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Familie Becker und Ludger Beerbaum versteigern "Goldfever"-Diamanten zugunsten der Krebshilfe

"Unsere Tochter könnte heute noch leben"

Waltringhausen (tes). Ein künstlicher Diamant aus den Schweifhaaren von Ludger Beerbaums Weltklassepferd "Goldfever" soll Leben retten helfen: Der Edelstein wird zugunsten der Deutschen Krebshilfe versteigert. Mit dieser Aktion will Familie Becker aus Waltringhausen nach dem Krebstod ihrer Tochter Maike anderen Frauen ein ähnliches Schicksal ersparen. Denn der Erlös der Versteigerung soll die Aufklärungsarbeit verbessern, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten unterstützen und eine Behandlungsrichtlinie für Gynäkologen auf den Weg bringen .

veröffentlicht am 08.10.2007 um 00:00 Uhr

Ingrid und Ulrich Becker bleibt nur noch das Foto ihrer Tochter

"Unsere Tochter könnte noch leben", ist Ingrid Becker überzeugt, "durch bessere Früherkennung und entsprechende Weiterbehandlung hätte man sie retten können." Maike Becker starb am 26. Juni 2006 im Alter von 30 Jahren. Am Sterbebett haben die Eltern ihr versprochen, "dass wir alles tun werden im Kampf gegen den Gebärmutterhalskrebs". Nur ein Jahr zuvor habe ihre Tochter plötzlich über unerträgliche Schmerzen geklagt, berichtet Becker. Ein Rettungswagen brachte die 30-Jährige ins Krankenhaus. Die Diagnose: Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) im weit fortgeschrittenen Stadium. "Damit ist für uns eine Welt zusammengebrochen", so Becker. Es folgte die Suche nachweiteren Therapiemöglichkeiten - und eine 16 Stunden dauernde Operation in Leipzig. 14 Tage später der nächste Schlag: "Fistelnder Morbus Crohn" und eine Not-OP. Eine Chemotherapie blieb erfolglos. "Maike ist bei uns zu Hause gestorben", erinnern sich die Beckers an das Ende des Leidensweges ihrer Tochter. Die Ursache für die späte Diagnose und den tödlichen Verlauf scheint ebenso dramatisch wie alarmierend: Maike hatte bei gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen im Jahr 2004 Zellabstriche vom Gebärmutterhals, den so genannten PAP-Test, vornehmen lassen. Resultat: zwei "PAP III"-Befunde. "Hier hätte eine weitere Untersuchung erfolgen müssen", ist Becker überzeugt. Da es in Deutschland bei diesem Befund keine verbindlichen Behandlungsrichtlinien gibt, liegt es im Ermessen, weitere Schritte einzuleiten. Frauen seien daher aufgefordert, aktiv nach dem Ergebnis des Abstriches zu fragen und sich die Bedeutung erklären zu lassen. "In vielen Ländern sind bei diesen Vorbefunden Behandlungsrichtlinien und zwei Abstriche pro Jahr Standard", sieht die Schaumburgerin Handlungsbedarf. "Dass es keine diesbezüglichen Vorgaben gibt, ist skandalös." Geblieben ist das Versprechen an Tochter Maike und viel Motivation für die Hilfsaktion "Goldfever"-Diamant. "Goldfever" heißt das Pferd von Springreiter Ludger Beerbaum. "Maikes Lebensinhalt waren Pferde", berichtet Becker von der "glücklichen Fügung, dass unsere Schwiegertochter kurz nach Maikes Tod bei einem Reitturnier Thomas Peter von ,Semper Fides' kennen lernte". Der Edelstein-Unternehmer erklärte sich bereit, einen künstlichen Diamanten zu sponsern. Dieser wächst derzeit aus dem gewonnenen Kohlenstoff der Schweifhaare des Pferdes heran. Später soll er 1,02 Karat haben. Beerbaum unterstützt die Hilfsaktion mit Veranstaltungen für krebskranke Kinder. Diese durften auf seinem Hof reiten und "Goldfever" sehen. Auch Beerbaums Mutter ist an Krebs verstorben. "Aufgrund meiner Erfahrung mit der Krankheit habe ich mein Engagement für die Deutsche Krebshilfe intensiviert. Es ist wichtig, Diagnostik und Therapie weiter zu verbessern", erklärt der Weltklassereiter. Die Versteigerung des Diamanten läuft noch bis Mitte November. Wer den Zuschlag erhält, bekommt den goldgelben Diamanten. Der Einsatz geht zu 100 Prozent an die Deutsche Krebshilfe. Am 18. November wird das Ergebnis in der ZDF-Fernsehgala "Melodien für Millionen" mit Dieter Thomas Heck bekannt gegeben. Das aktuelle Gebot liegt bei 15 000 Euro. Mehr Infos: www.semperfides.eu.

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