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Neues Programm der Bundesagentur soll qualifizieren und Arbeitsplätze sichern

Ungelernte sind auf derÜberholspur auf der beruflich sicheren Seite

Nammen (ly). Frank Deistler nimmt dieÜberholspur und sieht sich auf der sicheren Seite. Der Mindener, Fahrer der Spedition Meyer-Jumbo in Nammen, erwirbt demnächst den Führerschein CE/2. Bezahlen wird die Bundesagentur für Arbeit. Ein neues Programm macht's möglich.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 15:09 Uhr

Den weißen 7,5-Tonner im Hintergrund fährt Frank Deistler (recht

Gelernt hat Frank Deistler Stuckateur und Trockenbauer, seit drei Jahren sitzt er hinterm Jumbo-Steuer. "Ich bin flexibel einsetzbar, mein Arbeitsplatz wird gesichert", blickt der 42-Jährige optimistisch in die Zukunft. Sobald Deistler die neue Lizenz in der Tasche hat, früher bekannt als Führerschein der Klasse II, darf er 40-Tonner fahren. Zurzeit muss er sich noch mit 7,5 Tonnen schweren Lastern begnügen. Deistler ist kein ausgebildeter Berufskraftfahrer, er wurde vielmehr intern angelernt. Deshalb erfüllt der 42-Jährige die Voraussetzung für eine Teilnahme beim WeGebAU-Sonderprogramm der Bundesagentur für Arbeit. Mit finanzieller Unterstützung der Agentur können Betriebe auf diese Weise Mitarbeiter qualifizieren, die entweder älter sind als 45 Jahre oder keinen Berufsabschluss besitzen. Bei Meyer-Jumbo erwerben demnächst neun Leute den Gefahrengutschein, drei machen Führerschein CE/2. Für das Programm, das auch in Niedersachsen läuft, stehen bundesweit 200 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Teil ist bereits ausgegeben. Arbeitnehmern erstattet die Agentur deren Lehrgangskosten, Betriebe werden durch Zuschüsse zu Lohn oder Gehalt unterstützt, einschließlich der Beiträge zur Sozialversicherung. "In Deutschland besteht ein hoher Bedarf an Weiterbildung", erklärt Thomas Richter, Leiter der Arbeitsagentur Herford. Seit Jahren werde dafür geworben, Fachkräfte auszubilden. Doch das dauert Jahre, und der Aufschwung scheint bereits heute da. Das neue Programm soll einen Teil der Lücke schließen. Am Ende steht entweder eine zusätzliche Qualifikation, die so genannte modulare Weiterbildung, oder gar ein Berufsabschluss. Die größte Nachfrage kommt laut Richter aus den Bereichen Metall, Elektro, Spedition, EDV und Sprachen. "Gefördert wird, was arbeitsmarktlich sinnvoll ist", sagt Bernhard Becker vom Arbeitgeberservice Minden. Mike Tolksdorf, Leiter des Fuhrparks bei Meyer-Jumbo, begrüßt das Engagement seines Mitarbeiters Deistler. "In der gesamten Branche herrscht absoluter Fahrer-Notstand", erklärt er. Die Nammer Firma bildet auch selbst Berufskraftfahrer aus, zurzeit sind es fünf. Meyer-Jumbo, gegründet im Jahr 1964, ist ein mittelständisches Speditions- und Logistikunternehmen mit Zentralsitz in Porta Westfalica sowie Niederlassungen in Bad Bevensen (Lüneburger Heide) und Oberhausen. In Nammen werden rund 160 Mitarbeiter beschäftigt, insgesamt etwa 180. Zur Gruppe gehören mittlerweile fünf Unternehmen. Allein die Speditionsgesellschaft erzielt nach Angaben der Geschäftsführung einen Jahresumsatz von 18,8 Millionen Euro.

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