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Brahms und Elgar in rechtes Licht gerückt

Verheißungsvoller Auftakt mit Festouvertüre

Bückeburg. Vor einem Konzert mit zwei der meistgespielten Werke von Johannes Brahms ist die Freude groß und die Spannung gering: Der Hörer weiß, was ihn erwartet. Und wenn Dirigent Herrmann Breuer die Thüringer Philharmonie Gotha-Suhl bei der Veranstaltung des Kulturvereins im Rathaussaal die ersten Takte der "Akademischen Festouvertüre" anstimmen lässt, kann man sich ob der ausgewiesenen Qualität der Instrumentalisten zusätzlich in Sicherheit wiegen.

veröffentlicht am 12.02.2008 um 00:00 Uhr

Dirigent Herrmann Breuer und die Thüringer Philharmonie Gotha-Su

Autor:

Dietlind Beinßen

Gleich zum Start des Abends mit den "Thüringern" und deren - in der ehemaligen Residenzstadt seit vielen Jahren geschätzten - Stabführer erhielt die "Akademischen Festouvertüre" ein stimmiges Gesicht, denn Herrmann Breuer lenkte das große Ensemble klangvoll durch die Partitur. Da wackelte nichts, aber da zitterte auch nichts im Zuhörer, denn die Leidenschaften wurden klug verwaltet, doch nicht unbedingt geschürt. Wie zufrieden dieser Beitrag indes das Publikum machte, zeigte der Beifall. Auch Brahms vierte Sinfonie hielt Glücksmomente für die Anwesenden bereit. Die Komposition erfuhr durch den Dirigenten und die aufmerksam auf ihn eingehenden Instrumentalisten eine dichte Darstellung. Gespannt und energisch ließ Breuer die Streicher beginnen, spielte mit den auf- und abtauchenden Themen, die dadurch in andere Zusammenhänge gewoben wurden. Doch zielstrebig führte es - in sehnsüchtigen Rubti - zum letzten Aufbäumen im Satzfinale. Im Andante kam das breite Streicherthema schön weich und duftig zur Geltung. Flott und federnd setzte das Allegro giocoso dagegen, und nach spannungssteigernden Pianopassagen obsiegte im Pasacaglia-artigen Schlussallegro die leidenschaftliche Geste. Ein Brahms mit Gefühl undWellenschlag, wie er zum Ausklang der Orchestersaison schöner nicht gelingen hätte können. Langer Applaus. Wenn Beethoven ein Verkündigungswille untergeschoben wird, so macht Edward Elgar die Verweigerung eines solchen zum Prinzip. Nicht nur, dass in seinen "Enigma-Variationen" das eigentliche Thema unklar bleibt, es stellt zudem allen 14 Abschnitten Monogramme voran, deren Bedeutung er größtenteils mit ins Grab nahm. Und doch verstand es Hermann Breuer, dem Rätselwerk einleuchtende Konturen zu verleihen und die Instrumentationseffekte sensibel auszukosten. Auf diese Weise entwickelte sich die Variationsreihe zu einem farbigen und bis zum Ende spannenden Maskenspiel, was starken Beifall nach sich zog, der aber leider nicht mit einer Zugabe belohnt wurde.



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