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Familie Yasaroglu lebt heute an zwei Standorten

Verliebt und gleich geheiratet

Hessisch Oldendorf. Die Hälfte des Jahres verbringen Fatime und Mehmet Yasaroglu mit ihrem ältesten Sohn Hüseyin als Rentner in der Türkei in ihrem Haus in Bursa bei Istanbul, den Rest des Jahres sind sie bei ihren Söhnen und Schwiegertöchtern, bei deren fünf Enkeln und zwei Urenkeln in Hessisch Oldendorf. Am Montag feierten sie im Kreis der Familie ihre diamantene Hochzeit.

veröffentlicht am 13.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 14.11.2016 um 17:16 Uhr

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In einer kleinen Schule in der Nähe von Skopje, der heutigen Hauptstadt der Republik Mazedonien, haben sie sich als Jugendliche kennengelernt. Der 1936 geborene Mehmet verliebte sich als 18-Jähriger in die damals 16-jährige Fatime und heiratete sie im selben Jahr 1954 in ihrem türkisch-muslimischen Dorf nahe Skopje im damaligen Jugoslawien. Schon ein Jahr später wurden sie von dort vertrieben und flüchteten zu Verwandten in die Türkei. Mehmet baute einen kleinen Bungalow für sich und seine Frau in Bursa bei Istanbul und arbeitete als Maschinenführer in einem Teppichwerk in Bursa.

Vier Jahre später, 1959, wurde Hüseyin geboren, weitere vier Jahre später Hasan (1963) und 1968 Ali. Im Jahr 1973 entschied Mehmet, für zwei Jahre nach Deutschland zu gehen, wo türkische und italienische Arbeitskräfte gesucht waren. Er teilte sich als Gastarbeiter in einem Wohnheim für Männer in der Feldstraße 3 in Hessich Oldendorf ein Zimmer mit drei Männern und arbeitet als Maschinenführer bei Curlan, später bei Bessmer und dann bei Domo. Dabei sparte er Geld für seine Frau, die drei Söhne und die Eltern, um die sich seine Frau Fatime kümmerte. Er fuhr anfangs nur einmal im Jahr, später zweimal oder auch mehrmals zu seiner Familie nahe Istanbul. Das Heimweh wuchs, doch Mehmet arbeitete weiter in Hessisch Oldendorf und finanzierte die Familie in der Türkei.

Nachdem Mehmet bereits sieben Jahre in Hessisch Oldendorf gearbeitet hatte und die Eltern in der Türkei gestorben waren, entschieden Fatime und Mehmet, dass nun der richtige Zeitpunkt für die Familienzusammenführung gekommen sei, was allerdings nur mit den beiden minderjährigen Söhnen möglich war. Hätten sie mit dieser Entscheidung noch gewartet, wäre auch der Zweitälteste im Alter von 18 Jahren zum türkischen Militärdienst verpflichtet worden. Der älteste Sohn war bereits in der Türkei verheiratet und arbeitete dort. In Hessisch Oldendorf bezog die Familie ein Haus in der Langen Straße, wo das Ehepaar bis heute lebt. Nebenbei wurde mit dem ältesten Sohn ein Haus in Bursa gebaut und Mehmet half den beiden jüngeren, verheirateten Söhnen beim Bau ihrer Häuser in Hessisch Oldendorf. Ali erinnert sich noch, wie er 1980 in eine Extraklasse für ausländische Kinder kam, und dort ein Jahr lang Deutsch lernte. Er hat das nicht als Diskriminierung empfunden, sondern als besondere Sprachförderung. Dann wechselte er für ein Jahr in die OS und war der erste türkische Junge in Hessisch Oldendorf mit Realschulempfehlung.

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