weather-image
29°
In Hessisch Oldendorf wird es für die Haupt- und Realschule eine gemeinsame Leitung geben – im Jahr 2011

Verschläft die Politik die Debatte um die Hauptschule?

Noch ist die Hauptschule in Hessisch Oldendorf die größte im Landkreis. Aber die demografische Entwicklung und die Schulstrukturdebatte zwingen auch hier zum Umdenken.

veröffentlicht am 01.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2009 um 10:41 Uhr

270_008_4192162_lkho_106_2.jpg

Fotos: doro

Hessisch Oldendorf (doro). Links die Hauptschule am Hohenstein, rechts die Wilhelm-Busch-Realschule, in der Mitte die neue Mensa: Wann werden die beiden Schulen eine gemeinsame Leitung haben? Oder geht man noch einen Schritt weiter und wählt gleich das Modell der Kooperativen oder gar Integrativen Gesamtschule (IGS)? Die Frage drängt sich auf in Zeiten von Restschuldebatte und Demografie-Diskussion. Um die Existenz der Schulformen zu sichern, wurden in den vergangenen Jahren rund 200 Haupt- und Realschulen in Niedersachsen zusammengefasst – mit einer einheitlichen Leitung. Auch in Emmerthal, Aerzen und Lügde gibt es einheitliche Leitungen, in Bad Münder und Salzhemmendorf KGSen, in Bodenwerder diskutiert man.

Ausgedient hat das strenge dreigliedrige Schulsystem für die schwarz-gelbe Regierung in Niedersachsen deshalb noch nicht, vor allem nicht ideell; es sind finanzielle und demografische Gründe, die Bewegung in die Schulstrukturdebatte gebracht haben. Bei den bereits vereinbarten Reformen in den nördlichen Bundesländern zeichnet sich ein Trend zu mehr Integration und zu zweigliedrigen Systemen bei Erhalt des Gymnasiums ab. In den südlichen Ländern wird eine engere Zusammenarbeit von Haupt- und Realschule diskutiert. In den neuen Ländern bestehen bereits zweigliedrige Schulsysteme.

In Hessisch Oldendorf gibt es zwar offiziell noch keine Diskussion um eine Zusammenlegung der Haupt- und Realschule, aber es gilt als ausgemachte Sache, dass die Leitung in einer Hand liegen wird, wenn Günter Höfelmann, Rektor der Hauptschule, im Juli 2011 in Altersteilzeit geht und die Leitung abgibt. Was dann geschieht, liegt nach Aussage von Höfelmann auch in der Hand der Schulen: „Es wird wohl einen neuen Erlass geben, der vorsieht, dass Haupt- und Realschulen bis zur achten Klasse gemischten Unterricht – wie es in Thüringen bereits Praxis ist – abhalten können.“

Ottmar Framke
  • Ottmar Framke
Günter Höfelmann
  • Günter Höfelmann

Derzeit plane das Kultusministerium in zusammengefassten Haupt- und Realschulen mit Ausnahme der Kernfächer Deutsch, Mathematik und Englisch in den Klassen 5 bis 8 gemeinsamen Unterricht zuzulassen. Außerdem soll es für beide Schulformen berufsorientierende Wahlpflichtbereiche geben.

Günter Höfelmann sieht darin eine Chance, favorisiert sogar eine IGS. So wie in Schaumburg, wo es bereits vier IGSen gibt, die aus seiner Sicht gut funktionieren: Die Schüler werden begabungsgerecht beschult und die leistungsschwachen Schüler haben Vorbilder.

„Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass es auf die Anregungen ankommt: Schickt man Schüler nach der vierten Klasse bei gleicher Leistungsstärke auf die Hauptschule oder aufs Gymnasium, zeigt sich, dass der Gymnasiast am Ende der Klasse 9 ein ganzes Jahr weiter ist“, so Höfelmann. Es sei an der Zeit, die rechtlichen Grundlagen für eine gemeinsame Schule zu schaffen, damit man pädagogisch zusammenarbeiten könne. Dann wären auch raschere, reibungslosere Übergänge von einer Schule in die andere möglich. Die Regel, nach der vierten Klasse die Entscheidung für die folgende Schulform zu treffen, findet Höfelmann zu früh, er bedauert die Abschaffung der Orientierungsstufe.

Die Angst vieler Eltern von Realschülern vor einem negativen Gefälle des Bildungsniveaus bei einer Zusammenlegung der Schulen ist aus Höfelmanns Sicht unbegründet: Fast die Hälfte der Schüler, die derzeit die Realschule besuchten, begännen dort eh mit einer Hauptschulempfehlung. Auffällig sei außerdem, dass viele Migranten, deren Kinder eine Hauptschulempfehlung haben, ihre Kinder an Realschule und Gymnasium anmeldeten, während dieser Anteil an der Hauptschule sinke.

Auf sich ändernde Bedingungen einstellen wird sich auch Ottmar Framke, Rektor der Wilhelm-Busch-Realschule – wenn es erforderlich ist. Es bleibe abzuwarten, welche Direktiven das Land Niedersachsen letztlich ausgibt, danach werde sich die Realschule richten. „In gewichtigen Dingen, wie zum Beispiel beim Mensa-Bau, haben die Schulen schon immer zusammengearbeitet“, sagt er. Daran, dass das Problem der Hauptschule mit Änderung der Schulform gelöst wird, zweifelt er: „Ein Hauptschüler bleibt ein Hauptschüler, auch wenn ich der Schule einen anderen Namen gebe.“ Der Imageschaden der Hauptschule ist für ihn ein Pauschalurteil, dass längst nicht auf alle Hauptschulen zutreffe. Die Hauptschule in Hessisch Oldendorf sei immer noch die größte im Landkreis, eine gute Durchlässigkeit dort bereits gegeben und im Bereich der AGs arbeite man sowieso zusammen. Zu bedenken gibt er auch, dass die schwächeren Schüler in den großen Klassen der Realschule (geteilt wird eine Klasse bei 32 Schülern) weniger aufgefangen werden können. „In kleineren Hauptschulklassen mit 20 Schülern kann der einzelne besser in den Blickpunkt gerückt werden“, gibt Framke zu bedenken.

Auch für den Landkreis stehen das mündersche oder gar das schaumburger Model nicht zur Debatte, und für Bürgermeister Harald Krüger ist die Diskussion um die Schulstruktur Sache des Landkreises.

„Die Überlegungen für eine Gesamtschule müssen schon aus der Kommune kommen“, sagt dagegen Günter Höfelmann, „das ist in den Köpfen der Kommunalpolitiker noch nicht angekommen.“

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare