weather-image
Vor Gericht: Sorgen um die kleine Tochter / Immer wieder ohne Schein und mit Promille

Unverbesserlich: Vater drohen 44 Monate Haft

Obernkirchen/Bückeburg (ly). Fahren ohne Fahrerlaubnis? Mit Promille hinters Steuer setzen? Macht man nicht, gilt aber als Kavaliersdelikt. Ein krasser Irrtum, wie dieser Fall aus Obernkirchen zeigt: Einem scheinbar unverbesserlichen Wiederholungstäter (44) drohen jetzt mehr als dreieinhalb Jahre Haft. Leidtragende wäre wohl in erster Linie die kleine Tochter des Mannes. "Für das Mädchen tut es mir Leid", sagt Armin Böhm, Direktor des Bückeburger Amtsgerichts.

veröffentlicht am 17.11.2006 um 00:00 Uhr

Während der Fußball-WM war der Vater als Mofafahrer mit 1,18 Promille Alkohol im Blut und einem Kasten Bier auf dem Gepäckträger erwischt worden, als er bei einem Obernkirchener Getränkehändler Nachschub für seine durstigen Zechkumpane holen wollte. Auffälliger hätte der 44-Jährige sich kaum verhalten können, denn bei der Polizei ist er gut bekannt. Die 750 Meter Fußweg bis zur Tränke waren ihm offenbar zu weit. Zwei Monate später hatte der Obernkirchener auf einen Mofaroller umgesattelt, der Tempo 25 laufen durfte, jedoch frisiert war und satte 45 Stundenkilometer schaffte, wie Polizisten anlässlich einer Kontrolle bei einem kleinen Fahrversuch ermittelten. Der Pilot (diesmal nüchtern) hätte dafür eine Fahrerlaubnis benötigt. So etwas besitzt er aber schon lange nicht mehr. Das Bückeburger Amtsgericht hat dem 44-Jährigen jetzt noch einmal ordentlich eingeschenkt und ein Jahr Haft verhängt. Wenn es nur das wäre. Doch zum Zeitpunkt der beiden jüngsten Taten, juristisch Trunkenheit im Straßenverkehr und Fahren ohne Fahrerlaubnis, stand der Angeklagte (13 Vorstrafen) in drei Fällen unter Bewährung, die nun wohl jeweils widerrufen wird. Das wären unterm Strich weitere 32 Monate Gefängnis und zusammen mit dem einen Jahr 44 Monate. Zuletzt hatte das Landgericht mit Blick auf die kleine Tochter des Mannes Milde walten lassen und eine Haftstrafe im Berufungsverfahren, der zweiten Instanz, doch noch zur Bewährung ausgesetzt. Mit so viel Entgegenkommen durfte der Angeklagte diesmal nicht rechnen. "Seit Jahren stellen wir die Tochter in den Mittelpunkt und haben Nachsicht. Man sieht ja, was dabei herauskommt, wenn man besonders großzügig ist", sagte Richter Böhm und fügte hinzu: "Ich habe beim besten Willen nicht mehr die Hoffnung, dass der Angeklagte keine neuen Straftaten begeht." Dieser gefährde nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Zu den Anforderungen einer Bewährung gehöre straffreie Führung. "Jetzt mach' ich das nicht mehr", versprach der Angeklagte hoch und heilig. Verteidiger Michael Einars plädierte auf Bewährung und erinnerte daran, dass es sich um zwei fahrlässige Taten gehandelt habe. Überdies habe der 44-Jährige es einmal "fertig gebracht", drei Jahre straffrei zu leben. An das Gericht appellierte Einars: "Mein Mandant muss sich um seine Tochter kümmern. Das Kind soll nicht auch noch bestraft werden." Vergebens. Vorerst muss der Vater allerdings nicht ins Gefängnis. Gegen das Urteil des Amtsgerichts ist noch Berufung möglich.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare