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Zu: „Ruh-Wald wegen Treibjagd abgesperrt“, vom 23. November

Vermeidbares Ärgernis

Kontroversen zwischen Waldbesuchern und Jägern kommen immer wieder vor. Manche landen am Ende gar vor Gericht. Wie auch immer, hinterlassen sie viel Frustation.

veröffentlicht am 17.12.2019 um 17:34 Uhr

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So anscheinend auch in diesem Fall. Wenn einer trauernden Hinterbliebenen der Zugang zu einer Begräbnisstätte versperrt wird, ist die Empörung darüber verständlicherweise sehr groß. Insoweit muss sich der Jagdleiter auch die Frage gefallen lassen, ob und wie das Ärgernis unter Umständen zu vermeiden gewesen wäre.

Es ist rechtlich unstreitig, dass befriedete Bezirke nicht bejagt werden dürfen. Gleichwohl wurde der Ruh-Wald abgesperrt und damit einseitig der Friedhofsbesucherin eine Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit auferlegt. Wäre es stattdessen nicht angebracht gewesen, wenn die Jagdteilnehmer gewisse Opfer hätten erbringen müssen? So hätte die Absperrung sicherlich auch ohne weiteres mit dem erforderlichen Sicherheitsabstand nach dem Friedhof vorgenommen werden können. Falls nötig, hätten sicherlich auch Jagdhelfer die in der Nähe des Friedhofs befindlichen Wildtiere in das eigentliche Jagdgebiet treiben können.

Derartige Optionen erschienen dem Veranstalter aber offensichtlich nicht erwägenswert zu sein. Warum auch Abstriche machen und nach bürgerverträglichen Auswegen suchen, wenn ein großer Verband mit einer starken Lobby hinter den Jägern steht. Wen wundert es da noch, dass die Jagd in ihrer heutigen Form von weiten Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen wird. Die Argumente der Widersacher kommen von allen Seiten und sind vielfältig. Trotz der Jagd werden die Wildtierbestände nicht nachhaltig reduziert; der Beitrag der Jagd zum Naturschutz wird von den Naturschutzverbänden infrage gestellt; Tierärzte und Tierschutzverbände beklagen eine skrupellose Tierquälerei im Rahmen der Jagd; Millionen von Tieren müssen sterben, um anschließend in der Tierkörperbeseitigung entsorgt zu werden.

Und was ist mit der so hochstilisierten Lust und Leidenschaft an der Jagd? Auch das ist inzwischen ein eher zweifelhaftes Vergnügen. Ausgerüstet mit modernster Technik wie Nachtsichtgerät, Kamera, Zielfernrohr, Schalldämpfer und Bewegungsmelder kann von Chancengleichheit wie noch bei dem ursprünglichen Waidwerk kaum noch die Rede sein. Wissenschaftler bezeichnen daher die Jagd nach der industriellen Landwirtschaft als Artenfeind Nr. 2.

Zwar steht derzeit mehr der Klimawandel im Fokus der Öffentlichkeit, für die Menschheit aber ebenso bedrohlich und eng damit verbunden ist eine fortschreitende Zerstörung unserer Natur. Um eine Apokalypse zu verhindern, plädieren daher viele Wissenschaftler für ein radikales Umdenken in allen Bereichen des Lebens. Schließlich geht es nicht nur um unsere Lebensgrundlage, sondern auch um die künftiger Generationen.



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