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Lobby für Kies-Abbau, dann die Schließung: Braas macht im Februar dicht / Brief des Bürgermeisters

Unter 17 Standorten ist Rinteln der Verlierer

Rinteln (wer). In einem Brief an Dr. Rauss, den Sprecher der Geschäftsleitung der Lafarge Dachsysteme GmbH, blickt Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz mit Sinn für Nostalgie in die Nachkriegszeit zurück: Als 1959 das Dachsteinwerk der Firma Braas errichtet wurde, sei es der erste Betrieb im heutigen Industriegebiet Süd gewesen. Seitdem hänge das Einkommen vieler Rintelner Familien von der Firma ab. So groß sei die Verbundenheit gewesen, dass sogar eine Straße nach Firmengründer Rudolf Heinrich Braas benannt wurde.

veröffentlicht am 20.10.2007 um 00:00 Uhr

Gestern ging die Antwort ein. In einer Presseerklärung kündigt Lafarge das Aus für den Rintelner Standort an. Ende Februar sollen im Werk die Lichter ausgehen. Weder als Lagerstandort noch als Verkaufsbüro wird Rinteln weiter auf den Lafarge-Karten verzeichnet sein. "Die Lafarge Dachsysteme ist in Deutschland mit 17 Standorten vertreten, durch die Schließung des Werkes Rinteln dann insgesamt mit 16 Standorten", bilanziert die Presseabteilung nüchtern. Auch der Brief des Bürgermeisters hat daran nichts ändern können. So schockierend die Werksschließung für die 36 betroffenen Mitarbeiter ist - so wenig überraschend mag sie für manchen Rats- und Kreistagspolitiker kommen, der im Sommer 2005 vor der Frage stand, ob für die Sicherung der Braas-Arbeitsplätze das nahe Kiesabbaugebiet der Firma Reese erweitert und dafür ein wertvolles Waldgebiet in den Kameshügeln bei Krankenhagen zerstört werden soll. Braas hatte das Verfahren vor sieben Jahren überhaupt erst ins Rollen gebracht, drohte mit Schließung, falls die nahe Kiesquelle versiege. 2004 indes holte die miese Baukonjunktur das Unternehmen ein, erneut wurden Arbeitsplätze abgebaut, damals mussten 30 von 90 Mitarbeitern gehen. Vor diesem Hintergrund und der hausgemachten Konkurrenz des nahen Lafarge-Werkes in Petershagen, das sich mit Ton- statt Zementpfannen besser am Markt behaupten konnte, kamen Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Standortes auf. Dennoch wurde der neue Kiesabbau - auch für Braas - genehmigt. Weiter genährt wurden die Zweifel, als der Geschäftsbereich Dachbaustoffe ("Lafarge Roofing") am 1. März 2007 an das Private-Equity-Unternehmen PAI partners veräußert wurde. Der Finanzinvestor verkaufte anschließend 35 Prozent an Lafarge zurück, behielt aber die Entscheidungshoheit. Auswirkungen auf deutsche Standorte seien nicht zu erwarten, hieß es damals im Vorfeld des Deals. Um den Stellenabbau "so sozial verträglich wie möglich" zu gestalten, will Lafarge jetzt in Verhandlungen mit dem Betriebsrat treten. Wie viele betriebsbedingte Kündigungen am Ende stehen, ließ das Unternehmen offen.



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