundesweit etwa drei Viertel der 21 662 Apotheken kostenlos betreute, seinen Dienst „vorübergehend unterbrechen“, so Geschäftsführer Dr. Michael Heising. Jetzt werden die Apotheken für diese Leistung zur Kasse gebeten. Die

veröffentlicht am 12.08.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Verwirrung durch neue Vorschrift

neue Verpackungsmittelverordnung habe dazu geführt, dass das System nicht mehr kostendeckend funktioniere.

Bislang hatte Remedica, 1995 in Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie als Branchenlösung entwickelt, Verpackungswertstoffe aus Apotheken abgeholt und rückgeführt. Quasi als Zusatzdienstleistung wurden dabei unverbrauchte Spritzeninhalte, Pillen, Saft- und Salbenreste fachgerecht entsorgt. Doch seit Januar müssen alle Verkaufsverpackungen im Handel beim „Grünen Punkt“ lizensiert sein. VfW-Vertriebsleiter Hans-Jürgen Nevermann erklärt, dass „die Pharmaindustrie keine doppelten Kosten mehr für unser spezielles Entsorgungssystem übernehmen wollte“. Ein System, das als Kundendienst weitergegeben werden konnte, denn generell sind Apotheken nicht zur Rücknahme von Altmedikamenten verpflichtet. Ulrich Kaufmann von der Kreisabfallwirtschaft weist darauf hin, dass Privatpersonen ihre Altmedikamente auch kostenlos an den Schadstoffsammelstellen der Gemeinden abgeben dürfen. Denn obwohl die Entsorgung kleiner Arzneimittelmengen auch über den Hausmüll zulässig und die anschließende Verbrennung unproblematisch sei, wie Kaufmann versichert, warnen Experten vor Risiken durch ungesicherten Zugriff. So könnten spielende Kinder Tabletten für Bonbons halten oder umweltbelastende Medikamentenstoffe im Abwasser landen.

Die Apotheke biete mit VfW-Remedika ein qualifiziertes Entsorgungsmodell an, welches Schadstoffeinträge in unsere Umwelt sicher verhindere und einen hohen Grad an Wiederverwertung gewährleiste, betont der stellvertretende Bezirksapotheker Dr. Andreas Beißner. Durch dieses Verfahren garantiere die Apotheke auch nach dem Verkauf der Medikamente die gebotene Arzneimittelsicherheit. Die Jahressumme von 200 Euro, die derzeit als Kostenbeitrag von der VfW verlangt werde, sei „nicht dramatisch angesichts der sehr eleganten Komplettlösung, die das Unternehmen dafür bietet“.

Gespräche mit den Herstellern

Auch Birgit Köpps-Padberg, Sprecherin des Apotheken-Notdienst-Kreises, will weiterhin Remedica in Anspruch nehmen, um Unfall- und Missbrauchgefahren durch Alt-Arzneien zu minimieren. Sie hofft, dass die Industrie sich künftig an den Kosten beteiligt. Laut Nevermann weisen Gespräche mit den Verbänden der pharmazeutischen Hersteller und der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände in diese Richtung, sodass „man guter Hoffnung ist, bis Ende des Jahres eine Lösung etablieren zu können“. Bis dahin wird in den Apotheken gegebenenfalls auf eigene Kosten entsorgt, denn schließlich, so Beißner, qualifiziere sich die Apotheke vor Ort durch Fachkompetenz und Kundenservice.



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