weather-image
14°
Drei Planungsbüros entwickeln Konzepte für attraktivere Nutzung des Flussufers / Freitag Doppelseite

"Ungenutztes Potenzial": Visionen für die Weser

Rinteln (crs). "Nutzen wir eigentlich das ganze Potenzial, das uns die Weser bietet?" Die Frage von Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz, das ist klar, hat etwas Rhetorisches. Seit Jahrzehnten wird in Rinteln darüber nachgedacht, wie die Weser stärker ins Bewusstsein gerückt, besser ins Stadtbild einbezogen werden kann. Im Rahmen eines "Leader+"-Projektes haben jetzt drei Planungsbüros Konzepte für eine attraktivere Nutzung des Flussufers entwickelt. Am Montagabend sind die Ergebnisse den Mitgliedern von Stadtrat und Ortsrat erstmals präsentiert worden.

veröffentlicht am 09.05.2007 um 00:00 Uhr

0000448678-gross.jpg

Es sind innovative Ideen, teilweise radikale Visionen, die Möglichkeiten für eine touristische Weiterentwicklung und ein Leben am Fluss aufzeigen. Drei Bürogemeinschaften haben sich Gedanken gemacht: die Landschaftsarchitekten Irene Lohaus und Peter Carl aus Hannover, die ebenfalls in Hannover ansässige "Arbeitsgemeinschaft für Objekt- und Stadtplanung" mit Diether Heisig und Eggert Sass und das Obernkirchener Atelier für Architektur und Design (AAD) von Wolfgang Hein in Zusammenarbeit mit dem Goldbecker Ingenieurbüro Böhm. "Rintelnöffnet sich nicht gerade zum Wasser", formuliert Peter Carl zu Beginn seiner Präsentation vorsichtig den Status Quo. Mit seinen Ideen will er die Menschen stärker an den Fluss heranführen: Im Mittelpunkt des Konzepts stehen auf beiden Flussseiten durchgehende Promenaden direkt am Weserufer. Akzente wollen Carl und Lohaus mit einer Platanenallee auf dem Woolworth-Parkplatz und einem "Mystischen Baumhain" als Spiel-, Grill- und Picknickplatz am Doktorseegelände setzen. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Aufwertung des Alten Hafens: Die Planer denken an eine Hafennutzung für Freizeitkapitäne, einen Café-/Restaurant-Neubau als modernen Glaskubus, eine Pension und ein preisgünstiges "Luftmatratzenlager" in den bestehenden Gebäuden. Am Kopfende des Hafenbeckens soll außerdem eine Freitreppe zum Sitzen in der Abendsonne einladen. Eine "Bastion" am Weserufer wollen Diether Heisig und Eggert Sass schaffen: Am Eingang zum Woolworth-Parkplatz soll eine mit einem Sonnensegelüberdachte Aufenthaltsfläche mit Sitzblöcken und maritimen Elementen entstehen. "So viel wie möglich an die Weser ran", schildert Eggert Sass die Prämisse der Hannoveraner Planer auch bei den übrigen Details: So soll am Südufer eine großzügige Treppenanlage direkt von der Weserbrücke auf die Promenade führen, die als Spazierweg bis zum Doktorsee fortgeführt wird. Auch der Weserradweg soll mit einer neuen Streckenführung besser an die Weser angebunden werden und schon hinter dem Gelände des Kanuclubs auf den Fluss stoßen, wo ein Pavillon mit Blick auf die Altstadt zum Verweilen einlädt. Außerdem geplant sind ein Rundwanderweg über einen Steg über die Neue Exter zum Alten Hafen, ein Spielplatz und eine Hundewasserstelle. Den radikalsten Vorschlag macht die Planungsgemeinschaft AAD und Böhm: Der Woolworth-Komplex soll abgerissen werden, stattdessen entsteht ein "Brückentorplatz" mit Weserpromenade. "Man muss mit Visionen arbeiten, wenn man eine Stadt weiterentwickeln will", wirbt Wolfgang Hein für den mutigen Ansatz. Ein verbindender Platz zwischen Altstadt, Weser und Nordstadtsoll die Anlage mit Sitzterrassen, Gastronomie und Steganlage sein, "ein Ort zum Genießen und Entspannen", von der Brücke zu erreichen über eine Rampenanlage. Und mit Blick auf die "Land Art" am gegenüberliegenden Weserufer: Auf der Wiese dort könnte ein Skulpturen- oder Stelenpark entstehen. Am Alten Hafen soll ein Biergarten mit Grillplatz Familien anziehen, am Steinanger ein Sportboothafen entstehen. Wichtig ist den Planern auch die bessere Anbindung des Doktorsees über einen Rundweg. Die Vorschläge liegen ab kommender Woche öffentlich im Rathaus aus, werden außerdem im Internet veröffentlicht. "Anregungen von Bürgern sind gern gesehen", betont Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz ausdrücklich den Entwurfscharakter der Konzepte. In den kommenden Wochen soll eine Arbeitsgruppe einen Vorschlag mit Prioritätenliste entwickeln. Sonderseite: Am Freitag, 11. Mai, präsentiert unsere Zeitung die Ideen ausführlich auf einer Doppelseite.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare