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"Die schöne Müllerin": Aufführung im Staatsarchiv stößt auf offene Ohren

Unglückliche Liebe in vielen Farben

Bückeburg. Im gut besuchten Saal des Staatsarchivs waren am Sonntag Bariton Wolfgang Grupe und Pianist Gerhard Stahlhut zu Gast, um Schuberts mit der hannoverschen Musikpädagogin Julia Fritsch in zwei Jahren erarbeiteten Liederzyklus "Die schöne Müllerin" aufzuführen.

veröffentlicht am 27.02.2008 um 00:00 Uhr

Autor:

Dietlind Beinßen

Die Zuhörer wurden nicht nur zufriedengestellt, sondern auch angenehm überrascht. Was die beiden trotz Ruhestandes noch aktiven Musikschüler da offerierten, musste auf offene Ohren stoßen. Wolfgang Grupe, der den Zyklus von 20 Gesängen in fast auswendigem Vortrag und ohne Pause sehr engagiert gestaltete, schaffte es nämlich, bildhaft aufzuschlüsseln, dass es sich hierbei nicht um die harmlose Idylle einer Liebesgeschichte handelte, sondern um eine kleine Tragödie in Liedern. Der Laienkünstler versuchte mit Erfolg, Wilhelm Müllers Gedichte in Einheit mit Schuberts tönenden Gefühlswelten zu bringen. Dabei halfen ihm gute Verständlichkeit sowie die Tatsache, dass er sich den Inhalt stimmlich zu eigen machte, über manche Schwierigkeiten des sich gern widerspenstig gebenden Stoffes hinweg. Und so wanderte Wolfgang Grupe zunächst heiteren und forschen Schrittes los und später zielsicher auf die emotionalen Wendepunkte zu. Also immer mehr hinein in diese klangüppige "Ich-Erzählung", einer Art lyrischen Selbstbekenntnis, die von Glück und Leid des - in diesem Fall nicht mehr - jungen Müllerburschen mit der schönen, aber treulosen Müllerin erzählt. Gerhard Stahlhut erwies sich bei dieser für die Interpreten anstrengenden Tour als Partner, der auf die Impulse seines Kollegen reagierte und dem Flügel gleichsam einen rhythmisch pointierten und technisch fast immer sicheren Schubert-Sound entlockte. Am Ende zog es den Müller in den Bach, für den Sänger und seinen Begleiter gab es stürmischen Applaus, dem "Ich hört ein Bächlein rauschen" aus "Wohin", dem zweiten Abschnitt von "Der schönen Müllerin", als Extrabeitrag folgte.



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