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Windhose verursacht Schäden / Strom- und Produktionsausfall in Glashütte und bei Wesergold

"Unheimlich wie ein heranrasender Sattelzug"

Rinteln/Deckbergen (wm) . In der Nacht zum Montag hat morgens gegen vier Uhr eine Windhose, die von Westen nach Osten gezogen ist, auf einer etwa ein Kilometer breiten Schneise zwischen Neelhofsiedlung, Westendorf und Deckbergen Dutzende von Bäumen gefällt, Häuser beschädigt und das Dach des Umspannwerks von E.ON Weser in Westendorf abgehoben. Einzelteile des Daches wurden bis in die umliegenden Felder getragen. Durch den Ausfall der 110-KV-Leitung war in Rinteln für vier Minuten der Strom weg, bestätigte gestern auf Anfrage Thomas Seewald, technischer Leiter bei den Stadtwerken.

veröffentlicht am 05.08.2008 um 00:00 Uhr

Am Umspannwerk Westendorf wurde das Dach abgedeckt. Fotos: tol

E.ON-Pressesprecher Dieter Vollmer in Paderborn erläuterte Details: Die herumfliegenden Teile des Daches hätten einen Kurzschluss ausgelöst. Deshalb sei es zwischen 3.58 und 4.03 Uhr zu einem Stromausfall in der Kernstadt Rinteln und in einigen Dörfern gekommen. Vollmer: "Damit verbunden war ein Spannungseinbruch im Millisekundenbereich in weiten Teilen des Weserberglandes." Während der Reparaturarbeiten werde Rinteln über das Umspannwerk Hameln-Afferde versorgt. In der Glashütte Owen-Illinois in der Stoevesandtstraße legte der Stromausfall bis morgens gegen 8 Uhr die gesamte Produktion lahm. Wie Betriebsleiter Peter Ernst gestern auf Anfrage schilderte, ist es zum Glück zu keinem "GAU", dem Schmelzen der Glaswanne gekommen, weil sofort die Notstromaggregate angesprungen seien - und damit auch die Kühlgebläse für die Schmelzwanne mit 350 Tonnen flüssigem Glas. Die Produktion allerdings habe man nach dem Stromausfall nur in einzelnen Schritten wieder hochfahren können. Einähnlichen Bild bei Wesergold: Die Kesselanlage sei ausgefallen, der Reinigungsprozess gestoppt worden, alle Maschinen hätten rund vier Stunden stillgestanden, erläuterte der technische Geschäftsführer Franz Driessen. Auch bei Wesergold gibt es ein Notfallsystem, um bei Stromausfall die Steuerung kontrolliert herunterfahren zu können, was größere Schäden verhindert. Einen Schutzengel hatte ein BMW-Fahrer aus Hameln auf der Bundesstraße zwischen Deckbergen und Westendorf, dem in voller Fahrt ein Baum auf den Wagen kippte. Das Fahrzeug wurde beschädigt, der Fahrer blieb unverletzt. Marina Groppe aus Westendorf war Augenzeugin, als der Tornado ankam: "Ein unheimliches Geräusch. Es hörte sich an, als ob ein großer Sattelzug heranrasen würde, nach eineinhalb Minuten war der Spuk vorbei." Die Windhose hat in ihrem Garten einen Pavillon zerfetzt und eine große Blumenschale von der Terrasse hochgehoben und mehrere Meter weiter mitten auf einer Wiese wieder abgesetzt: "Den Blumen ist nichts passiert, da war kein einziges Blatt ab." Für die Feuerwehren in Westendorf und Engern war die Nacht um vier Uhr zu Ende, die Feuerwehrleute mussten vor allem umgestürzte Bäume von den Straßen räumen. Die Ortsbrandmeister Dirk Scheiper in Westendorf und Ralf Bredemeier in Deckbergen listeten die Einsätze auf: Mehrere Bäume, vor allemPappeln, kippten hinter dem Bahnübergang in Engern um, weitere Bäume entwurzelte die Windhose an der alten Badeanstalt in Deckbergen, in der Osterburgstraße, an der Verbindungsstraße zwischen Westendorf und Ahe, in der Zollstraße und in der Stolzenegge. In der Neelhofsiedlung wurde ein Stalldach beschädigt, in Deckbergen brannte ein Ast, der auf eine Hochspannungsleitung geflogen war. Es war eine Windhose, deren Daten nirgends registriert worden sind: Auf dem Flugplatz Achum wehte um diese Zeit nur ein "laues Lüftchen", mit Windgeschwindigkeiten um die 45 Stundenkilometer. Professor Dr. Günter Groß vom Institut für Meteorologie der Uni Hannover bestätigte, es sei Zufall, konkrete Daten eines solch eng begrenzen lokalen Wetterereignisse erfassen zu können: "Dann muss die Windhose schon über die Messstation hinwegfegen."



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