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Bertelsmann-Statistik zeigt auf, wohin die Reise geht /Überalterung nicht zu übersehen

Verlust von Arbeitsplätzen hemmt den Aufstieg

Obernkirchen (sig). Besonders günstig sind die Prognosen für die Bevölkerungsentwicklung in der Bergstadt für die kommenden Jahre nicht. Laut einer vorliegenden Studie der Bertelsmann-Stiftung wird Obernkirchen bis zum Jahr 2020 an die acht Prozent seiner Einwohnerschaft verlieren. Das ist dreimal so viel wie im Durchschnittdes Landkreises Schaumburg und zeigt Handlungsbedarf auf. Aber ein sofort wirkendes Patentrezept gibt es dafür leider nicht.

veröffentlicht am 12.03.2007 um 00:00 Uhr

Noch sieht es hier aus wie nach einem Bombenangriff. Aber das Ge

"Ich kenne diese Problematik und kann dem künftigen hauptamtlichen Bürgermeister Oliver Schäfer nur dringend raten, sich dieses Themas anzunehmen", erklärte uns Stadtdirektor Wilhelm Mevert. Und weiter: "Natürlich haben auch viele andere Städte und Gemeinden dieses Problem der sinkenden Bevölkerungszahlen. Es hängt zum einen mit demhohen Anteil an Senioren und zum anderen mit der niedrigen Geburtenrate zusammen." Der Verwaltungschef nannte noch einen weiteren Grund. Das ist der erhebliche Verlust an Arbeitsplätzen bei der Glasfabrik Heye, der selbst durch die gute Entwicklung der Maschinenfabrik Bornemann nicht ausgeglichen werden konnte. Außerdem fehlt der sonst durchaus vorzeigbaren Infrastruktur eine wichtige Komponente - das ist ein gymnasialer Zug am heimischen Schulzentrum. Auch das mache die Situation nicht einfacher, betonte Wilhelm Mevert. Bis 2003 sind in Obernkirchen immerhin knapp 24 Prozent der vorhandenen Arbeitsplätze verloren gegangen. Als Pluspunkte führte der scheidende Verwaltungschef die gute Entwicklung der Betriebskrankenasse BKK 24 an und das auf dem Gelände der früheren Harden Barracks entstehende große Neubaugebiet. "Wir gehören eben nicht zum Speckgürtel der Landeshauptstadt; dort sieht es in der Bevölkerungsentwicklung sicherlich positiver aus", lautete seine Schlussfolgerung. Die Statistiker haben einige weitere nicht erfreuliche Entwicklungen für Obernkirchen ermittelt. Danach liegt die durchschnittliche Kaufkraft deutlich unter dem für das Schaumburger Land errechneten Durchschnitt. Die Zahl der Haushaltungen mit geringem Einkommen dagegen liegt über dem Kreisdurchschnitt. Bei den Steuereinnahmen wiederum sieht die Bergstadt besser aus als die Landkreisquote. Zusammen mit 578 Kommunen in der Bundesrepublik ist Obernkirchen als eine "Gemeinde im ländlichen Raum mit geringer Dynamik" eingeordnet worden, ebenso wie Eilsen und Lindhorst. Als entscheidendes Merkmal dafür werden eine schrumpfende und alternde Bevölkerung sowie ein verhältnismäßig niedriger Anteil an Kindern und Jugendlichen genannt. In Sachen Bevölkerungsentwicklung hat Obernkirchen bei einem Vergleich des Zeitraumes zwischen 1996 und 2003 (minus 3,7) deutlich schlechtere Werte als zum Beispiel Auetal (plus 0,4), Lindhorst (plus 0,9), Eilsen (plus 3,1) und Nienstädt (sogar plus 7,7). Der Ausländeranteil liegt in der Bertelsmann-Statistik mit 8,3 Prozent höher als bei den Nachbarorten. Beim Durchschnittsalter (43,3 Jahre) wird die Bergstadt nur von Eilsen (46,6) übertrumpft. Eine positive Bewertung erhielt der Rat vom Stadtdirektor für seine Entscheidung, noch in diesem Jahr Krippenplätze bei der "Rasselbande" einzurichten. "Das ist der richtige Einstieg, und auf diesem Weg müssen wir weitergehen", lautet sein Urteil. Eine familienfreundliche Stadt nutze auf einem wichtigen Feld ihre Chancen. Darüber hinaus müsse man alles unternehmen, um die Lebensqualität und Attraktivität des Gemeinwesens zu erhöhen.



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