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VHS-Projekt "Zahnersatz selbst gemacht"

User-Video zeigt Geschiebe- und Frästechniken

Bückeburg (bus). In einer bemerkenswerten Aktion haben sich Krankenkassen, Zahnärzte, Dentallabore und die Bückeburger Abteilung der Volkshochschule (VHS) Schaumburg zusammengefunden, um den Gesundheitsreformern die Zähne zu zeigen. "Zahnersatz selbst gemacht" heißt ein aktuell ins Programm aufgenommenes Angebot, das weit über die Grenzen der ehemaligen Residenzstadt hinaus für Furore sorgt.

veröffentlicht am 01.04.2006 um 00:00 Uhr

Udo Ziert, Leiter der Bückeburger VHS-Geschäftsstelle (Bild unte

"So wie es gegenwärtig aussieht, werden sich in naher Zukunft nur noch sehr wenige Menschen einen Zahnersatz leisten können", weiß Slobodan Extraktovic von "Inter-Dental". Die nahe dem städtischen Bauhof an der Hinüberstraße angesiedelten Wiederherstellungsexperten haben eine Methode entwickelt, die es auch handwerklich karg begabten Zeitgenossen ermöglicht, einen adrett sitzenden und zugleich formschönen Zahnersatz zu fabrizieren. Einen preiswerten dazu: Benötigt werden lediglich Kunststoff (Pulver oder Granulat plus Wasser zum Anrühren), alte Zähne (am besten unterschiedliche Formen und Farben), Wachs und Modellierinstrumente sowie ein Mittelwertsimulator (um die Situation im Mund nachzustellen), ein grobporöser Bimsstein (wegen des Glanzauftrags), ein halbes Säckchen Gips (zur Vorabdruckfixierung). "Der Lehrgang wendet sich in erster Linie an Teilnehmer, die zur Wiederherstellung der vollständigen Kaufunktion oder aus kosmetischen Gründen eine Eingliederung von Zahnkronen (Jackettkronen), Brücken oder Prothesen benötigen", unterstreicht Udo Ziert. Der Leiter der Bückeburger VHS-Geschäftsstelle sagt zum hyp(r)othetischen Ablauf des auf 22 Abende angelegten Versuchsballons: "Zuerst wird ein Abdruck genommen und danach ein Modell gefertigt." Anhand eines so genannten Spektralringes erfolge sodann die Wahl des nach Form und Farbe passenden Zahntyps. Im Anschluss an die Mittelwertsimulation würden alsbald die Zähne in Wachs aufgestellt, die Modellationsanmut des Zahnfleisches gerichtet und schließlich das künstliche Beißgestell - beschliffen, poliert und angepasst - dem kraftvollen Zubiss anheim gegeben. Dr. Dr. Ludwig Schmelzeisen vom Zahnärztlichen Weichgewebemanagement "Lücke" und Prof. Dr. Sebastian Spange von der Interessengemeinschaft "Brücke" der "Ortskrankenkassen" (O.K.) sprangen auf den VHS-Kurswagen auf. Sowohl "Knochen induktion unter der Berücksichtigung präimplantologischer Argumentationsverfahren", versicherte Schmelzeisen, als auch "ein Anwendervideo über Geschiebe- und Frästechniken sowie Verblend- und Vollkeramik", beteuerte Spange, würden sie spontan und kostenfrei dem lobenswerten Vorhaben zur Verfügung stellen. Ziert machte auf die Einmaligkeit der Aktion aufmerksam. Er gab jedoch zu bedenken, dass die Qualität durch eine von der O.K. vorgeschriebene Beiß-Probe getestet wird. Und: Nur, falls Sitz und Qualität den von der niedersächsischen Zahnkammer vorgeschriebenen Kriterien entsprächen, könne mit der Übernahme eines Teils der Kosten gerechnet werden. In diesem Zusammenhang muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass die Kostenfrage zurzeit noch nicht endgültig geregelt ist. Es gilt, den Ausgang eines derzeit vorm Karlsruher Bundesgesichtshof anhängigen Musterverfahrens abzuwarten. Dort positiv beschieden, ist mit einer Dreiachtel-Übernahme der Kosten zu rechnen.

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