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20 Jahre Schaumburger Landschaft: Geschichtsforschung, Denkmalschutz, Kultur- und Heimatpflege

„Unverwechselbar und einzigartig“

Unverwechselbar und einzigartig“ nennt Sigmund Graf Adelmann die hiesige Region. „Es gibt in Niedersachsen kaum eine historische Gebietseinheit mit einem ähnlich stark ausgeprägten Identitätsbewusstsein“. Die Bewohner dürften sich glücklich schätzen. „Sie können ein bedeutsames kulturelles Erbe weiterleben“. Die Schaumburger Landschaft sei dazu da, „dass dieser Reichtum erhalten bleibt“.

veröffentlicht am 16.02.2013 um 00:00 Uhr

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Dem aus einer alten schwäbischen Adelsfamilie stammenden Diplom-Agraringenieur kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Adelmann gilt als Ideengeber, Motor und Macher der Initiative. Vor gut 18 Jahren war den Gründervätern des im November 1992 aus der Taufe gehobenen Vereins klar geworden, dass die Umsetzung der hochgesteckten Ziele ohne professionelles Management nur Stückwerk bleiben würde. Der bis dato nebenamtlich wahrgenommene Geschäftsführer-Job wurde ausgeschrieben. Der Graf, der in Bad Münder wohnt, hat seinen Einstieg im Nachbarkreis nie bereut. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Ob Geschichtsforschung, Förderung von Natur-, Landschafts- und Denkmalschutz oder Unterstützung der in Sachen Kultur- und Heimatpflege tätigen Vereine – die Arbeit der Landschaft gilt sowohl mengen- als auch qualitätsmäßig als vorbildlich. Pro Jahr wurden und werden bis zu 30 Schriften, darunter eine ganze Reihe wegweisender Forschungsarbeiten, finanziell mitgetragen oder selbst herausgegeben. Als jüngste Veröffentlichung ist dieser Tage in dritter Neuauflage die gezielt für den heimischen Schulunterricht zusammengestellte „Landeskunde“ erschienen. Aktionen wie „Tag des offenen Denkmals“, Spurensuche“ oder auch das Sinfonieorchester der Landschaft sind zu überregional bekannten und kopierten Markenzeichen geworden. Und einige wissenschaftliche „Hochkaräter“ wie das Adrian de Vries- oder das Dinosaurier- Symposien haben darüber hinaus für internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung gesorgt.

Besonders großen Wert habe man von Anfang an auf Zuhören gelegt, war und ist sich Adelmann der Empfindsamkeit mancher Ehrenamtlicher vor Ort bewusst. „Wir haben klargemacht, dass wir keinem ins Handwerk pfuschen, sondern Unterstützung anbieten und im Interesse des Großen und Ganzen um Zusammenarbeit werben wollen“. Als Beispiel nennt er die lange Zeit als schwierig geltende, mittlerweile aber reibungslos funktionierende Kooperation zwischen den heimischen Museen. Kein Wunder, dass auch Landrat Jörg Farr zum 20. Geburtstag der Initiative nur Gutes zu sagen weiß: „Die Schaumburger Landschaft hat sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt“. Damit trage sie „ganz entscheidend zur Identitätsstiftung unseres Schaumburger Landes bei“.

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Zwölf Landschaften und Landschaftsverbände sind in Niedersachsen zwecks Erhaltung und Förderung regionaler Identitäten aktiv.

Auslöser für die damalige Entscheidung, zur Bewahrung und Förderung des „typisch Schaumburgischen“ eine vereinsmäßig organisierte „Landschaft“ ins Leben zu rufen, waren die guten Erfahrungen, die man andernorts mit dieser Form der Kulturarbeit gemacht hatte. Hintergrund: Bereits in den Jahrzehnten vor Gründung der hiesigen Landschaft waren zwischen Ostfriesland und Südharz elf ähnlich angelegter Initiativen aus der Taufe gehoben worden. Sie verstehen sich als Nachfolger der historischen „Landstände“. Das waren „vorparlamentarische“ Standesgremien, die die Entwicklung der auf niedersächsischem Gebiet existierenden Kleinstaaten lange Zeit mitgestaltet haben.

Der herausgehobene Stellenwert, der der regionalen Identität und Eigenart im heutigen Niedersachsen nach wie vor beigemessen wird, lässt sich auch und vor allem aus der Landesverfassung ablesen. „Die kulturellen und historischen Belange der ehemaligen Länder Hannover, Oldenburg, Braunschweig und Schaumburg-Lippe sind durch Gesetzgebung und Verwaltung zu wahren und zu fördern“ heißt es in Artikel 72. Darüber hinaus seien die „überkommenen heimatgebundenen Einrichtungen dieser Länder weiterhin dienstbar zu machen und zu erhalten“.

Bei der Umsetzung ihrer selbst gesteckten Ziele will die heimische Landschaft nicht exakt vor der heutigen Kreisgrenze haltmachen. Ihr Zuständigkeits- und Wirkungsbereich ist laut Satzung „die historische Grafschaft Schaumburg, wie sie bis 1640 bestand“. Das Beharren mancher ehemals schaumburg-lippischer und/oder hessischer Untertanen auf einer eigenständigen Identität nimmt Adelmann mit gelassenem Humor. „Ich wundere mich, wenn sich Schaumburger an Zeiten festklammern, in denen ihnen ein Teil ihrer großen Geschichte und damit ein Teil ihrer selbst abhandengekommen war“.

Nicht zuletzt dieses, auf Geduld und Überzeugungskraft angelegte und fernab von rückwärtsgewandter Heimattümelei betriebene Kulturmanagement war es wohl auch, das der Schaumburger Landschaft und ihrem Frontmann viel Anerkennung eingebracht hat. „Er ist ein Glücksfall für uns“, sagt der amtierende Vereinsvorsitzende Klaus-Henning Lemme über seinen ideenreichen Geschäftsführer. „Wir werden in ganz Niedersachsen und darüber hinaus um ihn beneidet.“

Adelmann selber wertet das bisher Erreichte vor allem als Ergebnis des Zusammenwirkens ungewöhnlich vieler und kompetenter, überall in den heimischen Dörfern und Städten mitgestaltender Männer und Frauen. Ganz wichtig sei auch die großherzige Unterstützung zahlreicher Spender mit der Schaumburger Sparkasse an der Spitze. Seine persönliche Motivation sei die ungebremste Begeisterung für die Aufgabe. Seine Zuneigung zum Schaumburger Land werde derzeit nur noch von einer anderen Idee übertroffen: „Ich bin ein geradezu „militanter“ Pro-Europäer“, gesteht er lachend.

Schwerpunkt der Schaumburger Landschaft ist die Information. Pro Jahr wurden und werden bis zu 30 Schriften, darunter eine ganze Reihe wegweisender Forschungsarbeiten. Als jüngste Veröffentlichung ist dieser Tage in dritter Neuauflage die für den Schulunterricht zusammengestellte „Landeskunde“ erschienen.



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