weather-image
-2°
Kai Kupschusüberzeugt mit durchdachten Interpretationen

Vertraute Werke klingen "wie im neuen Gewand"

Bückeburg. Bei der ersten "Orgelmusik zur Einkehr" im neuen Jahr hat die aufmerksame Zuhörergemeinde in der Stadtkirche gern zur Kenntnis genommen, dass der Steinhuder Organist Kai Kupschus nicht nur das Programm ansprechend gewählt hatte, sondern auch die Ausstrahlung von seinem durchdachten Spiel Akzente setzte.

veröffentlicht am 10.01.2008 um 00:00 Uhr

Kai Kupschus setzt mit seinem Orgelspiel Akzente. Foto: mig

Autor:

Dietlind Beinßen

Ohne Frage ist Kai Kupschus, der sich zurzeit in Bremen auf seine Kirchenmusik- A-Prüfung vorbereitet, eine Künstlerpersönlichkeit, wie man sie nicht alle Tage erlebt. Es scheint fast überflüssig, von seiner technischen Souveränität, der Anschlagskultur und der überlegten Artikulation zu sprechen. All diese Dinge gingen ihm wie selbstverständlich von der Hand. Sie bildeten die Grundlage für sein Konzertieren, dienten als Mittel zum Zweck, um Kompositionen von Muffat, Buxtehude und Bach lebendig werden zu lassen. Obwohl die Werke regelmäßigen Besuchern bekannt sein dürften, ertönten sie in einem neuen Gewand. Die Registrierungen waren farbig und abwechslungsreich und für viele ungewohnt leise, denn massive Plenumklänge bildeten nicht - wie leider so häufig - den "Dauerzustand". Diese wurden nämlich gezielt und sparsam, dafür aber um so wirkungsvoller eingesetzt. Mit der farbenreich und wie aus einem Guss nachgezeichneten "Toccata septima" aus dem "Apparatus musico-organisticus" von Georg Muffat eröffnete der Solist den Darbietungsreigen. Seine Art der behutsamen, durchdachten Interpretation dokumentierte die Nähe zu diesen Stücken, die man als typisch "süddeutsch" bezeichnet. Das Pedal wird hierbei sparsam verwendet, es kann sogar ganz wegbleiben. Dagegen heben sich die "norddeutschen" - in Dietrich Buxtehude gipfelnden - Schöpfungen ab. Aber auch dem Haupt der norddeutschen Orgelliteratur wurde der Virtuose in der Choralbearbeitungüber "Herr Christ, der einig Gottes Sohn" (BuxWV 191) mit Gestaltungssinn auf transparente Art gerecht. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihren Inhalten erfuhr zum Schluss Johann Sebastian Bachs "Toccata, Adagio und Fuge C-Dur" (BWV 564), deren wohlproportionierte Tempoabstufungen und deren spezifischer Ton besonders zum Aufhorchen animierten. Nach einer Minute des "Innegehens" spendete das Publikum den gebührenden Applaus.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare