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Zwischen Rehren und Eilsen kracht'süberdurchschnittlich häufig / Modellversuch zum Überholverbot für Lkw läuft

Unfallschwerpunkt Schaumburg: Tempo 100 als Lösung?

Landkreis. "A 2: Beifahrerin (31) bei Chaosunfall getötet" - "Sekundenschlaf auf der A 2: Drei Tote und sechs Verletzte" - "Horror auf der Autobahn: Vier Kollisionen". Drei Schlagzeilen unserer Zeitung aus den vergangenen drei Monaten, die einen Trend widerspiegeln: Die Unfallzahlen steigen drastisch. Zwischen Bad Nenndorf und Bad Eilsen hat die Autobahnpolizei Garbsen in den ersten drei Quartalen 611 Unfälle mit 154 Verletzten registriert, im gleichen Zeitraum 2005 waren es 488 Unfälle und 96 Verletzte. Besonders alarmierend ist die Zahl der Unfalltoten: Elf Menschen sind bis Ende September auf der A 2 in Schaumburg ums Leben gekommen. Im gleichen Zeitraum 2005 waren es zwei Tote.

veröffentlicht am 24.11.2006 um 00:00 Uhr

Unfallschwerpunkt Auetal: Lutz-Werner Kahn von der Autobahnpoliz

Autor:

Christiane Riewerts

Mehr Verkehr, mehr Unfälle. Diese schlichte Formel bietet eine, aber nicht die einzige Erklärung für die nach oben schnellenden Zahlen. Seit dem Ausbau auf drei Spuren in den neunziger Jahren hat der Verkehr auf Schaumburgs A 2-Strecke spürbar zugenommen. Gut 90 000 Fahrzeuge zählte die Polizei damals in 24 Stunden, heute sind es 110 000. Nach Einschätzung der Polizei gehört die A 2 rund um Hannover zu den am stärksten befahrenen Autobahnabschnitten in Deutschland. Zum Vergleich: Die A 7 als Nord-Süd-Verbindung hat gerade mal 80 000 bis 90 000 Fahrzeuge am Tag zu verkraften. Überproportional angestiegen ist durch den Fall des Eisernen Vorhangs der Lkw-Verkehr auf der "Warschauer Allee": Rund 30 000 Lkw sind jeden Tag auf der A 2 unterwegs. Dieser Schwerlastverkehr ist nicht nur nervig, sondern birgt auch besondere Risiken. So zwingen "Elefantenrennen", lange dauerndeÜberholvorgänge zwischen Lkw, auch den Pkw-Verkehr zu oftmals risikoreichen Fahrbahnwechseln. Detailliert analysiert die Autobahnpolizei in Garbsen jeden einzelnen Unfall. Die so genannte "Unfalltypen-Steckkarte" zeigt Ursachen und Folgen auf einen Blick. Und offenbart eine eigentlich simple Wahrheit: Die allermeisten Unfallfahrer waren schlicht zu schnell unterwegs.Überhöhte Geschwindigkeit, gepaart mit zu geringem Abstand oder einem Wechsel der Fahrbahn, ist die Todesursache Nummer 1 auf der A 2. Aber die Häufung von Unfällen auf der Schaumburger A 2 liegt auch in den geographischen Besonderheiten der Strecke (siehe "Zum Thema"). "Steigung, Gefälle und Kurvenlagen in Zusammenhang mit häufig wechselnden Witterungsverhältnissen spielen hier sicher eine Rolle", sagt Lutz-Werner Kahn, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes bei der Autobahnpolizei in Garbsen. Mit 20,7 Unfällen pro Kilometer liegt der ländliche Abschnitt zwischen Rehrenund Eilsen sogar über dem Gesamtdurchschnitt im Bezirk der Autobahnpolizei Garbsen von 18,8 Unfällen pro Kilometer, in den immerhin der Ballungsverkehr rund um die Landeshauptstadt Hannover mit einfließt. "Die Unfälle auf unserem Autobahnabschnitt haben ganz schön zugenommen in letzter Zeit", sagt auch Auetals Gemeindebrandmeister Karl-Heinz Nothold. Oft als Erste am Ort des Geschehens sind die Auetaler Feuerwehren, die Stützpunktwehren Rolfshagen und Rehren sind gleichsam im A 2-Dauereinsatz: Gut ein Drittel aller Einsätze sind Unfälle auf der Autobahn. "Das geht oft an die Nieren." Deswegen macht sich Nothold Gedanken, wie die Unfallzahlen verringert werden könnten: "Durchgehend Tempo 100, das wäre einen Versuch wert", meint er. Das sieht die Polizeiähnlich: "Eine Harmonisierung der Geschwindigkeit könnte Unfälle vermeiden helfen", sagt Kahn. So registriert die Autobahnpolizei bei Nenndorf Spitzengeschwindigkeiten von 260 Stundenkilometern, Tempo 170 bis 190 ist hier ganz normaler Durchschnitt. Heikel wird es, wenn Fahrzeuge mit Tempo 80 von der Auffahrt kommen: "Da muss jeder bremsen oder den Fahrstreifen wechseln, dann passt der Abstand nicht mehr - das sind die gefährlichen Momente." Deswegen hält die Polizei eine Angleichung auf Tempo 100 oder 120 an diesen neuralgischen Punkten für sinnvoll. Zusätzlich sollen die Kontrollen verschärft werden, die Brücken mit den digitalen Verkehrshinweisen auch zur Überwachung der Geschwindigkeit genutzt werden. Zweiter Ansatzpunkt ist einÜberholverbot für Lkw. In einem gerade angelaufenen Feldversuch überprüft die Technische Hochschule Wolfenbüttel positive Auswirkungen auf Unfallzahlen. Kahn wartet gespannt auf das Ergebnis: "Das lässt sich für Schaumburg hochrechnen."

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