weather-image
IGS-Schulleitung alarmiert Polizei

Vermeintliche Amoklaufdrohung im Internet

Stadthagen (gus). Ein 17-jähriger Schüler der IGS Schaumburg ist verdächtigt worden, einen Amoklauf an der Schule zu planen. Wegen eines im Internet veröffentlichten Lied-Textes alarmierte Schulleiterin Carola Pliska die Polizei. Zwar stellte sich heraus, dass offenbar zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden hatte, als unbedenklich stufen die Beamten den Vorfall jedoch nicht ein.

veröffentlicht am 10.06.2008 um 00:00 Uhr

Besorgte Mitschüler des vermeintlichen potenziellen Amokläufers informierten die Schulleitung über einen Song, den der 17-Jährige komponiert und auf dem Portal www.myspace.com veröffentlicht hatte. Darin, so Pliska, wird ein Amoklauf minutiös beschrieben. Die Schule wird in dem Text in einer Zeile erwähnt."In voller Kampfmontur betrete ich meine Klasse, um den Auftritt zu proben, ich schieße zweimal in die Decke", heißt es dort. Am Ende beschreibt der Schüler seinen Selbstmord. Bei Pliska schrillten nach eigenen Angaben sofort die Alarmglocken, als sie von dem Inhalt erfuhr. Sie habe ohne zu zögern die Polizei in Kenntnis gesetzt und damit völlig richtig gehandelt, meint Axel Bergmann, Pressesprecher des Kommissariats Stadthagen. Zwei Beamte in Zivil wurden in die IGS geschickt. Dort hatten Schulleiterin und Sozialpädagoge den 17-Jährigen bereits aus dem Unterricht geholt. In einem andert halbstündigen Gespräch versuchten diese, sich ein Bild von der Gemütslage des Schülers zu machen. Anschließend begleiteten die Zivilpolizisten den Verdächtigen nach Hause, um dessen Zimmer zu durchsuchen. Waffen oder sonstige Hinweise auf Gewaltpotenzial wurden nicht gefunden. Schule und Ordnungshüter schätzen die Situation rückblickend als ungefährlich ein. Also, alles ganz harmlos? Keineswegs. Bergmann und Pliska warnen davor, Drohungen oder gewaltverherrlichende Texte im Internet zu veröffentlichen. Wer so etwas tue, müsse damit rechnen, dass irgendwann die Polizei vor der Tür steht. "Wir können es uns nicht leisten, einen Hinweis auf einen Amoklauf zu ignorieren", sagt Bergmann. Spätestens seit dem Amoklauf von Erfurt gebe es keinen Raum für "schlechte Scherze" dieser Art mehr. Vor dem Hintergrund ist eine Kooperation zwischen Schaumburger Schulen und Polizei initiiert worden. "Wir erwarten, dass sich jede Schulleitung beim kleinsten Verdacht bei uns meldet", so der Polizeisprecher. Der 17-Jährige sieht inzwischen ein, dass er einen Fehler gemacht hat. In einer Stellungnahme entschuldigte er sich dafür, sein Umfeld erschreckt zu haben. Er habe nie im Sinn gehabt, den betreffenden Textinhalt in die Tat umzusetzen. Das Geschriebene sei an den Film "Falling Down" angelehnt, den er kurzzuvor gesehen habe. In diesem spielt Michael Douglas einen Mann, der aus Frust zum Amokläufer wird. "Ein Stück weit" könne er die Reaktion der Schulleitung verstehen, allerdings hätte er sich ein einfühlsameres Vorgehen gewünscht. Die Schulleiterin unterrichte seine Klasse und kenne ihn deshalb persönlich. Er könne sich nicht vorstellen, dass er den Eindruck erwecke, ein Blutbad anrichten zu wollen. Wegen des Polizeieinsatzes habe er große familiäre Schwierigkeiten. Auch das Verhältnis zu einigen Lehrern sei nun gestört. Daran trägt der 17-Jährige die alleinige Schuld, heißt es seitens Polizei und Schule. Ein Grund mehr, so Bergmann, keinen Unfug im Internet zu treiben.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt