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Sieben Wochen ohne: Gestern hat die Fastenzeit begonnen - doch die große Euphorie bleibt aus

"Unsere Zeit ist verweichlicht und verweltlicht"

Rinteln (cok). Seit 25 Jahren erst gibt es das vorösterliche Fasten - ursprünglich rein katholisch - auch in der evangelischen Kirche, als eine von Hamburger Theologen initiierte Zeit der körperlichen und seelischen Reinigung und Besinnung, in der es gilt, sieben Wochen lang auf lieb gewordene Luxusgewohnheiten zu verzichten. Die Fastenzeit hatgestern am Aschermittwoch begonnen. Lassen sich Rintelner ausfindig machen, die sich darauf einlassen?

veröffentlicht am 07.02.2008 um 00:00 Uhr

Ein Apfel, ein Glas Wasser, vielleicht noch eine Gemüsesuppe - n

"In unserer Gemeinde spielt das Thema kaum eine Rolle", meint dazu Astrid Bunselmeyer, Pastorin in der evangelisch-lutherischen Nikolaikirche. Zwar haben sich durchaus einige Gemeindemitglieder den "Fastenkalender" mit begleitenden Texten und Gebeten besorgt, doch das diesjährige offizielle Fastenzeitmotto "Sieben Wochen ohne Geiz" scheint die Menschen nicht annähernd so angesprochen zu haben wie die Herausforderung des letzten Jahres, wo etwa 30 Personen anderthalb Monate lang versuchen wollten, mit dem Finanzbudget von Hartz IV-Empfängern auszukommen. "Sieben Wochen ohne Geiz", das sei ein sehr spezifisch evangelisches Fastenthema, erklärt die Pastorenfrau und evangelisch-reformierte Theologin Barbara Schenk. "Schon immer haben sich die Evangelischen gegen das Fasten gesperrt, ja es geradezu mit Absicht gebrochen, um sich gegen die katholische Kirche abzugrenzen und zu betonen, dass man nicht durch Bußübungen Gottes Gnade erwirken kann." Dass es diesmal darum gehen soll, besonders großzügig zu sein, mehr zu spenden, einzuladen und mitmenschlich zu helfen als vielleicht sonst das Jahr über, ist aber wohl für die meisten vom eigentlichen Fastengedanken doch zu weit entfernt. Karin Lange, die Pfarrsekretärin im Gemeindebüro der Nikolaikirche, hat sich auf eine komprimierte Fastenzeit eingelassen. Zusammen mit einer Gruppe Fastender will sie fünf Tage lang nur von Getränken und Gemüsesuppen leben. "Das reinigt den Körper und macht wach und aufmerksam für einen andersartigen Blick auf das Alltagsleben", sagt sie. In der Gruppe, die sich regelmäßig treffen wird, will man dann beten, meditieren, spazieren gehen und über diese besondere Erfahrung sprechen. Nun nehmen nicht wenige Menschen die Fastenzeit zum Anlass, den Konsum von Zigaretten, Alkohol, Süßigkeiten oder den Fernsehprogrammen einzuschränken. Doch selbst in der katholischen Kirchengemeinde St. Sturmius ist keineswegs die große Fasteneuphorie ausgebrochen. "Nein, auch wir haben keine Gruppen, die durch ein Sieben-Wochen-Fasten führen", sagt Küster Johannes Dallügge. "So ist eben unsere Zeit, verweichlicht und verweltlicht!" Wohl aber nehmen viele Gemeindemitglieder die zwei wichtigsten Fastentage wahr, den Aschermittwoch und den Karfreitag. Auch wird in der vorösterlichen Zeit jeden Donnerstag vor der Heiligen Messe gemeinsam der bebilderte Kreuzweg in der Kirche abgeschritten und vor jeder der 14 Stationen gebetet. Das "Gloria" und das "Halleluja" der Messe darf erst wieder in der Osterauferstehungsnacht gesungen werden. "Was mich betrifft, ich bin ja schonüber 70 Jahre alt, ich rauche nicht, esse keine Süßigkeiten, eigentlich faste ich sowieso immer", sagt Johannes Dallügge. "Nur ein Schnäpschen ab und zu, das ist wohl doch mal drin."



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