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Erneut Nackenschlag für Hartz IV-Empfänger / Michael Scheler bleibt auf 200 Würstchen sitzen

Unhygienisch?! Kreis macht Grillstand dicht

Bückeburg (tw). Die Enttäuschung steht Michael Scheler ins Gesicht geschrieben: Erst lässt die S tadt Bückeburg seine Traum platzen, in der Fußgängerzone einen mobilen Bratwurststand zu betreiben - (wir berichteten) und jetzt sieht er sich auch noch vom Landkreis Schaumburg von seinem Holzkohlengrill am E-Center verbannt.

veröffentlicht am 07.06.2008 um 00:00 Uhr

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Was sich für den 50-jährigen Hartz IV-Empfänger als "neuerlicher Nackenschlag", darstellen sollte, begann zunächst vielversprechend: "Nachdem ich mit meinem Wunsch, in Bückeburg Coburger Rostbratwürste zu verkaufen, bei der Stadt abgeblitzt bin, hat sich das E-Center an der Wilhelm-Raabe-Straße meinererbarmt". Am Mittwoch baute er unter dem Vordach des Marktes direkt neben dem Haupteingang einen - geliehenen - Holzkohlengrill auf, kaufte für 400 Euro Würstchen und Steaks ein und stellte eine Biertischgarnitur auf. Ein Kühlschrank, der seinen Strom vom E-Center bezog, sorgte dafür, dass das Grillgut nicht verdirbt. Standgebühren musste er keine bezahlen. Das Geschäft lief - "und es lief gut", so der gebürtige Coburger. Die Würstchen zu 1,70 Euro (Brötchen inklusive), die Steaks zu 2,20 Euro gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. 80 Exemplare setzte er allein am Mittwoch ab. Das Glück währte indes nicht lange, denn am Donnerstag um 11.30 Uhr war nach dem 30. Würstchen unversehens Schluss. "Ein Lebensmittelkontrolleur des Landkreises erschien an meinem Stand, erklärte, dass mein Grill überdacht sein müsse", so Scheler. Sein Hinweis, dass der Grill doch unter dem Schleppdach des Marktes stehe, machte auf den Kontrolleur keinen Eindruck: "Er erklärte, dass ich nichts mehr verkaufen dürfe - und meinen Stand bis 14 Uhr abzubauen hätte", ärgert sich der Bückeburger. Widerstrebend folgte er der Anordnung des Amtes und packte ein. Bei der Landes-Zeitung packte er dann aus: "Ich habe mein ganzes Geld für das Grillgut ausgegeben - habe jetzt bis zum Ende des Monats nichts mehr zum leben." Obendrein haben auch der Gewerbeschein (21 Euro) und das Hygienezeugnis (26 Euro) Geld gekostet. Ein "Dach" und sei es nur in Form eines mobilen Pavillons, könne er jetzt jedenfalls nicht mehr kaufen. Was das Maß für den Hartz IV-Empfänger voll macht: "Ich habe noch etwa 200 Würstchen respektive Steaks über. Die kann ich nun wegwerfen", so Scheler. Für den Landkreis indes stellt sich die Situation anders da: "Das Problem liegt im Bereich der gewerblichen Hygiene", erläutert Klaus Heimann. Der Pressesprecher: "Nicht jeder kann einfach irgendwo einen Grill aufstellen." Der Lebensmittelkontrolleur, der nach einer Vorabinfo des Bückeburger Ordnungsamtes am E-Center nach dem Rechten gesehen habe, habe lediglich darauf geachtet, dass eine entsprechende EU-Hygieneverordnung eingehalten werde. Die trägt die Nummer 852 und ist sei etwa fünf Jahren in Kraft. "Sie besagt", so Heimann, "dass Lebensmittel sowohl von oben als auch von den Seiten geschützt werden müssen." Ersteres nicht zuletzt wegen möglichem Vogelkot. Normal sei, dass ein Grill von einem Tresen umgeben ist und obendrein ein Dach habe. Außerdem müsse Wasser zum Reinigen der Hände vorhanden sein. "Herr Scheler", so Heimann, "hatte dagegen lediglich eine Camping-Garnitur und einen Holzkohlengrill - mehr nicht." Merkblätter , in denen auf diese Dinge hingewiesen wird, gibt es im Veterinäramt des Landkreises. Beratung übrigens auch.



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