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Stift: Kammermusik von Joseph Joachim

Vergessener Geiger: Frei, aber einsam

Obernkirchen (rd). Am Sonntag, 6. Juli spielt um 18 Uhr im Stift der polnische Violinist Grzegorz Kotów zusammen mit seinem Klavierpartner Nico Benadie überwiegend romantische Kammermusik, die des künstlerischen Wirkens eines bedeutsamen, aber teilweise vergessenen Geigers des 19. Jahrhunderts gedenkt.

veröffentlicht am 30.06.2008 um 00:00 Uhr

Grzegorz Kotów.

Joseph Joachim (1831 - 1907) entstammte einer deutschsprachigen jüdisch-ungarischen Familie. Als Kind bekam er früh Violinstunden und seine offensichtliche Begabung veranlasste seine Familie, ihn im Alter von sieben Jahren für weiteren Unterricht nach Wien zu schicken, wo er mit zwölf Jahren seine Ausbildung abschloss. Seinen Ruf etablierte er als Dreizehnjähriger, als er sich unter Mendelssohns Dirigat mit Beethovens Violinkonzert große Beifallsstürme in London erspielte. Bereits als Jugendlicher lernte Joachim viele bedeutende Musiker wie Mendelssohn-Bartholdy, Liszt, Wagner und Robert und Clara Schumann kennen. Später schloss er eine lebenslange innige und auch künstlerisch bedeutsame Freundschaft mit Johannes Brahms. Komponisten wie Schumann, Brahms, Bruch und Dvorák widmeten Joseph Joachim wichtige Violinkompositionen. Vor allem durch die Gründung einer Musikhochschule in Berlin, der jetzigen Universität der Künste, prägte Joachim das deutsche Kultur- und Musikleben nachhaltig. Zu seinen Lebzeiten wurde er als Inbegriff eines deutschen Künstlers in Deutschland und im Ausland gefeiert. Umso tragischer war der Versuch der Nationalsozialisten, alle Spuren seines Wirkens zu tilgen. Der Programmkern des Konzerts von Kotów und Benadie ist die sogenannte F.A.E. Sonate, die oft in der Musikliteratur erwähnt, aber selten gehört wird. Diese Sonate ist ein Gemeinschaftswerk der Komponisten Schumann, Brahms und Dietrich und war als Überraschungsgeschenk für ihren Freund Joachim gedacht. Als musikalisches Motiv werden darin die Töne F, A und E verwendet, die sich ableiten von der Abkürzung der Lebensmaxime des Junggesellen Joseph Joachim: Frei, aber einsam. Im Konzert erklingen weiterhin eine eigene Komposition von Joachim, seine lyrische Romanze in B-Dur op. 2 Nr. 1, sowie die 2. Violinsonate in A-Dur, op. 100, von Johannes Brahms, der in kompositorischen und geigerischen Angelegenheiten seinen Freund Joachimöfter zurate zog. Da Joseph Joachim durch seine Konzerte maßgeblich dafür verantwortlich war, dass die Violinsonaten Beethovens sich im Konzertleben etablieren konnten, wird auch Beethovens Violinsonate in c-Moll, op. 30 Nr. 2, gespielt. Diese episch angelegte Sonate ist eines der dramatischstenund bekanntesten Werke für Violine und Klavier des Wiener Klassikers. Der Violinist Grzegorz Kotów übt eine sehr vielseitige Konzerttätigkeit aus, die ihn mit solistischen und kammermusikalischen Auftritten durch alle Kontinente führt. Seit 1995 ist er Mitglied des Szymanowski-Quartetts, das bei allen großen Festivals Europas zu Gast ist. Auch der Pianist Nico Benadie ist als Solist in vielen Ländern Europas aufgetreten und ist ein gefragter Klavierpartner vieler Sänger und Instrumentalisten. Das Konzert im Festsaal des Stiftes fängt erst um 18 Uhr an, eine Stunde später als es bisher in dieser Konzertreihe der Fall war. Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse im Stift, sie kosten zehn Euro für Erwachsene und fünf Euro für Schüler.



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