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Projekt Masterplan: Heimatverein will im "Harrl-Stollen" nicht nur Historie des Bergbaus beleuchten

Untertagewelt bezeugt auch Kriegsgeschichte

Bad Eilsen/Ahnsen (tw). Um dem Kurort einen zusätzlichen Anziehungspunkt zu bescheren, plädiert der Heimat- und Kulturverein (HKV) Eilsen mit Blick auf den Masterplan dafür, die Bergwerksstollen im Harrl für Besucher zu öffnen - dort eine Dauerausstellung zu den Themen "Kohleabbau" und "Kriegsindustrie" zu präsentiere n und eine entsprechende Infobroschüre herauszugeben.

veröffentlicht am 10.09.2008 um 00:00 Uhr

"Da es in Schaumburg mit seinen 600 Jahren Bergbaugeschichte bislang keinen einzigen Bergbaupfad und auch keinen Besucherstollen gibt", sagt HKV-Chef Friedrich Winkelhake, "wäre dieses Eilser Projekt für den ganzen Landkreis von Bedeutung." Außerdem seien auch die unterirdischen Aktivitäten der Focke-Wulf-Werke während des Zweiten Weltkrieges mit ihrem Prinzip der "Vernichtung durch Arbeit" in der Region bis dato noch nicht dargestellt worden. Hintergrund: Vom "Stollenmundloch" an der Bad Eilser Kleinbahntrasse aus war einer der beiden Mitte der 20er-Jahre angelegten Harrl-Stollen zwischen 1940 und 1945 für die Focke-Wulf-Flugzeugwerke verklinkert worden; dabei wurden tief im Inneren des Berges für Focke-Wulf drei Säle angelegt, welche die Großkopierer des Werkes aufnehmen sollten. Darüber hinaus hatten dort noch kurz vor Kriegsende zahlreiche weitere Firmen mit der Produktion von Waffen für die Wehrmacht begonnen. Geht es nach dem Willen des HKV, würde der Ahnser Stollen auf einer Länge von wenigstens 20 oder 30 Metern in den Zustand zurückversetzt werden, in dem er sich zur Zeit des Ausbaus in den 20er-Jahren befunden hat; auch Bergwerksgeräte und Werkzeuge müssten dabei gezeigt werden. Winkelhake: "Ein Ausbau des Stollens als Besucherbergwerk könnte sowohl den Notbergbau in der schweren Zeit nach dem Ersten Weltkrieg als auch die Geschichte der Verlagerung kriegswichtiger Industrien unter Tage veranschaulichen." Entsprechende Infotafeln sollen dabei zum einen "600 Jahre Steinkohleabbau in Schaumburg", zum anderen die in Bad Eilsen tätigen Focke-Wulf-Abteilungen und ihre "Arbeitsergebnisse" zeigen - nämlich die verschiedenen Typen des FW 190-Jägers und den ersten, von Professor Kurt Tank entwickelten Düsenjet. Nicht zu kurz kommen dürfte dabei nach Meinung des HKV-Chefs, dass auch bei Kleinenbremen, Nammen, Hausberge und Barkhausen Häftlinge aus NS-Konzentrationslagern und Zuchthäusern bei der Produktion von Waffen litten und starben. Für das Umsetzen des Projekts "Besucher-Stollen" bietet sich nach Auffassung des Vereins eine Zusammenarbeit mit den hiesigen Bergbauvereinen an. Als Wanderweg zum Stollen könne der frühere Bahndamm der ehemaligen Bad Eilser Kleinbahn dienen. "Ob das einstige Gelände der Focke-Wulf-Baracke in der Nähe des Stollenmundlochs als Parkplatz geeignet ist", so Winkelhake, "müsste mit der Verkehrsbehörde geklärt werden". Außerdem müsse geprüft werden, ob auf dem Gelände für Zwecke der Ausstellung eine einfache Halle gebaut werden kann.

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