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Das Gesetz ist nicht artgerecht

Verlierer der Leinenpflicht sind nur die Hunde

Jedes Jahr zum 1. April dürfen die Jagd- und Forstgenossen den Hundehaltern die gelbe Karte zeigen: „Der Hund muss an die Leine.“ Das ist leider kein Aprilscherz, sondern Gesetz in Niedersachsen.

veröffentlicht am 17.04.2020 um 20:10 Uhr

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Zu: „Der Hund muss an die Leine“, vom 31. März


Dieses Gesetz wird mit Argumenten verteidigt, die nach meiner Meinung eher hanebüchen sind. So wird behauptet, dass frei laufende Hunde Wildtiere über Gebühr beunruhigen. Mit Verlaub, es handelt sich um Wildtiere, die ständig vor eventuellen Feinden auf der Hut sein müssen, nicht nur in der Brut- und Setzzeit! Dafür haben sie Strategien entwickelt, sonst wären sie schon längst ausgestorben. Einen besonderen Schutz über die normale Rücksichtnahme hinaus brauchen sie jedenfalls nicht.

Abwegig ist auch die Aussage, Hunde zerstören flächendeckend Brutgelege. Abseits der Wohngebiete treffen wir nur sehr wenige bis keine Hunde an, was diese Behauptung ad absurdum führt. Eine Rotte Wildschweine oder ein Rudel Rehe kommen da schon eher in Betracht. Wie auch der Jagdgenosse, der mit dem Geländewagen bis zu seinem Ansitz fährt. Im übrigen ist es doch so, dass grundsätzlich kein Mangel an Rehen und Wildschweinen herrscht, wie der von Forstwirten beklagte überbordende Wildverbiss in den Wäldern und reichliche Wildschäden an Ackerflächen zeigen. Verlierer der Leinenpflicht sind ausschließlich die Hunde. Sie müssen nahezu vier Monate an der Leine laufen. Das ist nicht artgerecht und für die Hundepsyche ungesund. Statt jährlich Jägerlatein zu verbreiten, sollten die Jagd- und Forstgenossen einmal konkret die nachweislich durch Hunde angerichteten Schäden belegen.

Auch ein Blick über die Landesgrenze hinweg zu den Bundesländern, die keine Leinenpflicht kennen, könnte ihnen ihre Angst vor dem bösen Hund nehmen. Mir ist nicht bekannt, dass dort Hunde signifikanten Schaden unter den Wildtieren anrichten und deswegen eine Leinenpflicht nach Niedersachsenart eingeführt werden soll. Selbst wenn es vereinzelt Übergriffe durch Hunde gibt, rechtfertigt das keine generelle Leinenpflicht. Das ist schlicht unverhältnismäßig.



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